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Krankenhausinfektionen: Österreich liegt im Europa-Vergleich im guten Mittelfeld

(Wien, 11-12-2015) Nosokomiale Infektionen, also solche, die man sich im Krankenhaus zuzieht,  haben eine längere Krankheitsdauer, den Verlust von Lebensqualität bis hin zu erhöhter Sterblichkeit zur Folge. Sowohl für die Weltgesundheitsorganisation WHO als auch für die Europäische Kommission ist die Bekämpfung der „health care associated infections“ (HAI) ein Ziel in der Strategie für Patientensicherheit. Die Universitätsklinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle der Medizinische Universität Wien ist das Nationale Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen und hat nun gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) die zweite Punkt-Prävalenz-Untersuchung in 51 heimischen Krankenanstalten abgeschlossen – das Ergebnis: Österreich liegt im Europa-Vergleich im guten Mittelfeld.  

Laut Hochrechnungen der ECDC (European Center for Disease Prevention and Control) erkranken rund drei Millionen PatientInnen jährlich an mindestens einer HAI in einer europäischen Krankenanstalt. Damit bekommen in Europa rund 6 Prozent der PatientInnen eine nosokomiale Infektion. In der nun vorliegenden Prävalenzstudie für Österreich hatten von 13.814 PatientInnen insgesamt 727 eine HAI, das sind 5,3 Prozent. Im Vergleich zur bisher letzten derartigen Untersuchung im Jahr 2012 ist das eine leichte Verbesserung – damals lag die Prävalenzrate bei 6,2 Prozent (allerdings bei nur neun involvierten Krankenanstalten).  

„Wir sind auf einem guten Weg, aber es kommen laufend neue Herausforderungen in Sachen Krankenhaushygiene auf uns zu. Daher helfen uns diese Zahlen, strategisch zu planen und noch besser zu werden und jene Maßnahmen zu ergreifen, die die Patienten und Patientinnen schützen und zu einer erhöhten Patientensicherheit beitragen“, sagt Elisabeth Presterl, Leiterin der Universitätsklinik für Krankenhaushygiene der Medizinischen Universität Wien. Weitere Maßnahmen wie Trainings, Audits und Feedback sowie Strukturmaßnahmen zur Bekämpfung der häufigsten Krankenhausinfektionen sollen nachhaltig helfen, die Quote weiter zu senken.  

Österreich ist eines der wenigen europäischen Länder, das die Krankenhaushygiene im Bundesgesetz über Krankenanstalten und Kuranstalten festgeschrieben hat. Österreich ist auch das erste Land in Europa, das für 2015 diese Zahlen nach einem weiterentwickelten Protokoll der ECDC vorgelegt hat. Die nächste Prävalenz-Untersuchung ist bereits in Planung und soll 2017 abgeschlossen sein.
„Ich unterstütze die Untersuchungen zur Erhebung der Krankenhausinfektionen und freue mich, dass mittlerweile wesentlich mehr Krankenanstalten teilnehmen. Wir brauchen diese epidemiologischen Daten für die Planung unserer nationalen Maßnahmen. Je besser wir die Situation kennen, umso treffsicherer können wir Qualitätsstandards definieren und umsetzen“, bekräftigt Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser. Das BMG erarbeitet gerade mit den Bundesländern und dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ein Konzept zur österreichweit einheitlichen Erfassung der Krankenhausinfektionen. Gemeinsam mit dem Bundesqualitätsstandard zur Krankenhaushygiene stehen damit zwei wesentliche Instrumente zur Reduktion der Krankenhausinfektionen zur Verfügung.

Die Verteilung der HAI über die einzelnen Fachgebiete entspricht auch der Verteilung der aufgenommenen PatientInnen: Chirurgie und Innere Medizin hatten jeweils ein Drittel der PatientInnen und somit auch der Infektionen. Die häufigsten Erkrankungen waren Lungenentzündungen (Pneumonien), Harnwegsinfektionen, postoperative Wundinfektionen und gastrointestinale Infektionen. In rund der Hälfte der Fälle waren Multiresistenzerreger involviert, der häufigste Erreger waren Enterobakterien.

„Ganz wichtig bei Krankenhausinfektionen ist der rationale Gebrauch von Antibiotika“, sagt Presterl. Ziel ist – nach Ausschöpfen der diagnostischen Möglichkeiten – eine maßgeschneiderte Antibiotika-Therapie. Denn immer mehr der Krankenhauskeime sind multiresistent. Das Ergebnis: Rund 26 Prozent der PatientInnen bekommt Antibiotika, laut der MedUni Wien-Expertin ein „ansehnlicher Wert“ – und leicht verbessert gegenüber 2012 (33 %). Erfreulich wurde der geringe Einsatz (in 5 % aller Fälle) von Carbapenemen, einem Wirkstoff aus der Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika, bewertet.

Gestiegen ist der Einsatz von Händedesinfektionsmitteln und damit die Händehygiene an sich: „Wir kommen bei 28 Milliliter Händedesinfektionsmittel auf neun Patientenkontakte pro Tag mit korrekter Händedesinfektion“, erklärt Presterl. „Es ist sicher noch Spielraum nach oben möglich, aber es ist besser als 2012 und definitiv besser als in der EU mit 23,9 Milliliter.“

Die Universitätsklinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle der Medizinischen Universität Wien ist als Nationales Referenzzentrum für Nosokomiale Infektionen an der Surveillance, Organisation und Ausrichtung beteiligt. Im September 2015 konnte die österreichweite Studie zur Erfassung von nosokomialen Infektionen und resistenten Erregern, die 2. Österreichische Prävalenzstudie, mit der IT-Unterstützung durch die RDA – Wissenschaftsdatenbanken der MedUni Wien, erfolgreich abgeschlossen werden. Die RDA ist eine Software zur Unterstützung der Forschung an der MedUni Wien im Bereich der Dokumentation und Auswertung von klinischen und anderen forschungsrelevanten Daten.