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Daniela Laimer

Titel:  Mag.a

Researcher of the Month- April 2013


Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Ich habe mich schon als kleines Mädchen für Biologie, damals insbesondere für Tiere interessiert. Als dreijährige habe ich z.B. Ameisen von der Terrasse in der Küche meiner Mutter gelockt und dann versucht sie dort anzusiedeln, weil ich sie so faszinierend fand. Meine Mutter war verständlicherweise wenig begeistert.
Später habe ich mich dann auch für andere Bereiche der Biologie interessiert, so dass ich mit 16 vor der Entscheidung stand später entweder Veterinärmedizin oder Biologie zu studieren. Ich habe mich dann für Biologie (Studienzweig Genetik) entschieden, weil man in der Veterinärmedizin doch viel Routinearbeit macht, während man in der Forschung immer neue Herausforderungen hat. Diese Entscheidung habe ich nie bereut und würde sie auch rückblickend wieder so treffen.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Für mich ist es sehr wichtig, dass ich „sinnvolle“ Arbeit verrichte, das heißt Arbeit deren Relevanz für mich klar erkennbar ist. Daher war für mich von vornherein klar, dass ich in Richtung medizinische Forschung gehen möchte. Die Medizinische Universität Wien habe ich gewählt, weil hier erstens Ärzte mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten und dadurch die Forschung wesentlich praxis- und lösungsorientierter ist als an reinen Forschungseinrichtungen und auch der unmittelbare Zugang zu Patienten-Material gegeben ist.
Meine Diplomarbeit habe ich auf der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Abteilung für Endokrinologie (Leitung: Univ. Prof Huber) in der Arbeitsgruppe von Dr. Andrea Kolbus gemacht. Hier habe ich an den Auswirkungen von Östrogen und Progesteron auf erythroide Precursor-Zellen geforscht. Für das Doktorat habe ich dann an die Universitätsklinik für Pathologie, Abteilung für Ultrastrukturpathologie (Leitung: Univ. Prof. Dontscho Kerjaschki) in die wissenschaftliche Arbeitsgruppe von Univ. Prof. Lukas Kenner gewechselt. Dort habe ich an einem Projekt zur Aufklärung der Rolle von AP-1 Faktoren in der Pathogenese von NPM-ALK positivem anaplastisch großzelligem Lymphom gearbeitet.
Im Zuge dieser Arbeit haben wir dann eine neue Behandlungsmethode für diese und verwandte Krebserkrankungen entdeckt. Der erste Patient, der aufgrund unserer Forschungsergebnisse behandelt wurde, war damals im Endstadium, mit einer Lebenserwartung von unter drei Wochen. Er war innerhalb von 10 Tagen nach Behandlungsbeginn tumorfrei und ist das auch bis heute geblieben, seit mittlerweile zweieinhalb Jahren.
Auch wenn die darauf folgende Publikation der Arbeit in Nature Medicine natürlich ein großer Erfolg und Anerkennung unserer Arbeit war: zu erleben wie aufgrund der eigenen Forschungsarbeit ein Mensch, der als unrettbar galt, geheilt wird und weiterleben kann, ist denke ich das größte Geschenk, dass man als Wissenschaftler bekommen kann. Ich bin sehr dankbar, dass ich es erleben durfte.
Nach Abschluss dieser Arbeit habe ich dann an der Universitätsklinik für Dermatologie, Abteilung Immundermatologie (Leitung: Univ. Prof. Georg Stingl) in der Arbeitsgruppe von Prof. Tamara Kopp und Dr. Christine Bangert, gewechselt. Hauptsächlich arbeite ich an einer Melanom- und einer Psoriasis-Studie.
Mein Forschungsschwerpunkt liegt in der Tumorbiologie, insbesondere in der Erforschung der Interaktion von Tumorzellen mit dem Tumor-Stroma, sowie in der Bio-Informatik, insbesondere in der Arbeit mit Tissue-FACS.

