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Krebstherapie: Ursache für Hautentzündungen identifiziert

(Wien 21-08-2013) Zielgerichtete, erfolgreiche Krebstherapien werden sehr oft von belastenden Nebenwirkungen begleitet. Vor allem bei der anti-EGFR Therapie ist die Haut durch Entzündungen häufig so stark betroffen, dass PatientInnen an einen Abbruch der hochwirksamen Behandlung denken. ForscherInnen des Comprehensive Cancer Center Vienna (CCC), einer Einrichtung der MedUni Wien und des AKH Wien, konnten nun die Mechanismen aufschlüsseln, die maßgeblich am unkontrollierten Entzündungsprozess beteiligt sind.

Das Wachstum von Zellen wird durch Botenstoffe ausgelöst, die an speziellen Proteinen auf der Zelloberfläche, den so genannten EGF-Rezeptoren (Epidermal Growth Factor Receptor: EGFR), andocken. Diese Rezeptoren kommen auf der Oberfläche fast aller Tumorzellen vermehrt vor und führen zum unkontrollierten Zellwachstum.

In der zielgerichteten Therapie werden die EGFR ausgeschaltet und somit das Wachstum des Tumors behindert. EGFR steuern aber auch viele Prozesse in der Haut und spielen daher eine wichtige Rolle für das Gleichgewicht in diesem Organ. Fehlen die Rezeptoren und somit auch die Botenstoffe, sind Akne-ähnliche Ausschläge die Folge. Diese sind für die Betroffenen häufig so quälend, dass ein Abbruch der Therapie in Erwägung gezogen werden muss.

Entzündungsmechanismus aufgeschlüsselt
Ein Forscherteam rund um Maria Sibilia, Leiterin des Instituts für Krebsforschung an der MedUni Wien und Mitglied des CCC, konnte nun in einer in-vivo-Studie belegen, dass nach dem Ausschalten des EGFR, Entzündungsbotenstoffe wie CCL2 und CCL5 vermehrt auftreten und wichtige Adhäsionsmoleküle und antimikrobielle Peptide in der Epidermis der Haut vermindert hergestellt werden.

Das führt dazu, dass die Barriere der Haut gestört ist und dass Krankheitserreger leichter eindringen können und damit zur vermehrten Hautentzündung beisteuern. Die Ergebnisse zeigen, dass Makrophagen und Mastzellen entscheidend an den unkontrollierten Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Sibilia dazu: „Es war für uns sehr überraschend zu finden, dass T- und B-Zellen, die ja ein entscheidender Bestandteil der Immunabwehr und somit immer bei der Bekämpfung von Krankheitserregern zur Stelle sind, an der Bekämpfung dieses Entzündungsprozesses nicht maßgeblich beteiligt sind“.

Als Partner an dieser Studie beteiligt war ein Team rund um Bernhard Homey, Direktor der Universitäts-Hautklinik Düsseldorf, das dieselben Ergebnisse in klinischen Untersuchungen an menschlicher Haut nachweisen konnte. Sibilia: „In dem man diesen Mechanismus nun kennt, könnte man in Zukunft Therapien in Form von Salben oder Cremen entwickeln, welche die Barrierefunktionen der Haut stärken und somit diese Nebeneffekte lindern.“

Service: Science Translational Medicin
Epidermal EGFR controls cutaneous host defense and prevents inflammation”, Lichtenberger, Sibilia et al., Sci Transl Med. 2013 Aug 21. Sci Transl Med 21 August 2013: Vol. 5, Issue 199, p. 199ra111 Sci. Transl. Med. DOI:10.1126/scitranslmed.3005886.