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Erste Hilfe bei Ertrinken: Die richtige Formel lautet „Prüfen-Rufen-Drücken“

(Wien, 26-06-2014) Am Freitag starten die drei östlichen Bundesländer in die Sommerferien, eine Woche später folgen die sechs weiteren. Ferien, das bedeutet auch Badespaß – egal ob an heimischen Seen, im Pool oder am Meer. Gleichzeitig aber versterben in Österreich jährlich rund 80 Menschen durch Ertrinken in natürlichen Gewässern, in Pools, Badewannen und sogar in Pfützen und Fässern, darunter etwa zehn Kinder unter fünf Jahren. Aber wie reagiert man richtig bei der Ersten Hilfe bei Ertrinkungsopfern? ExpertInnen der MedUni Wien haben das zum Ferienbeginn zusammengefasst: Die richtige Formel lautet „Prüfen-Rufen-Drücken.“

„Das Hauptziel jeder Ersten Hilfe bei Ertrinkungsopfern ist die rascheste Beseitigung des Sauerstoffmangels“, erklärt Mario Krammel von der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie und geschäftsführender Präsident des Vereins „Puls“ (Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztods“).

Die rettende und richtige Formel dabei lautet dabei „Prüfen-Rufen-Drücken“:
1) Prüfen: Person ansprechen und schütteln. Keine Reaktion? Keine normale Atmung?
2) Rufen: Um Hilfe rufen und Notruf 144 anrufen.
3) Drücken: mit der Herzmassage beginnen – kräftig und rasch auf die Mitte des Brustkorbs drücken.

Krammel: „Bei einem Ertrinkungsnotfall hat die Beatmung einen höheren Stellenwert als bei einem Kreislaufstillstand, dessen Ursache beim Herzen liegt. Deshalb sollte nach 30 Herzdruckmassagen immer zwei Beatmungen durchgeführt werden. Kinder werden dabei von einem Laienhelfer genauso behandelt wie ein Erwachsener.“ Wenn möglich, kann auch ein Defibrillator benutzt werden, der bereits automatisch jeden Handgriff mit einer Audio-Beschreibung vorgibt. Medizinisches Fachpersonal verabreicht bei Ertrinkungsopfern zunächst 5 initiale Beatmungen um den Sauerstoffmangel auszugleichen. Bei Kindern wird von Experten ein Verhältnis von Herzdruckmassage und Beatmung von 15 zu zwei durchgeführt.

„Ganz wichtig ist der Selbstschutz“, betont Krammel. „Der Helfer oder die Helferin soll sich natürlich nicht in Gefahr begeben, wenn der Patient noch im Wasser ist.

Falsch ist nur, nichts zu machen
„Wichtig ist, nicht zu zögern und sofort noch vor Eintreffen der Rettungskräfte mit den Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen, um einen Notkreislauf aufzubauen und damit Sauerstoff im Körper zu transportieren.“ Bereits nach drei Minuten ohne Sauerstoffversorgung können irreversible Gehirnschädigungen eintreten. Pro Minute ohne Wiederbelebungsmaßnahmen sinkt bei einem Patienten bzw. einer Patientin mit Kreislaufstillstand die Überlebenswahrscheinlichkeit um etwa zehn Prozent. Falsch machen könne man bei der Herzmassage mit Druck auf die Brustmitte nichts, so der Experte. Falsch wäre nur, gar nichts zu tun.

Ein Faktor bei Ertrinkungsopfern ist auch die Unterkühlung (Hypothermie). Deren Ausmaß hängt von der Wassertemperatur und der Isolation des Betroffenen (Kleidung, Verhältnis von Körperoberfläche zu Körper-Masse) ab. Krammel: „Insbesondere bei Kleinkindern kann eine rasche Absenkung der Körpertemperatur die Chance auf eine erfolgreiche Reanimation auch nach längerem Kreislaufstillstand erhöhen.“

Auch wenn das Ertrinkungsopfer ansprechbar ist und sich schnell erholt, wenn es aus dem Wasser gezogen wurde, sollte es in einem Krankenhaus mit intensivmedizinischer Abteilung untersucht werden. Bis zu 24 Stunden nach dem Unfall kann Wasser in der Lunge die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen und sogar zum Tod führen.