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Erstmals Kind mit neuem Hörimplantat versorgt

(Wien 10-04-2012) Ein Elfjähriger aus Wien wurde an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der MedUni im AKH Wien als erstes Kind weltweit mit einem neuen Knochenleitungsimplantat versorgt. Der Elfjährige besitzt keine Ohrmuscheln und hatte bisher über ein Stirnband mit einem externen Knochenleitungshörgerät gehört.

Mittels hochauflösender Computer-Tomographie erstellten die WissenschafterInnen von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten unter der Leitung von Wolfgang Gstöttner zunächst ein 3D-Modell des Schädels des jungen Patienten. Damit wurde jene Stelle in der Nähe des Ohres definiert, an der dann Wolf-Dieter Baumgartner in einer knapp einstündigen Operation das Knochenleitungsimplantat einsetzte.

Bei dem Buben sind aufgrund einer Fehlbildung im Ohr die schwingenden Teile im Mittelohr wie Trommelfell, Hammer, Amboss und Steigbügel defekt. Dies führte zu einer mittelgradigen Schwerhörigkeit. Baumgartner: „Das neue Knochenleitungsimplantat ermöglicht eine Schallübertragung mittels Knochenleitung zum Innenohr. Damit wird der Schall nicht über den natürlichen Weg des Hörens, über Außen- und Mittelohr, sondern direkt über den Knochen an das Innenohr weitergegeben.“

„Ein ganz normales Leben“
Das Besondere an diesem neuen, von der österreichischen Firma MED-EL Medical Electronics konzipierten Implantat ist, dass die akustischen Stimulatorelemente allesamt im Schädelknochen liegen. Dadurch ist auch die Operation einfacher und kürzer. Baumgartner: „Der Junge wird damit ein ganz normales, akustisches Leben führen können. Das neue Implantat kann künftig auch bei PatientInnen, die ‚ausoperiert‘ sind, wenn also die klassische Ohrchirurgie keine Ergebnisse mehr zeigt, verwendet werden.“ Das gilt unter anderem für Personen mit chronischer Mittelohrentzündung.

Das neue Knochenleitungsimplantat eignet sich generell für PatientInnen, die unter einer Schallleitungsschwerhörigkeit, einseitiger Taubheit oder auch an Fehlbildungen des Ohres leiden. Auch andere Lösungen wie die „BAHA-Schraube“ oder „Knochenleitungsbrillen“ wären dann obsolet: Schallwellen werden dabei entweder über eine deutlich sichtbare Titanschraube hinter dem Ohr oder über eine Brille, die Druck auf die Kopfhaut ausübt, übertragen. Rund 80 Personen in Österreich, 40 davon in Wien, kämen jährlich für ein solches Implantat in Frage, schätzt Baumgartner. „Es gibt PatientInnen, die jahrelang auf so etwas gewartet haben.“

HNO-Universitätsklinik mit ausgezeichnetem Ruf
Der aktuelle Forschungserfolg unterstreicht die Top-Position, die sich die MedUni Wien und das AKH Wien bei HNO-Implantaten erarbeitet haben. Das erste Cochlea-Implantat, das 1977 an der Wiener HNO-Klinik eingesetzt wurde, war zugleich auch das erste Mehrkanal-Cochlea-Implantat weltweit. Im September 2011 gab es ebenfalls eine weltweite Premiere: Erstmals wurde im AKH eine extrem dünne, so genannte „floating electrode“ als Teil eines Cochlea-Implantats zum Erhalt des Restgehörs implantiert. ForscherInnen der MedUni Wien entwickelten dazu eine neue, sanfte Operationsmethode und waren maßgeblich an der Entwicklung der nur 0,2 mm statt bisher 0,5 mm dünnen Elektrode beteiligt.

Wolfgang Gstöttner, Leiter der Wiener Klinik, gilt als internationaler Experte im Bereich der Hörimplantationen. Zusammen mit Wolf-Dieter Baumgartner ist er auch im internationalen Netzwerk der führenden Hörimplantatzentren (HEARRING) vertreten.