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Daniela Prayer

Titel: Univ.-Prof.in Dr.in
Professorin für Neuroradiologie


Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Mich hat es schon von klein auf interessiert Dingen nachzugehen, die unklar sind und bisher noch nicht erforscht wurden. Die Neugier ist bei mir ein starker Trieb.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Ich hab es nicht im klassischen Sinne als wissenschaftlichen Weg empfunden, denn ich habe einfach meiner Neugier nachgegeben. Schon in der Schule habe ich mich mit Dingen beschäftigt, die über den Schulstoff hinaus gingen. Ich wollte immer etwas eigenes machen, das mich wirklich fasziniert. Das habe ich in Amerika gefunden, als ich mit Rattenhirnen forschen konnte. Nach meiner Facharztausbildung als Neurologin war ich von 1992-1993 an der UCSF in San Fransisco. Ich wäre gerne länger geblieben, aber das war finanziell nicht so leicht zu organisieren. Das Amerikajahr war für mich die Hinwendung vom klinischen Fach Neurologie hin zum radiologischen Fach. Ich habe danach nur noch als Radiologin gearbeitet.
Bestimmte Dinge waren vorgegeben, wie beispielsweise die Habilitation, aber ich habe das nie wegen der Karriere gemacht, sondern weil es mich interessiert hat.

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
Ich verfüge über Zähigkeit und lasse mich von Misserfolgen nicht abschrecken. Ich kann auch unheimlich viel einstecken. Ich habe oft wieder angefangen, habe mich nicht unterkriegen lassen, habe mein Ziel eine neuroradiologische Abteilung nach meinen Vorstellungen formen zu können vor Augen gehabt und es verfolgt, auch wenn mir Steine in den Weg gelegt wurden. 

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?
Ich hatte Unterstützung von meiner Familie - von meinen Eltern und von meinem Mann. Dafür bin ich wirklich dankbar, denn es ist nicht selbstverständlich, eine aufrechte Ehe mit zwei Kindern zu führen und trotzdem den beruflichen Interessen nachzugehen. Und es hat auch von meinem Mann Opfer erfordert. Er hat, trotz eigener Karriere, sehr viel bei der Kinderbetreuung mitgeholfen und mich immer ermuntert weiter zu machen.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
Es gab viele Rückschläge. Ich war beispielsweise als Stellvertreterin meines Chefs vorgesehen und es wurde dann in meiner Abwesenheit entschieden, dass es jemand ganz anderer machen wird. Mein Chef hat mir das nicht einmal persönlich gesagt. Das war ein Tiefschlag, ich war menschlich getroffen. Ich kann alles einstecken, aber wenn man so eine Entscheidung hintenherum erfährt, kommt man sich ziemlich wertlos vor.
Daraufhin war ich in meinen Aktivitäten eine Zeit lang gedämpft. Ich bin dann aber auf den Standpunkt gekommen „jetzt erst recht“ - und vielleicht war das in so ferne auch ganz positiv.

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Kinder aufziehen ist etwas, das trotz allem in den ersten Jahren der Frau obliegt, da kann auch der eigene Mann nicht wirklich helfen. Das ist eine Zeit in der eine Frau eine Doppel- bis Dreifachbelastung hat. Später habe ich auch meine Eltern zu Hause gepflegt. Auch wenn ich Hilfen gehabt habe, ist das eine große Belastung gewesen. Ich habe meinen Vater unter intensiven Bedingungen letztes Jahr zu Hause gepflegt, bis er gestorben ist. Aber ich bin stolz darauf, denn ich habe kein einziges Mal gefehlt und ich habe alle meine Dienste gemacht. So etwas kann man schon eine Zeit lang durchhalten und für mich ist es ein gutes Gefühl, dass ich ihm ermöglichen konnte zu Hause zu sterben.

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?
Ich habe mir das gut eingeteilt. Beim ersten Kind war ich nicht in Karenz, sondern bin gleich nach Amerika gegangen und habe diesen Aufenthalt als wissenschaftliche Karenz ausgenützt. Das zweite Kind habe ich einfach zum Arbeiten mitgenommen. Ich hatte damals einen Chef, dem es am wichtigsten war, dass die Arbeit geschieht. Unter welchen Bedingungen war ihm weniger wichtig – und wenn ich das Kind dazu gebraucht habe, hat er das eben toleriert.

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich versuche mich so oft es geht zu bewegen. In meinem Büro steht z.B. auch eine Yogamatte. Zudem habe ich eine nicht abgeschlossene Tanzausbildung. Als ich mit dem Studium fertig war, hatte ich nicht mehr genügend Zeit, um weiter zu tanzen. Aber während meiner Ausbildung in Lainz habe ich begonnen zu unterrichten. Ich arbeitete damals in einem Bereich, wo Übergewichtige und DiabetikerInnen betreut wurden. Für die habe ich einmal wöchentlich eine Turnstunde gegeben. Das kam so gut an, dass die PatientInnen auch ihre Verwandten mitgebracht haben. Bald war es notwendig, mir ein Studio zu suchen, in dem ich Stunden geben konnte. Ich mache auch hier am AKH einmal in der Woche eine Bewegungsstunde, hauptsächlich für Kolleginnen, manchmal haben wir auch Männer dabei.
Ich versuche noch immer neue Stile wie Yoga, Pilates etc. dazuzulernen. Ich konnte in diesem Bereich zwar keine Ausbildung abschließen, aber irgendwann werde ich mir noch eine Zertifizierung gönnen.

 

Tipps und Tricks

  • Ohne Leistung geht’s nicht. Es ist heutzutage noch immer so, dass es als Frau doch ein bisschen mehr braucht, als ein Mann in der gleichen Position - auch wenn wir uns darum bemühen, dass es sich ändert. Man muss sich auch auf Rückschläge einstellen, diese nicht persönlich nehmen und sich nicht unterkriegen lassen.Wenn man einen Weg vor sich sieht, soll man ihn gehen.
  • Netzwerke sind wichtig, aber sie sind nicht die Lösung für alles. Denn es ist auch oft so, dass die Ansprechpersonen je nach Karriereschritt wechseln. Früher hatte man eine Mentorin oder einen Mentor, die oder der einen durchgezogen hat, das ist heute nur noch sehr begrenzt möglich. Ich versuche das hier an der Abteilung für alle meine Jungen zu machen, also nicht nur für Frauen, denn alle sollen die gleichen Chancen bekommen.
  • Man sollte das Privatleben, wie Kinderbetreuung etc., so im Griff haben, dass es nicht ununterbrochen in den Beruf hineinspukt. Es muss dafür auch ein privates Netzwerk geben, das diese Dinge abfängt.