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Intensivbetreuung bei Akuter Myeloischer Leukämie essentiell

(Wien, 18-02-2011) Bei der Akuten Myeloischen Leukämie ist die Mortalitätsrate in der Frühphase der Erkrankung dann besonders hoch, wenn zusätzliche Komplikationen auftreten, selbst wenn diese intensivmedizinisch behandelt werden. Eine aktuelle Studie der MedUni Wien zeigt, dass durch ein differenziertes Herangehen überraschend gute Ergebnisse für betroffene PatientInnen erreicht werden können.

Bei jedem siebten Patienten mit Akuter Myelotischer Leukämie (AML) kommt es zu Beginn der intensiven Chemotherapie zu Komplikationen wie z.B. Atemversagen oder Blutungen. Durch differenzierte Intensivbehandlungen konnte dabei in den letzten Jahren die Mortalitätsrate von annähernd hundert Prozent je nach Schwere der Komplikation bis auf unter fünfzig Prozent gesenkt werden. In einer retrospektiven Studie der MedUni Wien mit rund 400 PatientInnen analysierte Dr. Peter Schellongowski im Team mit Ao.Univ. Prof. Dr. Wolfgang R. Sperr (Universitätsklinik für Innere Medizin I ) Risiko- und Prognosefaktoren.

Demnach haben PatientInnen mit zusätzlichen Grunderkrankungen, Infektionen oder niedrigen Fibrinogenspiegel ein besonders hohes Risiko für Komplikationen. Überraschend war allerdings, dass die Überlebenschance einer Intensivbehandlung von AML-PatientInnen in der akuten Phase (innerhalb von 30 Tagen) lediglich von der Schwere der Komplikation beeinflusst wird. Die klassischen Risikofaktoren der AML haben in dieser Phase praktisch keine Auswirkungen. Weiters: Bei der Langzeitprognose (6 Jahre) konnten keine Unterschiede zwischen PatientInnen ohne Komplikationen und Überlebenden der akuten Phase nach einer Intensivbetreuung festgestellt werden.

Bei dieser Studie wurden die Krankheitsverläufe von insgesamt 406 PatientInnen mit „de novo“ AML (erstmals diagnostiziert) im Alter von 15 bis 89 Jahren untersucht. Es wurden dabei unter anderem die Marker für den Karyotyp, Fibrinogenspiegel, das C-reaktive Protein und der Charlson Komorbiditäts-Index einbezogen. Bei PatientInnen mit anschließender Intensivbetreuung wurden zusätzlich der international übliche SAPS II (Simplified Acute Physiology Score II: Prognosewert für die Überlebenschance), die Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung und der Einsatz von Blutdruck unterstützenden Medikamenten berücksichtigt. Zur Gewichtung dieser einzelnen Parameter hinsichtlich ihrer prognostischen Relevanz kamen multivariate Datenanalyseverfahren zum Einsatz.

„Die Studienergebnisse sollten dazu animieren, etwaige Ressentiments gegen eine Intensivstationsaufnahme dieser PatientInnen abzubauen.“ kommentiert Schellongowski die Ergebnisse und meint weiter: „In der Initialphase der Erkrankung sollte unbedingt volle intensivmedizinische Unterstützung zur Verfügung stehen.“

Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe des hämatologischen Top-Journals „Haematologica“ veröffentlicht:
» Prognostic factors for intensive care unit admission, intensive care outcome, and post-intensive care survival in de novo acute myeloid leukemia: a single center experience.
Schellongowski P, Staudinger T, Kundi M, Laczika K, Locker GJ, Bojic A, Robak O, Fuhrmann V, Jäger U, Valent P, and Sperr WR.
Haematologica 2011;96(2):231-237. doi:10.3324/haematol.2010.031583