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Krebsbehandlung: Gen-Mutation entscheidet über Chemotherapie-Erfolg

(Wien, 29-05-2013) - Eine Mutation des p53-Gens entscheidet über den Nutzen oder auch Schaden einer Chemotherapie bei Krebsbehandlungen. In mehreren Studien mit über 600 Patienten wurde eine klare Wechselwirkung zwischen dem Gen-Marker und dem Ansprechen auf eine Chemotherapie festgestellt. Das soll in Zukunft nicht nur Prognosen über die Wirksamkeit einer Therapie bei dem jeweils getesteten Tumor erlauben, sondern auch Patienten selektieren, denen die Behandlung schadet. Die Studienergebnisse wurden heute, Mittwoch, im Rahmen des 54. Österreichischen Chirurgenkongresses in Wien vorgestellt.

Häufig angewandte Krebstherapien seien bei Patienten mit normalem Status des p53 Tumor-Surpressor-Gens (TP53) wesentlich wirksamer als bisher angenommen, erklärte Studienleiterin Daniela Kandioler von der Universitätsklinik für Chirurgie an der Medizinischen Universität Wien. Das wurde etwa in einer Studie der MedUni bestätigt, an der 76 Patienten mit kolorektalen Lebermetastasen teilnahmen. Alle Patienten befanden sich im gleichen operablen Tumorstadium und wurden entweder nur operativ oder zusätzlich mit einer präoperativen Standard-Chemotherapie behandelt.

Bei Patienten, die sich einer Operation ohne Chemotherapie unterzogen, war das Überleben trotz unterschiedlichem Markerstatus gleich. Wurden die Studienteilnehmer allerdings mit Chemotherapie behandelt, zeigten sich je nach Mutationsstatus deutliche Unterschiede: Bei Patienten mit mutiertem p53-Gen war das Mortalitätsrisiko um das Fünffache erhöht. Nach fünf Jahren betrug ihre Überlebensrate nur 22 Prozent - im Vergleich dazu überlebten bei den Patienten mit normalem Gen 60 Prozent.

"Mithilfe des Verfahrens kann einerseits die Effizienz von Krebstherapien sprunghaft gesteigert und gleichzeitig auch das Risiko für den Patienten reduziert werden", so Kandioler. Denn ähnliche Ergebnisse lieferte auch eine Studie mit Patienten mit Speiseröhrenkrebs: Probanden mit normalem p53-Gen überlebten bei gleicher Behandlung im Schnitt um 1,5 Jahre länger als Probanden mit mutiertem Gen. Diesen Patienten schadete die Therapie sogar: "Auch hier bestätigte sich, dass die Chemotherapie bei mutiertem Marker-Status eindeutig kontraproduktiv ist", schilderte Kandioler. Denn das Gen bestimmt, ob Tumorgewebe angegriffen wird oder auch normale Zellen in den "programmierten Zelltod" getrieben werden. Eine Mutation des p53-Gens wurde bei 50 Prozent der Patienten festgestellt.

Diese neue Selektionsmöglichkeit sei vor allem auch einem neuen - hoch sensitiven - Gensequenzierungsverfahren zu verdanken. Getestet wird die DNA des Tumors - diese kann bereits mit einer minimalen Nadelbiopsie entnommen werden. Der Test ist standardisiert und kostet rund 900 Euro. "Der nächste Schritt ist sicherlich die breite klinische Anwendung", meinte die Expertin. Bisher seien viele verschiedene Markertests verwendet worden, die zum Teil ungenaue Ergebnisse lieferten.

Bis jetzt wurden vor allem Speiseröhren-Krebs, Lebermetastasen und Dickdarmkrebs in Studien getestet, allerdings geht Kandioler davon aus, dass der Marker bei allen Krebsarten wirksam ist, wenn auch in unterschiedlicher Häufigkeit. Bei Brustkrebs rechnen Experten etwa mit 15 bis 20 Prozent Patienten mit mutiertem Gen-Status. In Zukunft könnte das nicht nur bei Chemotherapie, sondern auch bei Strahlentherapie relevant werden: Bei Enddarm-Krebs weisen im Durchschnitt 50 Prozent der Patienten eine Mutation auf. Das könnte bedeuten, dass bisher "die Hälfte aller Patienten sinnlos bestrahlt wurden", erklärte Kandioler.

Auch für bisherige Krebs-Studienergebnisse könnte die Wechselwirkung zwischen Gen und Substanzen der Chemotherapie Konsequenzen haben: Denn finden sich in einer Testgruppe zufällig mehr Patienten mit mutiertem Marker, kann das die Aussagekraft wesentlich beeinflussen.