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Gabriele Prohaska

Titel: Mag.a Dr.in
Betriebsrätin des wissenschaftlichen Personals von 2004 bis 2008

 

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Die Entscheidung für eine wissenschaftliche Karriere erfolgte erst während der Diplomarbeit, nach deren Abschluss ich die Freude an der Erforschung und Entwicklung neuer Dinge nicht mehr missen wollte. Speziell die Molekularbiologie bot mir die Möglichkeit, mein handwerkliches Können mit Kopfarbeit zu verbinden. Das Ausloten der eigenen Grenzen sowohl in physischer, psychischer als auch intellektueller Hinsicht und die täglichen neuen Herausforderungen fernab jeder Routine bestärkten meinen Entschluss in der Wissenschaft tätig zu sein.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Im Rahmen des Studiums der Molekulargenetik erfolgte die Diplomarbeit am Institut für Genetik. Während meiner Ausbildung hatte ich auch die Gelegenheit, wissenschaftlich in der Industrie tätig zu sein. Aus der Grundlagenforschung kommend, dissertierte ich am Institut für Krebsforschung und erweiterte dadurch meinen Tätigkeitsbereich. Dieser angewandten Richtung folgend, setzte ich meine wissenschaftliche Karriere im klinischen Bereich an der Medizinischen Universität Wien (Klinik für Innerer Medizin IV; Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie) fort. Die glückliche Kombination aus Persönlichkeitsstruktur und Tätigkeitsbereich des Gruppenleiters ermöglichte erst die Umsetzung potentieller Synergien zwischen Medizin und Naturwissenschaft.
Der dreijährige postgraduelle Hochschullehrgang „Toxikologie“ und die Teilnahme am einjährigen UNIUN-Projekt (einer interministeriellen Initiative mit dem Ziel, AkademikerInnen Selbstständigkeit als interessante und sinnvolle Karriere-Alternative aufzuzeigen) führte zur Erweiterung meines beruflichen Horizonts.
Mein derzeitiges Betätigungsfeld geht über die reine Funktion des klassischen „Postdoc“ hinaus und beinhaltet die wissenschaftliche Unterstützung der Assistenzärzte im Bereich der angewandten Molekularbiologie und deren Methoden. Darüber hinaus habe ich vor kurzem die Gelegenheit bekommen, in meiner Freizeit als Betriebsrätin tätig zu sein.

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
Mein unerschütterlicher Optimismus, Mut und Aufgeschlossenheit unvorhersehbaren Situationen gegenüber, sowie die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, sind Eigenschaften, womit die ständigen Herausforderungen des beruflichen Alltags bewältigt werden können.
Besonders hilfreich in meinem derzeitigen Tätigkeitsbereich sind Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz, positive Stressbewältigung und ein optimales Zeitmanagement.
Vor allem aber die Fähigkeit, nicht immer alles zu ernst zu nehmen, vertreibt die kleinen Gewitterwolken am Wissenschaftshimmel: Das Leben ist schön!

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?
Nach der Ausbildung und speziell während meiner Kinderkarenz konnte ich auf ein äußerst kompetentes MitarbeiterInnenteam (MTAs) und das Verständnis meiner Vorgesetzten zählen. Die Vaterschaftskarenz und fortwährende Mitwirkung meines Ehemannes bei der Betreuung unserer Tochter sowie seine fachliche Unterstützung und das Vorhandensein einer materiellen Basis ermöglichte ein Fortsetzen meiner wissenschaftlichen Laufbahn.
Letztlich war aber auch etwas Glück notwendig.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
Der größte und entscheidendste Misserfolg (mangelnder Prüfungserfolg und damit verbundener Verlust eines Praktikumplatzes), der den Beginn meiner wissenschaftlichen Karriere maßgeblich verändert hat, stammt aus der Zeit meines Studiums. Das durch diesen Fehlschlag entstandene Zeitfenster nützte ich zur Mitarbeit in einem Labor, in welchem mir zu einem späteren Zeitpunkt die Gelegenheit geboten wurde, meine Diplomarbeit durchzuführen, deren Ergebnisse in „Nature“ publiziert werden konnten.
Ein Misserfolg muss daher nicht zwingend zu einem Karriere-Stop führen: Ein Fehlschlag kann durchaus Basis eines Erfolges sein.

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Prinzipiell glaube ich nicht, dass es für meinen persönlichen Karriereverlauf hinderlich war, eine Frau zu sein. Soweit mir bekannt ist, wurde weder seitens des Klinikvorstandes noch des unmittelbaren Vorgesetzten bei der Stellenbesetzung und persönlicher Förderung mein „Frausein“ beziehungsweise mein „Nicht-Mannsein“ als Entscheidungskriterium herangezogen.
Die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen wie zum Beispiel das Vorhandensein von ausreichenden Kinderbetreuungsplätzen sind meiner Meinung nach tragender, als der alleinige Umstand, eine Frau zu sein.

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?
Leider können mein Mann und ich aufgrund der räumlicher Trennung von den anderen Familienmitgliedern nicht auf deren Unterstützung bei der Kinderbetreuung zurückgreifen. Die daraus resultierende tägliche Gratwanderung zwischen Familie und Beruf wird lediglich durch die Inanspruchnahme eines Krippenplatzes erleichtert. Zu erwähnen ist, dass mein Arbeitsumfeld glücklicherweise unserer Familiensituation mit Kleinkind immer verständnisvoll gegenüber steht.

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?
Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen ist mit „Freizeit“ kaum kompatibel. Die spärlichen Überreste meines Zeitbudgets nütze ich um Sozialkontakte außerhalb des beruflichen Umfeldes weiterhin zu pflegen: Monatlich fungiere ich als Gastgeberin einer Frauenrunde mit dem Anliegen, Frauen unterschiedlicher Professionen zwecks Gedankenaustausch, Diskussion, Literaturbesprechung, Handarbeiten oder einfach nur um über frauliche Belange zu sprechen, zusammen zu bringen. Als neues Mitglied des Betriebsrats der MUW bedarf es entsprechender Aus- und Fortbildungen, die ebenfalls noch in meiner Freizeit Platz finden müssen.

 

Tipps und Tricks
Ich glaube nicht, frauenspezifische „Tipps und Tricks“ im engeren Sinn geben zu können. Lediglich kann ich Frauen, die eine Karriere im wissenschaftlichen Bereich anstreben, empfehlen, vor dem Einschlagen einer Forscherlaufbahn Überlegungen zu folgenden Themen anzustellen:

  • Vereinbarkeit von Beruf und Kinderwunsch
  • Wertigkeit der finanziellen Abgeltung für erbrachte Leistungen
  • Zeitintensität der Forschungsarbeit
  • Umgang und Bewältigung von immer wieder auftretenden experimentellen Fehlschlägen
  • Anwendbarkeit von exemplarischen Karrierewegen auf die eigene Situation
  • Lebensumstände