Skip to main content

news

"Leben mit Krebs": Hoffnung und Herausforderung

(Wien, 31-01-2012) Rund 40.000 Menschen bekommen jährlich in Österreich die Diagnose einer Krebserkrankung gestellt. Etwa 25 Prozent der Mortalität sind darauf zurückzuführen. Doch die moderne Medizin erlaubt in mehr Fällen eine Heilung, bei noch mehr Erkrankten gelingt es zunehmend, die bösartige Erkrankung zu einer "chronischen" Langzeiterkrankung zu machen. Dies erklärten am Dienstag Experten in Wien aus Anlass des bevorstehenden Welt-Krebs-Tages (4. Februar), an dem in Wien im Rathaus auch der Wiener Krebstag (11.00 Uhr bis 17.00 Uhr) stattfindet.

Veranstaltet wird der Informationstag von der Initiative "Leben mit Krebs" (http://www.leben-mit-krebs.at), die von dem Onkologen Christoph Zielinski (MedUni Wien) und anderen Proponenten bereits 1999 gegründet wurde. Der Krebsspezialist über den Grundgedanken der Initiative: "Patienten müssen zu Partnern werden. Sie können nur dann mündige Partner sein, wenn sie genug Informationen haben."

Der medizinische Fortschritt macht eine solche Entwicklung nur noch mehr notwendig. Zielinski: "Es hat sich in diesen zwölf Jahren extrem viel getan. Das Überleben von Patienten hat deutlich zugenommen. (...) Dieses lange Überleben von Patienten stellt uns vor ausgesprochen große Herausforderungen. Hier ist eine neue Solidarität mit Kranken zu fordern."

Der Zugang zu neuen Krebsmedikamenten und die Beteiligung österreichischer Wissenschafter an klinischen Studien zu Arzneimitteln in diesem Bereich sowie eigenständige Forschungsbemühungen seien essenziell, wie der Experte erklärte. Die Kosten würden in der öffentlichen Diskussion oft überschätzt werden. Zielinski: "Die Behandlungskosten für Krebs betragen insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Das sind 11,1 Prozent der Gesamtspitalsausgaben. Davon entfallen 210 Millionen Euro (17,7 Prozent, Anm.) auf Krebsmedikamente." Von den gesamten Gesundheitsausgaben in Österreich machen Arzneimittel gegen bösartige Erkrankungen einen Anteil von bloß 1,1 Prozent aus. Bei der Versorgung von Krebspatienten sind die Spitalspflege, Pflege zu Hause und soziale Unterstützung demnach die größten Kosten.

Dem stehen die Erfolge der Medizin gegenüber: Patienten mit B-Zell-Lymphomen überleben - auch mit fortgeschrittener Erkrankung - heute im Durchschnitt 91 Monate statt im Durchschnitt 37 Monate vor rund zehn Jahren. Bei Brustkrebs hat sich die durchschnittliche Überlebenszeit bei fortgeschrittener Erkrankung von 22 auf 58 Monate erhöht. Große Fortschritte gibt es auch bei Nierenkarzinomen und Dickdarmkrebs mit in etwa einer Verdopplung der durchschnittlichen Überlebenszeit.

Das führt zu einer ganz anderen Lebenssituation der Betroffenen und deren Angehörigen. Die Wiener Onkologin Gabriele Korinek, Präsidentin der Initiative: "Leben mit Krebs bedeutet auch Selbst-Management der Erkrankung."

Verzicht auf das Rauchen, Reduktion von Übergewicht und regelmäßige Bewegung wären die wichtigsten Präventionsmaßnahmen in Sachen Krebs, erklärte der Wiener Gynäkologe Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe. Allerdings, so der Experte: "Umfragen von 1994 und 2011 haben ergeben, dass sich der Anteil der Menschen, die sich überhaupt nicht 'bewegen' von 38 auf 44 Prozent zugenommen hat." Das im kommenden Jahr in Österreich anlaufende Brustkrebs-Screeningprogramm sei allerdings in der Früherkennung ein positiver Schritt.

Ein weiterer mit dem Gesundheitsministerium derzeit diskutierter wichtiger Schritt: In weiterer Zukunft soll auch ein Darmkrebs-Früherkennungsprogramm (Darmspiegelung) generelle organisiert werden. Ein "trauriges Kapitel", sei - so Sevelda - der Umstand, dass in Österreich Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs (HPV) noch immer nicht öffentlich unterstützt werde. Damit könnten auch 70 Prozent der jährlich 5.000 gynäkologischen Eingriffe zur Beseitigung von Krebsvorstufen verhindert werden. Das Gesundheitsministerium arbeitet derzeit an der Formulierung einer Gesamt-Krebsstrategie für Österreich.