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Erfolg in der Therapie für Nierentransplantations-Patienten

Wien (01-08-2011) - Neue Alternative zur immunsuppressiven Therapie nach Nieren-transplantationen ohne die üblichen schweren Nebenwirkungen: Die Medizinische Universität war an der klinischen Entwicklung des Wirkstoffs Belatacept maßgeblich beteiligt. Jetzt wurde ein entsprechendes Präparat EU-weit zugelassen.

„Das könnte die Nierentransplantation und deren Therapie grundsätzlich revolutionieren“, sagt Ferdinand Mühlbacher, Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie und gemeinsam mit dem Immunologen Thomas Wekerle, im Wiener Studienzentrum federführend. Anstatt neun Jahre hält eine transplantierte Niere mit Unterstützung von Belatacept konservativen Schätzungen zufolge 13 Jahre. Mühlbacher ist etwas optimistischer: „Ich rechne mit 15 bis 17 Jahren.“ Neun von 22 Patienten sind noch immer in der Langzeitstudie der Wiener Wissenschafter. Sie werden seit zehn Jahren nach einer Transplantation mit der Substanz behandelt. „Ihre Nierenfunktionen sind exzellent“, sagt Mühlbacher.

Der Vorteil des Ko-Stimulationsblockers Belatacept ist leicht erklärt, denn es gibt im Gegensatz zu den herkömmlichen Immunsuppressiva, den Calcineurininhibitoren wie zum Beispiel Ciclosporin, keine Nebenwirkungen. Seit fast 30 Jahren werden Calcineurininhibitoren für die lebenslange Unterdrückung der unerwünschten Reaktionen des Immunsystems bei Organtransplantationen eingesetzt. Mit beträchtlichen möglichen Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Störungen des Fettstoffwechsels. Mühlbacher: „Aber jetzt haben wir eine Substanz, die gleich effektiv ist, nicht giftig ist, keine Nebenwirkungen hat und eine bessere Funktion des Organs gewährleistet.“

Das bei Transplantationen grundsätzlich erhöhte Krebsrisiko ist beim Wirkstoff Betalacept laut Mühlbacher gleich hoch wie bei den Calcineurininhibitoren. An der MedUni Wien gibt es jährlich rund 420 Transplantationen, 180 davon betreffen die Nieren. „Natürlich werden wir jetzt nicht alle auf das neue Medikament umstellen, aber bei neuen Patienten ziehen wir das natürlich in Betracht“, sagt Mühlbacher.

MedUni Wien: Große Reputation in der Transplantationsmedizin seit 1990

Der maßgebliche Anteil an der klinischen Entwicklung dieses Wirkstoffs unterstreicht auch die Transplantations-Kompetenz, die sich die Medizinische Universität Wien über Jahrzehnte erworben hat. „Unsere Reputation in der Transplantationsmedizin ist auf explodierende Spenderzahlen in den Neunziger Jahren zurückzuführen“, so Mühlbacher. „Allein 1990 gab es 260 Nierenpatienten.“ Aus den erfolgreichen Transplantationen ergab sich ein positiver „Jojo-Effekt“, der zu immer mehr Spendern und zu gesteigerter Reputation und internationaler Beachtung führte: 2013 findet der europäische Transplantations-Kongress in Wien statt, schon 2004 war Wien Austragungsort des 20. Weltkongresses der Transplantations-Gesellschaft.

Nieren- und Lebertransplantationen sind heutzutage bereits der „Normalfall“, so Mühlbacher, der aktuelle Trend seien Lungentransplantationen. Auch hier ist die Medizinische Universität Wien weltweit führend: Walter Klepetko, Vorstand der Abteilung für Thoraxchirurgie, leitet das größte Lungentransplantationszentrum in Europa, das zweitgrößte der Welt.