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Faktoren für wiederholte Herz-Kreislauferkrankung identifiziert

(Wien, 29-12-2011) MedUni Wien-ForscherInnen haben nachgewiesen, dass zwei Gen-Faktoren das Risiko für weitere Vorfälle nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen trotz Therapie erhöhen. In einer Studie unter der Leitung von Thomas Gremmel und Sabine Steiner von der Universitätsklinik für Innere Medizin II wurde festgestellt, dass zwei bestimmte Genvarianten die Wirkung des Plättchenhemmers Clopidogrel, der die Zusammenlagerung (Aggregation) von Blutplättchen an der Gefäßoberfläche bremst, reduzieren. Diese Faktoren können jetzt identifiziert und betroffene PatientInnen mit einem alternativen Plättchenhemmer behandelt werden.

Am Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik im Bereich Molekularbiologie unter der Leitung von Christine Mannhalter wurde die Methodik zum Nachweis dieser Genvarianten bereits im vergangenen Jahr etabliert. Nun konnte deren Effekt in einer Studie mit 288 PatientInnen nach Gefäß-öffnenden Eingriffen mit Stentimplantation untersucht werden. „Es zeigte sich, dass Träger bestimmter Genvarianten von Cytochrom 2C19 und Cytochrom 2C9 signifikant häufiger eine hohe verbleibende Plättchenreaktivität gleichbedeutend mit einer unzureichenden Hemmung der Plättchenzusammenlagerung hatten“, erklärt Gremmel.

Clopidogrel hemmt die Aktivierung und Zusammenlagerung der Blutplättchen an der Gefäßoberfläche und damit das Auftreten von erneuten Gefäßverschlüssen in diesem Bereich. Das Medikament wird zumeist in Kombination mit Aspirin eingesetzt. Im Gegensatz zu Aspirin handelt es sich bei Clopidogrel um eine sogenannte „prodrug“, einen wenig aktiven pharmakologischen Stoff, der erst durch Verstoffwechselung im Organismus zu einem aktiven Wirkstoff wird. Das geschieht durch das Cytochom P450 Enzymsystem der Leber.

Frühere Studien haben gezeigt, dass die plättchenhemmende Wirkung von Clopidogrel von Person zu Person sehr stark variiert. Unter anderem konnten Medikamenten-Interaktionen, Körpergewicht und das Alter der PatientInnen als Einflussfaktoren nachgewiesen werden. Nun ist es an der MedUni gelungen, auch genetische Risiko-Faktoren zu identifizieren, die bei der Behandlung mit Clopidogrel von Bedeutung sind und denen leicht entgegengewirkt werden kann. Gremmel: „Die PatientInnen können mit einem alternativen Plättchenhemmer behandelt werden, der durch die genetischen Varianten von Cytochrom 2C19 und Cytochrom 2C9 in der Hemmung der Plättchenreaktivität nicht beeinflusst wird.“

Die Studie wurde in Kooperation zwischen der Klinischen Abteilung für Angiologie, dem Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik und dem Thrombozytenlabor der Universitätsklinik für Blutgruppenserologie und Transfusionsmedizin durchgeführt und jetzt in den beiden renommierten Fachmagazinen „International Journal of Cardiology“ und „Thrombosis Research“ publiziert. 

Service: International Journal of Cardiology
"Influence of cytochrome 2C19 allelic variants on on-treatment platelet reactivity evaluated by five different platelet function tests." Thomas Gremmel, Christoph W. Kopp, Deddo Moertl, Daniela Seidinger, Renate Koppensteiner, Simon Panzer, Christine Mannhalter, Sabine Steiner. doi:10.1016/j.thromres.2011.11.019