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FSME-Impfung und Senioren: Relativer Mangel an Antikörpern

(Wien, 03-04-2012) Die FSME-Impfung verliert bei Senioren an Wirkung: Allerdings nicht, weil die Antikörperantwort qualitativ schlecht ist, sondern weil offenbar weniger Antikörper als Reaktion auf die Immunisierung gebildet werden als bei jüngeren Menschen. Das ist das Ergebnis einer Studie, welche die Fachleute vom Department für Virologie der MedUni Wien jetzt in der Fachzeitschrift PLoS One publiziert haben.

Die Wissenschafter unter Leitung von Karin Stiasny untersuchten an Probanden aus verschiedenen Altersklassen die Antikörper-Konzentrationen sowie deren Funktionstüchtigkeit nach FSME-Impfungen. Diese Immunisierung ist eine der wirkungsvollsten und sichersten in der Medizin.

Jedenfalls, es ist die geringere Menge der Antikörper als Reaktion auf die Impfung, nicht deren Qualität, welche eine kürzere Schutzdauer bei betagten Menschen im Vergleich zu jungen ausmacht. Die Fachleute in der Publikation: "Unsere Arbeit deutet darauf hin, dass gesunde ältere Menschen durchaus in der Lage sind, eine Antikörperreaktion nach der Impfung mit ähnlicher Funktionalität wie jüngere Menschen aufzubauen - allerdings auf niedrigerem Niveau, was die Antikörper-Konzentration betrifft."

Bereits Ende Jänner dieses Jahres hatten die Wiener Virologen in der Fachzeitschrift "Age" eine ähnliche Studie publiziert. Sie hatten herausgefunden, welche weißen Blutkörperchen nach einer erstmaligen Impfung bei älteren Menschen schlechter ansprechen und warum ihre schützende Reaktion im Endeffekt schwächer ausfällt: Demnach handelt es sich offenbar um eine Kombination von eingeschränkten Funktionen von B- und T-Helferzellen.

21 Senioren zwischen 60 und 80 Jahren und zwölf Personen zwischen 20 und 30 Jahren waren zunächst zweimal gegen FSME geimpft, nach einem Jahr erfolgte die dritte Impfung für längeren Impfschutz. Begleitend dazu wurde in Blutproben zunächst nach jeder Teilimpfung untersucht, wie stark das Immunsystem mit der Bildung von B-Gedächtniszellen reagierte. Diese Immunzellen sind für einen langanhaltenden Impfschutz verantwortlich und produzieren bei Kontakt mit dem Virus sehr schnell Antikörper.

Virologin Judith Aberle erklärte damals: "Unsere Ergebnisse zeigten zunächst einmal, dass die FSME-Impfung bei jungen Menschen eine starke Antikörper- und B-Gedächtniszellantwort hervorrief. Bei älteren Personen war die Zahl der spezifischen B-Gedächtniszellen, die gegen das FSME-Virus gebildet wurden, dreifach niedriger als bei den jüngeren Probanden." Zwar führte die dritte Teilimpfung nach einem Jahr in beiden Altersgruppen zu einem vergleichbaren Anstieg der B-Gedächtniszellen, doch die eigentliche Immunantwort mit der Bildung von Antikörpern fiel bei den Senioren trotzdem deutlich schlechter aus. Der offenbare Grund dafür, so die Virologin: "Für die Bildung von Antikörpern durch die aktivierten B-Zellen sind auch funktionsfähige T-Helfer-Zellen (CD4-positive Zellen, Anm.) notwendig. Und deren Zahl ist laut den Befunden bei älteren Menschen stark verringert."

Die Forschungsresultate stützen die Notwendigkeit kürzerer Impfintervalle bei Senioren, wie sie in den österreichischen Richtlinien zur FSME-Impfung empfohlen werden. 2011 gab es einen massiven Anstieg der Zahl der FSME-Erkrankungen in Österreich: Es mussten 113 Menschen wegen Frühsommer-Meningo-Enzephalitis ins Spital. 2010 waren es 63 registrierte Erkrankungen gewesen. Im vergangenen Jahr gab es mit vier Todesfällen auch eine hohe Zahl von Opfern durch die "Zeckenkrankheit". Im Jahr 2010 war ein Patient gestorben.

Service: PLoS One
"Age Affects Quantity but Not Quality of Antibody Responses after Vaccination with an Inactivated Flavivirus Vaccine against Tick-Borne Encephalitis." K. Stiasny, J. H. Aberle, M. Keller, B. Grubeck-Loebenstein, F.X. Heinz. 10.1371/journal.pone.0034145.