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
Ich bin recht selbstbewusst und energiegeladen. Ich kann auch sehr gut organisieren, habe viel Durchhaltevermögen und höre prinzipiell auf mein Bauchgefühl. Ich habe auch immer darauf geachtet nicht bis zur Erschöpfung zu arbeiten, weil Wissenschaft ein sehr kreativer Beruf ist. Man muss unkonventionell denken, andere Lösungsansätze und Fehler finden. Und man darf die Lust daran nicht verlieren, sonst ist man nicht mehr gut in seinem Job. Wenn man erschöpft ist, kann man all dies nicht mehr. Man muss also darauf achten, dass es einem gut geht.
Ich denke speziell Selbstbewusstsein, Spaß an der Arbeit und auf sein Bauchgefühl hören ist für eine erfolgreiche Karriere sehr wichtig. Man muss an sich und seine Ideen glauben.
Drei Jahre nach Beginn meines Doktorats hat mich mein damaliger Chef und Dissertations-Betreuer Lukas Kenner gefragt, ob ich die bisherigen Ergebnisse veröffentlichen und meine Dissertation abschließen will. Zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits sehr gute und interessante Daten. Wir wussten aber auch, dass wir für die Art Beweise, die für eine Publikation in Nature oder Science nötig wären noch weitere 2-3 Jahre Arbeit brauchen würden, ohne die Garantie, dass wir am Ende wirklich eine Top-Publikation haben würden. Meine Kollegen haben mir sämtlich geraten abzuschließen. Sie meinten es würde sich schlecht im Lebenslauf machen, wenn man so lange für die Dissertation braucht und es gäbe keine Garantie, dass wir wirklich in einem Top-Journal publizieren würden. Ich habe aber keine Sekunde überlegt das zu tun. Ich war mir sicher, dass unsere Daten halten und dass wir es schaffen werden. So war es dann auch.

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?
Meine Familie, insbesondere mein Mann und meine Mutter. Dass ich mir die Zeit genommen habe herauszufinden welche Dinge mir wirklich Spaß machen und mich in relativ kurzer Zeit wieder aufmuntern, wenn meine Experimente nicht so funktioniert haben wie sie sollten. 


Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
Den größten Misserfolg hatte ich gleich ganz am Anfang, bei meiner Diplomarbeit. Ich hatte noch nie vorher Zellkultur gemacht, und sollte nun bei meiner Diplomarbeit erythroide Precursor-Zellen ziehen. Es ist sehr schwierig Stammzellen und Precursor-Zellen in Kultur zu halten ohne dass sie entweder sterben oder weiter differenzieren. Das gilt noch viel mehr, wenn man keine Erfahrung mit Zellkulturen hat. Ich habe viele Monate lang erfolglos versucht diese Zellen zu ziehen. Jeden Tag war ich im Labor, auch an den Wochenenden. Gestorben sind sie trotzdem. Aber irgendwann war der Punkt da an dem sie gelebt haben. Was ich dabei gelernt habe? Nicht aufzugeben, auch wenn man lange keinen Erfolg sieht. Und welche Dinge mich recht schnell wieder aufmuntern und soweit zufrieden machen, dass ich den nächsten Tag im Labor in Angriff nehmen konnte.

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Nein. Ich glaube auch nicht, dass es generell für die Karriere hinderlich ist eine Frau zu sein. Ich glaube viel eher, dass Frauen mehr als Männer dazu neigen zu wenig selbstbewusst zu sein. Dadurch machen sie dann oft zu wenig auf ihre Leistungen aufmerksam und protestieren auch weniger als Männer, wenn sie übergangen werden.

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?
Ich habe noch keine Kinder.

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?
Zeit mit meinem Mann verbringen, Musicals (betreibe ich recht intensiv), meine zwei Kaninchen, lesen, Computerspiele.

 

Tipps und Tricks

  • selbstbewusst sein, nein sagen wenn nötig und an sich glauben
  • auf das Bachgefühl hören
  • herausfinden was einem wirklich Spaß macht und guttut (als Ausgleich)
  • nicht bis zur Erschöpfung arbeiten, Karriere macht nicht der der die meisten Stunden im Labor abgesessen hat! Man muss als Wissenschaftler kreativ sein und unkonventionell denken. Das kann man nicht, wenn man  erschöpft ist oder es einem sonst nicht gut geht.