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Eva Untersmayr-Elsenhuber

Titel: Ass.-Prof.in Priv.-Doz.in DDr.in
Gewinnerin des Wirtschaftskammerpreises 2014
arbeitet am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung


Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?'
Die Entscheidung für eine wissenschaftliche Karriere war keine bewusste, sondern dies hat sich über die Jahre mehr oder weniger „ergeben“. Dass ich überhaupt in der Wissenschaft „gelandet“ bin, war eine Mischung aus Zufall und Neugierde, da ich nach einem ERASMUS Jahr eine Dissertation im Rahmen meines Medizinstudiums schreiben wollte. Ausschlaggebend dafür, dass ich in der Wissenschaft geblieben bin, war sicher, dass die Forschungsthematik mich von Beginn an ausgesprochen fasziniert und die wissenschaftliche Arbeit mir viel Freude bereitet hat. Außerdem waren und sind so viele offene Fragen abzuklären, dass ich bis heute meine Entscheidung, eine wissenschaftliche Karriere eingeschlagen zu haben, nicht bereue.

Mir ist es aber auch ganz wichtig zu betonen, dass ich nach dem Medizinstudium die Facharztausbildung Immunologie absolviert habe. Ich denke nämlich, dass gerade die Kombination aus Wissenschaft und ärztlicher Arbeit wichtige Impulse liefert und die Tätigkeit dadurch besonders spannend wird.

 

Wie verlief ihr wissenschaftlicher Weg?

Nach meinem Auslands-Studienjahr in Florenz war für mich klar, dass ich mein Medizinstudium mit einer Dissertation abschließen möchte, wie dies in anderen europäischen Ländern auch üblich war. Im alten Medizin-Studienplan war das Durchführen einer Dissertation nicht verpflichtend. Da mich die Allergologie und Immunologie schon im Studium fasziniert hat, habe ich mich 2001 auf einen Aushang hin um eine Dissertation bei Frau Prof. Jensen-Jarolim am Institut für Pathophysiologie beworben und damit 2002 mein Medizinstudium abgeschlossen. Wir hatten damals sehr schnell ausgesprochen spannende Ergebnisse erarbeitet, die letztendlich in Top-Journalen publiziert wurden. Es war am Anfang für mich nicht einfach, dass unsere Daten zur Rolle der Magenverdauung bei Nahrungsmittelallergien in wissenschaftlichen Gesellschaften und auf Kongressen sehr kontroversiell diskutiert wurden und unsere Publikationen und Vorträge auf Widerstand gestoßen sind. Rückblickend gesehen war dies jedoch eine ausgezeichnete Schule die eigenen Daten zu verteidigen und auch dazu gut, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben.

Basierend auf diesen Ergebnissen konnte ich früh in meiner Karriere erste Drittmittel-Gelder für Forschungsprojekte einwerben und hatte ab 2005 die Möglichkeit nicht nur ein Nationalbankprojekt zu leiten, sondern auch ein FWF Charlotte-Bühler Habilitiationsstipendium durchzuführen. Seit 2007 leite ich am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung meine eigene Arbeitsgruppe.

Ich bin davon überzeugt, dass ich auf meinem wissenschaftlichen Weg neben viel Fleiß und vieler Stunden harter Arbeit auch die nötige Portion Glück hatte, was genauso für Erfolg wichtig ist.

Im Laufe meiner beruflichen Ausbildung und meines wissenschaftlichen Werdeganges habe ich es mir aber auch zu meinem Ziel gemacht, mich ständig weiterzubilden und immer neue Ausbildungen zu absolvieren. Nur wer über seinen „Tellerrand“ hinausschaut, für neues offen ist und bereit ist sich durch ständiges Lernen weiterzubilden, kann meiner Meinung nach auf Dauer erfolgreich sein.

 

Was sind ihr Stärken und wie konnten Sie diese für ihre Karriere nutzen?

