Skip to main content

news

Höheres Bluthochdruck-Risiko für sozial Schwächere

(Wien, 13-05-2013) Das Risiko für Bluthochdruck steht in einem klaren Zusammenhang mit dem sozialen Status. Das betonten Anita Rieder und Thomas Dorner vom Institut für Sozialmedizin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien anlässlich des bevorstehenden Welt-Hypertonietags am 14. Mai 2014. Ein niedriges Einkommen, niedrigere Bildung, die Art der beruflichen Beschäftigung, aber auch Migrationshintergrund sind Risikofaktoren, die wiederum vor allem Frauen betreffen.

In einer aktuellen Untersuchung der soziodemografischen Aspekte der Hypertonie kamen die SozialmedizinerInnen anhand internationaler und nationaler Daten zu dem Schluss, dass bei der Hypertonie und auch bei deren Behandlung Variablen wie Bildung, Einkommen, Erwerbstätigkeit, berufliche Position sowie Migrationshintergrund das Risiko erhöhen, eine Hypertonie zu entwickeln. Parallel dazu ist bei Menschen mit diesen Risikofaktoren eine bereits vorhandene Hypertonie schlechter kontrolliert, die Zielwerte werden seltener erreicht. Das Alter spielt, auch wenn es das Risiko für Bluthochdruck generell erhöht, dabei keine Rolle.

„Eine der Ursachen ist, dass Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status anfälliger für Gratifikationskrisen sind“, sagt Dorner. Eine Gratifikationskrise entsteht dann, wenn ein Mensch sich stark verausgabt, dafür aber seiner Meinung nach nicht in angemessener Weise entschädigt wird, wenn der eigene Einsatz in Form von Engagement, Wissen, aber auch Zeit und Persönlichkeit, nicht durch entsprechende Belohnung etwa in Form von sozialer Anerkennung, Arbeitsplatzsicherheit, Karriere- oder Einflussmöglichkeiten belohnt wird.

Zusätzlich besteht ein direkter Zusammenhang zwischen sozialem Status und dem Gesundheitsverhalten, so Rieder. „Höheres Einkommen bedeutet, den Lebensstil leichter wählen zu können und höhere Bildung eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen gesünderen Lebensstil.“ Diese Unterschiede im sozioökonomischen Status führen auch zu einer anderen Nutzung der Angebote in der Gesundheitsversorgung, etwa bei der Inanspruchnahme von Vorsorgemaßnahmen, aber auch von Zusatzversicherungen.

Nicht nur der Gesundheitszustand kann die Folge von sozialen Faktoren sein, es geht auch umgekehrt: „Ein geringerer sozialer Status kann eine Folge des schlechten Gesundheitszustands sein. So können Krankheiten zu Nachteilen bei Bildungs- und Karrierechancen führen“, erklärt Dorner.  

Hypertonie in Ostösterreich häufiger
Weiters stellten die MedUni Wien-ExpertInnen – wie auch bei Diabetes mellitus oder Adipositas – ein Ost-West-Gefälle in Österreich fest: So berichten in Ostösterreich 20,1 Prozent der Männer und 25,5 Prozent der Frauen, dass sie an Bluthochdruck leiden, während das in Westösterreich nur bei 16,6 Prozent der Männer und 19,4 Prozent der Frauen der Fall ist.