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„Ganzheitlicher“ Gerinnungstest könnte Mortalitätsrate bei Krebs senken

(Wien, 03-05-2011) Ein ForscherInnenteam der MedUni Wien hat unter der Leitung von Ingrid Pabinger-Fasching ein neues Verfahren zur Messung der Blutgerinnung erstmals bei Krebserkrankungen untersucht. Ziel ist es, das Risiko einer Thrombose bei KrebspatientInnen besser einschätzen zu können und damit die Gefahr zu verringern, an dieser schweren Komplikation zu sterben.

Eine Krebserkrankung erhöht das Risiko eines Blutgerinnsels in den Venen erheblich. Tiefe Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien stellen eine gravierende Komplikation innerhalb der Erkrankung dar und führen nicht selten zum Tod.

Neues Testverfahren bringt eindeutige Ergebnisse
In der aktuellen Studie wurde ein neues Testverfahren untersucht, bei dem mit einer einmaligen Messung festgestellt wird, wie viel Thrombin der Körper der PatientInnen erzeugen kann (endogenes Thrombinpotential).  Thrombin ist das wichtigste Enzym der Blutgerinnung und daher ein wesentlicher Faktor der Blutgerinnung. Die ForscherInnen zeigten, dass PatientInnen mit einer Krebserkrankung und einem hohen Thrombinpotential ein mehr als doppelt so hohes Risiko haben, eine tiefe Beinvenenthrombose oder Lungenembolie zu entwickeln.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Gerinnungstests, wo nur einzelne Gerinnungsfaktoren untersucht werden, wird bei diesem neuen Verfahren der gesamte Blutgerinnungsprozess einbezogen. Dadurch lässt sich sehr genau einschätzen, wie viel Thrombin erzeugt wird und wie groß daher das Risiko einer Thrombose ist.

Mit dem neuen Testverfahren könnten bei einem erhöhten Risiko auch rechtzeitig blutverdünnende Therapiemaßnahmen eingeleitet werden. Allerdings müssen die einzelnen Komponenten des Verfahrens noch vereinheitlicht werden, damit es in der klinischen Praxis zum Einsatz kommen kann.

Ein weiterer Erfolg der MedUni Wien Studie „CATS“
Das neue Testverfahren ist nicht der erste Erfolg der „Vienna Cancer and Thrombosis Study (CATS)“, die unter der Leitung von Pabinger-Fasching an der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien durchgeführt wird. Die Studie soll KrebspatientInnen mit einem niedrigen oder einem hohen Thromboserisiko identifizieren und Strategien für eine gezielte blutverdünnende Behandlung zur Vermeidung von Thrombosen entwickeln.

Bisherige Studienergebnisse lieferten bereits zahlreiche Erkenntnisse über neue Risikofaktoren für das Auftreten einer Thrombose bei KrebspatientInnen. So konnte gezeigt werden, dass verschiedene Biomarker mit dem Risiko einer Krebs-assoziierten Thrombose einhergehen. Damit wurden gleichzeitig wertvolle Hinweise über Mechanismen gewonnen, die zur Entstehung der Thrombose speziell bei KrebspatientInnen führen.

Erst kürzlich konnte die Arbeitsgruppe um Ingrid Pabinger-Fasching und Cihan Ay auch ein eigenes Risiko-Modell zur Vorhersage der Thrombosewahrscheinlichkeit erstellen, in dem neben klinischen Parametern auch Laborparameter und Biomarker berücksichtigt werden. Dazu zählen Tumorentität, Body-Mass-Index, Thrombozyten- und Leukozytenzahl, Hämoglobinspiegel,  sowie solubles P-Selektin und D-dimer. Auch diese Erkenntnisse könnten schon bald in Therapie- bzw. Prophylaxeentscheidungen einfließen.

Gemeinsam mit dem jetzt untersuchten Testverfahren zum Generierungspotential von Thrombin haben die ForscherInnen bereits zwei gute Ansätze gefunden, das erhöhte Thromboserisiko bei KrebspatientInnen zu senken und diese schwere Komplikation zu verhindern.


Beteiligte WissenschafterInnen:
Univ. Prof.in Dr.in Ingrid Pabinger-Fasching
, Studienleiterin, Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien.
Priv. Doz. Dr. Cihan Ay, Erstautor, Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien.

Publikation in „Journal of Clinical Oncology“:
» Prediction of Venous Thromboembolism in Patients With Cancer By Measuring Thrombin Generation: Results From the Vienna Cancer and Thrombosis Study
Cihan Ay, Daniela Dunkler, Ralph Simanek, Johannes Thaler, Silvia Koder, Christine Marosi, Christoph Zielinski and Ingrid Pabinger
doi: 10.1200/JCO.2010.32.8294