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Hürden für qualifiziertes Gesundheitspersonal mit Migrationshintergrund

(Wien 20-07-2015) Einerseits fehlen im Gesundheitsbereich qualifizierte Fachkräfte. Andererseits werden medizinischem Fachpersonal mit Migrationshintergrund große Hürden in den Weg gelegt, wenn sie im Ausland arbeiten wollen, wie eine aktuelle interkontinentale Studie des Zentrums für Public Health, Abteilung Allgemeinmedizin der MedUni Wien am Beispiel von Frauen aus Sub-Sahara Afrika zeigt.

Untersucht wurde in der internationalen Studie die Situation von hochqualifiziertem weiblichem Gesundheitspersonal aus Afrika, das in den fünf Zielländern Österreich, Belgien, Großbritannien, Botswana und Südafrika tätig ist. Die kürzlich im Top-Journal „PLOS ONE“ erschienene Studie belegt, dass fast alle befragten Ärztinnen und Krankenpflegerinnen trotz ihrer hohen Qualifikation im Durchschnitt zwei bis zehn Jahre warten mussten, bevor sie ihren Beruf im Migrationsland ausüben durften.
Die Anerkennung ihrer Qualifikation war in keinem der fünf Zielländer leicht – und das, obwohl in allen Ländern qualifiziertes Gesundheitspersonal benötigt wird. Die Problematik ist damit eine doppelte: Einerseits gehen dem Herkunftsland wichtige und dringend benötigte Arbeitskräfte verloren, und andererseits wird dieser Umstand im Zielland nicht erkannt und richtig eingesetzt.


Raschere Integration in den Arbeitsmarkt erforderlich

In diesem Zusammenhang formuliert Erstautorin Silvia Wojczewski, wissenschaftliche Projektmitarbeiterin an der Abteilung für Allgemeinmedizin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien, folgenden Appell: „Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, – hochqualifizierte – MigrantInnen rascher in den Arbeitsmarkt der Zielländer zu integrieren und eine bürokratische oder rassistische Diskriminierung zu vermeiden.“ Laut Wojczewski würde bereits eine Beschleunigung in der Bürokratie und eine Vereinfachung der Anerkennung außereuropäischer Diplome den Betroffenen eine deutliche Verbesserung bringen.


„Skill Loss“ und rassistische Diskriminierung

Als Folge der mangelnden Integration in den Arbeitsmarkt der Zielländer wechselten einige der befragten Frauen nach ein paar Jahren ihren Beruf, da sie keine Chance sahen, in ihrer Profession als Ärztin oder Krankenpflegerin im Zielland zu arbeiten. Zusätzlich zu diesem „Skill Loss“ berichteten die Studien-Teilnehmerinnen in allen fünf untersuchten Migrationsländern von rassistischer Diskriminierung, die sie sowohl professionell als auch im Alltag erlebten.


EU-Projekt als Grundlage der Studie

Grundlage der Studie ist das EU-geförderte interkontinentale Projekt HURAPRIM (Human Resources for Primary Health Care in Africa), in dessen Rahmen 88 qualitative Interviews mit migrierten Personen verschiedener Gesundheitsberufe in fünf Ländern (Österreich, Belgien, Großbritannien, Botswana, Südafrika) geführt wurden. In der vorliegenden Studie wurden Tiefeninterviews mit Ärztinnen und Krankenpflegerinnen aus 16 afrikanischen Herkunftsländern analysiert.

Service: PLOS ONE
Wojczewski, S., S. Pentz, C. Blacklock, K. Hoffmann, W. Peersman, O. Nkomazana and R. Kutalek (2015). African Female Physicians and Nurses in the Global Care Chain: Qualitative Explorations from Five Destination Countries. PLoS ONE 10(6): e0129464. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26068218