Ich bin sehr wissbegierig und möchte zugrundeliegenden Ursachen und Mechanismen verstehen. Dies ist meiner Meinung nach die Basis für jede wissenschaftliche Tätigkeit. Ich kann sehr hart und konzentriert arbeiten und erwarte von mir und meiner Umgebung entsprechende Leistungen. Neben der oben erwähnten Neugier ist sicher auch Kreativität entscheidend. Genauso wie ich ein organisatorisches Talent habe, macht es mir große Freude Wissen weiterzugeben, zu unterrichten und auch die Daten meiner Arbeitsgruppe auf Kongressen zu präsentieren. All diese  Eigenschaften sind sicher die Grundlage für meine Karriere

 

Was sind ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?

Mentoren, die mich in meiner Arbeit unterstützt und bestärkt haben. Ohne ein entsprechendes Netzwerk ist es meiner Meinung nach unmöglich Karriere zu machen. Genauso wichtig für meine Karrieren sind aber auch meine Familie und mein Mann, die mich in meinem Wunsch nach Ausbildung immer unterstützt haben und auch jetzt oft einspringen, wenn Arbeit und Familie unter einen Hut gebracht werden müssen.  

 

Was war ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?

Misserfolg und Erfolg gehen immer Hand in Hand. Ich möchte jedoch gerade in beruflichen Belangen nicht von Misserfolgen sondern von Ereignissen oder Verläufe im Rahmen meiner Karriere sprechen, die nicht so abgelaufen sind, wie ich mir dies in dem Augenblick erwartet, gewünscht oder erhofft hatte. Gerade aus diesen Ereignissen habe ich immer das meiste gelernt und sie haben mich und meine Arbeit vielleicht mehr geprägt als die sogenannten Erfolge.

 

War es für ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?

Nein. Vor allem bevor ich Kinder bekommen habe, war es für meine Karriere nicht hinderlich eine Frau zu sein. Da ich meine Kinder erst gegen Ende meiner Facharztausbildung und auch nachdem ich meine Arbeitsgruppe gegründet hatte bekommen habe, hat die Mutterrolle bislang meinen Karriereverlauf nicht nachhaltig beeinflusst. Ich denke, dass man sich in diesem Zusammenhang dringend von alten Rollenbildern verabschieden muss und den für sich und für die Lebensumstände idealen Karriereverlauf anstreben muss.

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?

Ein Partner, der bereit ist Verantwortung und Betreuung zu übernehmen, eine Familie, die immer bereit ist zu unterstützen, einen guten Kindergarten/eine gute Schule, wo man die Kinder im Alltag gut versorgt weiß. Es sind also viele helfende Hände notwendig, die im Alltag unterstützen, da man nicht alles selber erledigen kann. Hier ist wieder das oben erwähnte Netzwerk ganz entscheidend. Und man sollte versuchen nie den Humor verlieren, weil Kinder immer für Überraschungen gut sind…

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in ihrer Freizeit?

Zurzeit steht meine Familie, vor allem meine beiden Kinder in meiner Freizeit an erster Stelle. Es ist mir ganz wichtig am Nachmittag Zeit mit ihnen zu verbringen. Dafür nehme ich es gerne in Kauf am Abend und in der Nacht wieder an Projekten, Publikationen, Lehrvorbereitung etc. zu arbeiten. Allerdings ist auch Sport für mich ein wichtiger Ausgleich, da ich nur mit körperlicher Fitness meinen anspruchsvollen Arbeitsalltag bewältigen kann.

 

Tipps und Tricks

Allgemeine Tipps und Tricks sind etwas ganz schwieriges, da jeder Mensch anders ist und andere Lebensumstände hat. Ein Tipp wäre, dass ich versuche auch im Berufsleben mehr auf mein „Bauchgefühl“ zu vertrauen. Im Nachhinein betrachtet hat mich bisher mein erster Eindruck selten getäuscht.