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Gehirnentwicklung bei Föten mit fehlender Verbindung zwischen den Gehirnhälften

(Wien, 17-04-2015) Bei 0,5 Prozent aller Föten tritt die so genannte Corpus-callosum-Agenesie (CCA) auf, bei der die rechte und die linke Gehirnhälfte nicht miteinander verbunden sind. Eine Forschergruppe vom Computational Imaging Research-Lab (CIR) an der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin an der MedUni Wien hat nun gezeigt, dass sich die Gehirnhälften trotz dieser „Fehlschaltung“ reorganisieren und neue Vernetzungen der Nervenbahnen in den einzelnen Hälften bilden, die bestimmte Defekte ausgleichen können (Video).

Andras Jakab aus der Forschergruppe vom Computational Imaging Research-Lab (CIR), die sich mit der Untersuchung der menschlichen Gehirnfunktionen vor der Geburt mittels MRI (Magnetic Resonance Imaging) beschäftigt: „Es bilden sich ganz andere Nervenbahnen und –vernetzungen als bei Menschen, die keine Corpus-callosum-Agenesie haben.“ 

Die Arbeit wurde nun im neurologischen Top-Journal „NeuroImage“ publiziert und ist die erste Gruppen-Studie dieser Art. Untersucht wurden 20 Föten ausschließlich mit CCA und mit weiteren Missbildungen. Die Ergebnisse geben den WissenschafterInnen neue Aufschlüsse über die Funktionalität des Gehirns. Jakab: „Es ist ein weiterer großer Schritt dahin, besser zu verstehen, wie das Gehirn arbeitet, wie es funktioniert und wie es sich selbst organisiert“ Zukünftiges Ziel für die klinische Praxis ist es, künftig eine noch bessere Prognose über die fetale Gehirnentwicklung erstellen zu können. Jakab: „Damit wir bessere Aussagen über die künftige Entwicklung der Nervenbahnen treffen können.“ 

Über die Corpus-callosum-Agenesie
Die Corpus-callosum-Agenesie (CCA) ist gekennzeichnet durch vollständiges oder teilweises Fehlen des Corpus callosum, der Hauptverbindung zwischen den beiden Hirnhemisphären. Bei einer partiellen Corpus-callosum-Agenesie fehlt nur ein Teil des Balkens. Der Mechanismus, der zur CCA führt, ist noch nicht aufgeklärt. Die Corpus-callosum-Agenesie ist angeboren und manifestiert sich im frühen Kindesalter.


Service: NeuroImage

„Disrupted developmental organization of the structural connectome in fetuses with corpus callosum agenesis.“ A. Jakab, G. Kasprian, E. Schwartz, G.M. Gruber, C. Mitter, D. Prayer, V. Schöpf, G. Langs. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1053811915001391.


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