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Forschungs- und Therapiekoordination erhöht Chancen von Krebskranken

(APA/Wien, 19-04-2016) - Vernetzung und Koordination von Forschung und klinischer Praxis über die Grenzen medizinischer Fächer hinweg machen sich bezahlt. Krebszentren erhöhen die Überlebenschancen von Patienten und führen zu mehr Wissenschaft, wie das Beispiel des Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH zeigt. Das Zentrum konnte jetzt einen Erfolgsbericht der ersten fünf Jahre seines Bestehens vorlegen.


"Weltweit gibt es derzeit 280 solcher Krebszentren in 73 Staaten. Die drei österreichischen sind in Wien, in Graz und Innsbruck angesiedelt. Erst im vergangenen Jahr ist eine Studie erschienen, die eindeutig die Vorteile solcher Comprehensive Cancer Centers belegt. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Krebspatienten liegt demnach bei Behandlung außerhalb solcher Zentren im Durchschnitt bei 51 Monaten, in Zentren bei derzeit 80 Monaten", sagte der Koordinator des Wiener CCC, Christoph Zielinski.


Die Einrichtung hat jetzt ihren ersten Leistungsbericht für die Jahre 2011 bis 2015 vorgelegt. Ihrer Gründung war im Jahr 2009 eine heftige Auseinandersetzung in Gefolge eines Onkologie-Berichts des Österreichischen Forschungsrates vorangegangen, in dem die Etablierung solcher Zentren gefordert worden war. Das Wissenschaftsministerium hatte nach deutlicher Kritik auch Geld zur Verfügung gestellt.


"Das CCC-Wien ist jetzt ein Netzwerk aller onkologisch tätigen Stellen an der MedUni Wien und des AKH. Die Zusammenarbeit über die Fachdisziplinen hinweg betrifft Forschung, Lehre und Patientenbetreuung", sagte Zielinski (Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin I), der die Koordination mit seinen Stellvertretern Maria Sibilia (Institut für Krebsforschung) und Michael Gnant (Vorstand der Chirurgischen Universitätsklinik) abdeckt.


Was den entscheidenden Vorteil für die Patienten ausmacht, ist die Etablierung von fachübergreifenden 21 Tumorboards, in denen in regelmäßigen Sitzungen die Fachleute zusammen kommen, um das optimale Vorgehen beim einzelnen Patienten zu besprechen. Das reicht alphabetisch geordnet von einem Gremium für Patienten mit einem Analkarzinom bis zum Tumorboard Urologie. 2011 wurde über das optimale Vorgehen bei rund 1.800 Patienten in diesen Expertentreffen diskutiert, 2015 waren es rund 7.600 Patienten.


Gleichzeitig werden die Informationen zu den verschiedenen Tumorerkrankungen vom CCC laufend in eine Datenbank eingespeichert, um aus diesem Wissenspool heraus Forschung und weitere Erkenntnisse abzuleiten. Verschränkt ist das mit sieben Forschungsclustern (z.B. Genetik und Epigenetik, Immunologie und Entzündungen, Toxikologie, experimentelle Therapien etc.), neun Einheiten, die sich spezifisch mit bestimmten Tumorerkrankungen beschäftigen (vom Brustkrebs-Zentrum bis zur Urologie) und vorerst fünf Plattformen, die sich speziell mit bestimmten Technologien und Therapieformen beschäftigen (z.B. Molekulare Diagnostik und Therapie, Nebenwirkungen und unterstützende Behandlungen).


Das macht sich auch in der Wissenschaft bemerkbar. Die Zahl der Publikationen mit dem Thema Krebs dürfte sich nach den vorhandenen Daten an der MedUni Wien von 2010 bis 2015 etwa verdreifacht haben. Die Zahl der Zitierungen von CCC-Studienpublikationen in anderen wissenschaftlichen Arbeiten hat sich demnach um den Faktor sieben erhöht. Dies ist in Fachkreisen ein Indiz für die Qualität der Forschung.