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Elisabeth Stögmann

Titel: Ass. Prof.in Priv. Doz.in Dr.in
Mitglied im Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen

 

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Ich wollte von Anfang an ein bestimmtes Fach machen und benötigte hierfür eben eine Ausbildungsstelle. Um meine diesbezüglichen Chancen zu optimieren, habe ich mir gedacht, wäre es gut wissenschaftlich zu arbeiten. Es ist am AKH üblich, dass man primär wissenschaftlich arbeitet und somit dann auch eher für eine klinische Stelle in Frage kommt. Ein weiteres Motiv war, nach dem Studium weiterhin an der Universität zu bleiben und nicht gleich klinisch, sondern eben universitär zu arbeiten. Das hat mich bewogen, mich für eine wissenschaftliche Tätigkeit zu interessieren, aber im Grunde hatte ich damals nicht wirklich eine konkrete Vorstellung davon, was es genau bedeutet. Das kann man auch nicht wirklich wissen, so lange man es nicht gemacht hat, glaube ich.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Anfänglich habe ich unbezahlt ein Projekt bei Fritz Zimprich begonnen, ein klinisch tätiger Neurologe, der aber auch viel wissenschaftlich arbeitet. Dann habe ich über den ÖNB Jubiläumsfonds die Finanzierung für eine Stelle bekommen und konnte für ein-zwei Jahre im Labor arbeiten. Aus dieser Tätigkeit ist eine sehr gute Arbeit entstanden, was auch ein Glück war. Das war dann meine Eintrittskarte für eine Karenzstelle, beziehungsweise in Folge auch für eine ganze klinische Ausbildungsstelle. Ich bin dann weiterhin wissenschaftlich aktiv geblieben in der Gruppe um Fritz Zimprich und Alexander Zimprich und habe den Kontakt gehalten. Wobei ich auch gemerkt habe, dass der Beginn der klinischen Arbeit eine Bremse für die wissenschaftliche Tätigkeit darstellt. Man ist am Anfang der klinischen Tätigkeit so absorbiert und mit so vielem konfrontiert und muss auch einiges nachlesen, dass eine Zeit lang wissenschaftlich nichts weitergeht. Aber irgendwann habe ich dann wieder einen Motivationsschub bekommen. Ich habe mich dann am Ende meiner Facharztausbildung habilitiert. Generell ist es jedoch schwierig, neben der Klinik gut wissenschaftlich zu arbeiten. Das ist, glaube ich, auch eines der Problemthemen an der MedUni Wien.

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
Meine Stärken sind, glaube ich, Konsequenz, Strukturiertheit und Teamfähigkeit. Alle drei Eigenschaften habe ich während meiner Zeit hier auch wirklich nutzen können.

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?
Im wissenschaftlichen und im klinischen Bereich sind Mentoren wichtige Ressourcen, in meinem Fall die schon oben genannten. Es waren öfters Männer, die mich in meiner Laufbahn unterstützt haben, wobei gesagt werden muss, dass es an unserer Klinik auch nicht viele Frauen gab, die eine arriviertere Position innehatten. Es gibt nicht so viele habilitierte Frauen oder es gab sie vor allem nicht, inzwischen sind es schon mehr geworden.
Privat halte ich den sozialen Ausgleich für eine wichtige Ressource für die Tätigkeit hier. Meine Freunde und vor allem auch mein Mann, der mir in den letzten Jahren eine wichtige Ressource gewesen ist.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
So einen eindeutigen großen Misserfolg kann ich gar nicht benennen. Ich finde sowohl der wissenschaftliche als auch der klinische Weg hier ist aber von multiplen kleinen Frustrationen geprägt. Man muss schon eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen, um dranzubleiben. Aber Misserfolge haben mich nie ganz abbringen können, schließlich bin ich noch hier. Ich denke, man muss immer wieder darauf achten, was man eigentlich will und auch hinterfragen, wohin man geht. 

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Ich bin mit meinem Lebensweg zufrieden und habe nicht das Gefühl, dass ich bereits ganz woanders sein sollte oder könnte. Was ich schon glaube, ist, dass sich Männer prinzipiell ernster nehmen und das auch ihrem Umfeld gut vermitteln können, so dass dann auch wirklich das Umfeld glaubt, sie leisten einen unheimlich wichtigen Beitrag. Ich habe es schon so erlebt, dass sich Männer besser durchsetzen können oder geradliniger ihren Weg verfolgen. Was ich derzeit wirklich auf verschiedene Weise als Karriereknick empfinde, ist die Geburt meines Kindes. Einerseits durch die Abwesenheit während des einen Jahres, das ich in Karenz gewesen bin, andererseits durch meine derzeitige Teilzeittätigkeit. Zusätzlich bin ich in einer gewissen emotionalen Ambivalenz, weil ich alles, was ich hier mache in Vergleich zu einer Zeit setze, die ich mit meinem Kind verbringen könnte. Diese Ambivalenz hat man als Frau schon stärker als es die meisten Männer haben, selbst wenn sie engagierte Väter sind, denke ich. Natürlich ist es super ein Kind zu haben, aber ich finde auch, dass es eine Herausforderung ist, mit Kind wirklich noch Karriereziele zu verfolgen und dabei das Gefühl zu haben, ich werde beiden Dingen gerecht. Vor allem, wenn man in beiden Bereichen hohe Ansprüche hat.

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?
Ich erlebe die Teilzeittätigkeit einerseits als hilfreich, andererseits aber karrieretechnisch auch als Nachteil, Stichwort Teilzeitfalle. Aber das Angebot ist unterstützend, weil man das Gefühl hat, man kann sein Kind gut versorgen. Ich habe eine sehr gute Kinderbetreuungseinrichtung gefunden und habe das Gefühl, dass mein Kind während meiner Arbeit gut versorgt ist. Mein Mann und meine Mutter sind ebenfalls wichtige unterstützende Faktoren in der Kinderbetreuung. 

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?
Mir sind soziale Kontakte sehr wichtig - reden. Außerdem unternehme ich gerne kulturelle Dinge wie ins Theater oder Kino gehen. Sport wäre sicher auch ein guter Ausgleich, nur der kommt gerade etwas zu kurz. 

 

Tipps und Tricks
Für die wissenschaftliche Karriere ist es wichtig, Kontakte zu knüpfen und ein Netzwerk aufzubauen, an dem man dran bleibt. Ich glaube, wenn man anfänglich wissenschaftlich arbeitet, so wie ich mit dem ÖNB Projekt, dann hat man irgendwie einen Fuß drinnen. Ich habe das Gefühl, wenn man zuerst in der Klinik arbeitet und dort stark eingebunden ist, dann ist es später viel schwieriger etwas wissenschaftlich zu etablieren. Hingegen wenn man im wissenschaftlichen Bereich bereits begonnen hat, bleibt man irgendwie dran. Man hat dann das Gefühl: Jetzt habe ich ohnehin schon etwas gemacht, jetzt mache ich da schon weiter. Bei meinen jüngeren Kolleginnen sehe ich öfters, dass sie total frustriert sind, weil sie neben der Klinik nichts weiterbringen. Dann lassen sie sich schnell ganz entmutigen. Privat habe ich den Tipp, dass man locker bleiben sollte. Nicht allzu verbissen sein, und eine gesunde Distanz zur Arbeit habe ich auch immer als sehr entlastend empfunden. Es gibt auch ein Leben außerhalb der MedUni Wien.