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Chronisch entzündliche Gallenwegserkrankungen: MedUni Wien forscht intensiv an einer der letzten „Black Boxes“ der Hepatologie

(Wien, 05-12-2014) Die primär sklerosierende Cholangitis ist eine immunologische Erkrankung der Gallengänge, die zu einem Stau der Gallenflüssigkeit und in weiterer Folge zu Gallenwegskrebs bzw. Leberzirrhose führen kann. „Obwohl immunologische Leber- und Gallengangserkrankungen seltener als Virushepatitis und Fettleber sind, zeichnen sie auf Grund der limitierten Behandlungsoptionen in großen europäischen Zentren für bis zu 25 Prozent aller Lebertransplantationen bei Zirrhose verantwortlich“, erklärt Michael Trauner, Leiter der klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien. Die Ursache der Erkrankung, die meistens zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt, ist eine der letzten „Black Boxes“ in der Hepatologie. An der MedUni Wien wird intensiv daran geforscht, dieses Rätsel zu lösen.

Am kommenden Donnerstag (11.12.) kommt im Rahmen der Hans Popper-Lecture einer der renommiertesten Experten für der Erforschung der von Leber-und Gallenwegserkrankungenfür zwei Vorträge nach Wien: Gregory J. Gores von der Mayo Clinic in Rochester. Die Hans Popper Lectureist dem Thema Gallengangskarzinom als eine der wichtigsten Komplikationen der primär sklerosierenden Cholangitis gewidmet, begleitend dazu finden auch 2 Forschungsseminare statt, in deren Rahmen NachwuchsforscherInnen der MUW ihre neuestenErgebnisse vorstellen und diskutieren können

Die Mayo Clinicund die MedUni Wien sind auf dem Gebiet der Hepatologie was die klinische wie translationale Forschung betrifft, weltweit führend. „Gores‘ Besuch bei der Hans Popper-Lecture der MedUni Wien spricht auch für unsere hohe internationale Reputation“, meint Trauner.

Unheilbare Lebererkrankung
Die primär sklerosierende Cholangitis ist eine derzeit medikamentös noch nach wie vor unheilbare Lebererkrankung, deren Ursache in einer Störung der Darm-Leber-Achse vermutet wird. Trauner: „Menschen, die daran erkranken, haben oft eine Darmentzündung.“ Eine Rolle dürften auch Störungen des Mikrobioms, also der den Menschen besiedelnden Mikroorganismen, vor allem auch im Darm, spielen. Die MedUni Wien forscht intensiv an neuen medikamentösen Therapiestrategien für diese Erkrankung, wie z.B. der nor-Ursodeoxycholsäure , die nach vielversprechenden Ergebnissen in der Grundlagenforschung bereits in einer multizentrischen europäischen Studie unter der Leitung von Trauner klinisch getestet wird.
 
Sonderforschungsbereich SFB35 erforscht hepatobiläre Transporter
Auch der Sonderforschungsbereich SFB35 der MedUni Wien (Sprecher Harald Sitte), der sich mit der Rolle von trans-membranöserTransporter-Proteine beschäftigt, stellt für diese Forschungen in der Gastroenterologie und Hepatologie eine wichtige Kooperationsbasis dar. Der SFB35 wurde erst kürzlich aufgrund des großen Erfolgs verlängert. Im Projekt „Molekulare Regulation hepatobiliärer ABC Transporter bei cholestatischen Lebererkrankungen“wird unter der Projektleitung von Trauner die Rolle von Galle-Transporter näher beleuchtet, ein wesentliches Ziel ist die Entwicklung neuer Therapieformen für Erkrankungen wie die primär sklerosierenden Cholangitis. Die Forschungsarbeiten zu Immunologischen Leber- und Gallenwegserkrankungen sind auch eine wesentlicher Bestandteil des Forschungsclusters "Immunologie" als einem der 5 universitären Forschungsschwerpunkte.

Über Hans Popper  
Hans Popper gilt als Begründer der modernen molekularen Hepatologie mit Wiener Wurzeln, nach seiner Vertreibung aus Österreich im Jahr 1938 prägte Popper mit der Fortsetzung seiner Laufbahn in den USA wie kein anderer das Fachgebiet der Hepatologie. Auf Popper gehen zahlreiche moderne Konzepte und Begriffe der Hepatologie zurück, wie die chronische Hepatitis, Cholestase und Leberzirrhose. Der visionäre Forschergeist Hans Poppers vereinte Grundlagenforschung und klinische Betrachtungsweise bereits zu einem Zeitpunkt, zu dem Biochemie und Molekularbiologie noch in ihren Kinderschuhen steckten. Faszinierend am Forscher Hans Popper ist, dass er trotz der noch relativ limitierten technischen Mittel seiner Zeit bereits in der Lage war, die wesentlichen Entwicklungen der modernen Hepatologie zu antizipieren. Seit 2011 gibt es auf Initiative von Michael Trauner die jährliche Hans-Popper-Lecture an der MedUni Wien, sowie ein Hans Popper Labor für Molekulare Hepatologie.

Termin: Hans Popper-Lecture am 11. Dezember 2014 & Research Seminare
Gregory J. Gores: „Perihilar Cholangiocarcinoma Translational and Clinical Advances“.  

Donnerstag, 11. Dezember 2014, 14.00 Uhr, Jugendstilhörsaal der MedUni Wien, Rektoratsgebäude (Spitalgasse 23. 1090 Wien). Interessenten bitte unter bettina.haller@meduniwien.ac.at anmelden.

Am Donnerstag (11.12.) und Freitag (12.12.) finden unter Mitwirkung von Gregory J. Gores auch zwei Research Seminare statt: Das Basic Science Research Seminar und das Translational and Clinical Research Seminar (jeweils ab 9.00 Uhr, Hörsaalzentrum, AKH, Ebene 7, Kursraum 9).

Für Programmdetails bitte unter bettina.haller@meduniwien.ac.at melden.