Skip to main content

news

Claudia Schüller-Weidekamm

Titel: Univ.-Lektorin Ass.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in MBA
Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin

 

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Für mich gab es keine wirkliche Entscheidung zur Karriere, sondern ich bin in das Ganze mehr oder weniger hineingewachsen. Wissenschaft hat mich früher während des Studiums schon stark interessiert. Nach Ende der Schule habe ich bereits in einem Forschungslabor eines Pharmakonzerns ein bisschen wissenschaftlich gearbeitet. Eigentlich wollte ich in diese Richtung gehen und habe dann die Medizin irgendwie entdeckt. Für mich bietet das Fach Radiologie an der Uniklinik die perfekte Mischung aus Wissenschaft und Medizin.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Ich habe in Deutschland mein Studium begonnen und habe dann in die Wege geleitet, dass ich während meines Erasmusaustauschjahres in Wien meine Dissertation machen kann und diese auch in Deutschland anerkannt wird. Ich bin dann in Österreich hängengeblieben, weil es mir hier gut gefallen hat und habe es gar nicht mehr zurück an die Charité nach Berlin geschafft. Durch einen Mentor, der mich wirklich motiviert hat, Ultraschallstudien zu machen, bin ich an der Uniklinik geblieben und inzwischen in verschiedenen wissenschaftlichen Gremien tätig. 

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
Ich bin zielstrebig und arbeite sehr fokussiert. Ich habe ein perfektes Zeitmanagement, weil wegen der Familie mit kleinen Kindern, der Arbeit und der Wissenschaft einfach viele Sachen parallel zu erledigen sind. Ich habe auch viel Optimismus und Freude bei der Arbeit und das, glaube ich, braucht man einfach. 

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?
Dadurch, dass ich zwei kleine Kinder habe, sind das sicherlich die Schwiegereltern hier in Wien, die mir den Rücken freigehalten haben. Ich war jeweils nur kurz in Karenz, aber während meiner Karenz habe ich es auch geschafft meinen MBA zu machen und das wäre ohne die Hilfe meiner Schwiegereltern sicherlich nicht gegangen. Meine Kinder sind auch eine Ressource für mich um Kraft aufzutanken. Außerdem holen sie einen wieder auf den Boden zurück, wenn irgendwelche Probleme für einen selber auf einmal groß im Raum stehen.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
Einen wirklichen Misserfolg kann ich nicht verzeichnen. Für mich ist es eher so, dass es immer wieder Ernüchterungen gibt, wenn man medizinisch an seine Grenzen stößt. Obwohl wir hier die perfekte Medizin haben, muss man trotzdem zuschauen, dass auch Bekannte oder Angehörige sterben. Diese Machtlosigkeit würde ich am ehesten hier einordnen. Aber an einen persönlichen Misserfolg kann ich mich nicht erinnern. 

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Eigentlich nicht wirklich. Allerdings sollte einer Frau klar sein, dass sie mindestens so viel leisten muss wie ein Mann, um akzeptiert zu werden. Eine Mutter ist trotz guter Unterstützung vom Partner immer noch hauptverantwortlich für die Kinder und das ist natürlich gleichzeitig zeitkonsumierend. Ich selbst habe allerdings an dieser Klinik eine tolle Abteilung gefunden, die wenn die Kinder einmal krank sind oder ich mich verstärkt um die Familie kümmern muss, das auch einsieht und mitträgt.

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?
Sicherlich der Kindergarten der Wiener Kinderfreunde vom AKH, der wirklich perfekte Öffnungszeiten hat. Das ist eine große Entlastung, dass man die Kinder hier schon im sehr frühen Alter anmelden kann. Ich habe mein zweites Kind schon mit 11 Monaten in den Kindergarten gegeben. Meine Kinder haben das gerne gemacht und es hat ihnen auch gut getan. Wichtig ist, dass das soziale Netz passt. Die Schwiegereltern waren auch wichtig. Das Wichtigste ist eigentlich, dass man eine Absicherung hat, dass die Kinderbetreuung passt. 

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich schaffe mir die Freizeit, da sie als Ausgleich zum Arbeitsleben extrem wichtig ist und wiederum die Produktivität und Kreativität fördert. Sport ist für mich ein ganz wichtiges Thema für den Ausgleich. Ansonsten spiele ich Klavier, treffe gerne Freunde, gehe essen oder genieße das große Kulturangebot in Wien mit Theater und Konzerten.

 

Tipps und Tricks
Ich denke das Wichtigste ist, dass man ein Ziel vor Augen haben muss. Außerdem sollte man sich ein Umfeld suchen, indem man sich wohlfühlt, wo es passt und man sich auch ein bisschen aufgehoben und verstanden fühlt. Den Optimismus sollte man nicht verlieren, auch wenn einmal eine kleine Niederlage kommt. Man sollte immer versuchen das Positive zu sehen und sagen: Ok, jetzt habe ich einen Fehler gemacht, aber ich kann es das nächste Mal dafür besser machen oder gleich von vornherein verhindern, dass das Problem überhaupt auftritt. Des Weiteren sollte man einen Freizeitausgleich haben, damit man nicht einfach nur seinen Kopf tief in die Arbeit reinsteckt und sonst nichts mehr sieht. Hier gilt es eine gute Work-Life Balance zu finden.