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Hitzeschockproteine sind Ursache für wiederkehrende Thymustumoren

(Wien, 10-05-2016) Die menschliche Thymusdrüse ist ein relativ wenig bekanntes Organ, das im Brustkorb zwischen Brustbein und dem Herzen liegt. Ihre Aufgabe ist die Bildung von T-Zellen, die zur spezifischen Immunabwehr dienen und maßgeblich für das Immunsystem sind. Die T-Zellentwicklung geschieht vor allem in den ersten zehn Lebensjahren. Danach kommt es zur Rückbildung der Thymusdrüse, wobei Gewebe durch Fett ersetzt wird und die Drüse auch ihre Funktion verliert.

Im Verlauf des degenerativen Prozesses können sich Thymustumore (Thymome und Thymuskarzinome) bilden. Mögliche Ursachen und Risikofaktoren sind noch ungeklärt. An der Klinik für Thoraxchirurgie der MedUniWien werden jährlich etwa 30 solcher Fälle behandelt.

Zum Befund kommt es oft zufällig im Rahmen einer bildgebenden Untersuchung aus anderen Gründen, oder in Zusammenhang mit der Diagnose von „Myasthenia gravis“, einer zur Muskelschwäche führenden, neurologischen Autoimmunerkrankung. Etwa jede/r Zehnte dieser PatientInnen leidet auch an einem Thymustumor, der in der Regel chirurgisch entfernt wird.

Ein Team von Thoraxchirurgen (Bernhard Moser, Stefan Janik, Hendrik Jan Ankersmit, Walter Klepetko) in enger Zusammenarbeit mit PathologInnen (Ana-Iris Schiefer, Leonhard Müllauer) hat nun untersucht, welche Rolle Hitzeschockproteine bei der Tumorbildung an der Thymusdrüse spielen. „Hitzeschockproteine“ oder auch „Stress-Proteine“ sind Eiweißstoffe, die gebildet werden, wenn Zellen einer erhöhten Temperatur oder anderen Stressfaktoren ausgesetzt sind. Auch Infektionen gehören dazu. Hitzeschockproteine stabilisieren die zellulären Prozesse und fördern somit das Überleben von Zellen unter schwierigen Bedingungen. Tumorzellen nützen diese Proteine u.a. für die Entstehung von Metastasen und zur Entwicklung von Resistenzen gegen Chemotherapien.


Das Resultat der Studie ist, dass die in Patientenblut gemessenen Proteinmengen nach kompletter Tumorentfernung signifikant abnehmen, und dass Hitzeschockproteine in Tumoren prognostische Relevanz haben. Stefan Janik: „Hitzeschockproteine sind vielversprechende Tumormarker für PatientInnen mit Thymomen und könnten in Zukunft für PatientInnen, bei denen eine Tumoroperation nicht möglich ist, für zielgerichtete Krebstherapien eingesetzt werden“. Die Daten der Studie wurden im Rahmen der PhD-Arbeit von Stefan Janik generiert und durch das Christian Doppler Labor für Diagnose und Regeneration von Herz-Thoraxerkrankungen unter der Leitung von Hendrik Jan Ankersmit finanziert.  

An der Klink für Thoraxchirurgie der MedUni Wien führen spezialisierte ThoraxchirurgInnen die Operationen im Bereich der Thymusdrüse durch, unter anderem mit modernsten Operationsmethoden der invasiven Chirurgie. Gleichermaßen wird von den behandelnden ÄrztInnen und ChirurgInnen bzw. WissenschafterInnen translationale Grundlagenforschung durchgeführt, mit dem Ziel, die Ursachen und Risiken für die Erkrankung der PatientInnen zu verstehen und ihnen die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen.

Service: www.nature.com/scientificreports
HSP27 and 70 expression in thymic epithelial tumors and benign thymic alterations: diagnostic, prognostic and physiologic implications. S. Janik, A. I. Schiefer, C. Bekos, P. Hacker, T. Haider, J. Moser, W. Klepetko, L. Müllauer, H. J. Ankersmit, B. Moser

Fünf Forschungscluster an der MedUni Wien
Insgesamt sind fünf Forschungscluster der MedUni Wien etabliert. Dort werden in der Grundlagen- wie in der klinischen Forschung vermehrt Schwerpunkte an der MedUni Wien gesetzt. Die Forschungscluster umfassen medizinische Bildgebung, Krebsforschung/Onkologie, kardiovaskuläre Medizin, medizinische Neurowissenschaften und Immunologie. Die Thymustumoren-Forschung an der MedUni Wien fällt in den Themenbereich des Clusters für Krebsforschung/Onkologie.