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Lungenkrebsspezialist der MedUni Wien zeigt erstmals, wann zielgerichtete Kombinationstherapie sinnvoll ist

(Wien, 4-11-2011) Patienten mit der häufigsten Lungenkrebsform, dem fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC), profitieren von der zielgerichteten Therapie mit dem Antikörper Cetuximab. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am 4. November online im renommierten „Lancet Oncology“ erschienen ist und unter der Leitung eines Wissenschafters der MedUni Wien durchgeführt wurde.

Neue Therapieoption für häufigste Lungenkrebsart
Derzeit gibt es zusätzlich zur Chemotherapie nur sehr wenige Therapieoptionen für Patienten mit NSCLC. Es war daher ein wesentlicher Fortschritt, als 2009 die Studie First-Line ErbituX in lung cancer (FLEX) nachweisen konnte, dass die Zugabe von Cetuximab zur Standard-Chemotherapie das Überleben signifikant verbessert. Dieses Ergebnis wurde damals in der Plenary Session des weltweit wichtigsten Krebskongresses präsentiert, der Jahrestagung der amerikanischen Krebsgesellschaft. Präsentator war der Studienleiter Robert Pirker, der am Comprehensive Cancer Center Wien der Medizinischen Universität Wien arbeitet.

Aktuelle Studie zeigt, wann die Zusatztherapie wirkt
Eine wichtige Frage konnte jedoch erst jetzt beantwortet werden: Welche der Patienten profitieren von der zusätzlichen Therapie? Auf der Suche nach einer Antwort lag die Vermutung nahe, dass ein Zusammenhang mit der Höhe der EGFR-Expression besteht, da der zusätzlich verabreichte Antikörper gegen den epithelialen Wachstumsfaktor (EGFR) gerichtet ist. „Mit der nun vorliegenden neuen Analyse der FLEX-Studie können wir die Richtigkeit dieser Vermutung bestätigen“, freut sich Pirker. „Anhand des wichtigsten Parameters, dem Gesamtüberleben, konnten wir den Zusammenhang der erhöhten EGFR-Expression mit einem Ansprechen auf den Antikörper eindeutig nachweisen.“

Gezielte Therapie für Lungenkrebspatienten mit hoher EGFR-Expression
Im Rahmen der FLEX-Studie von 2009 hatten 1.121 der insgesamt 1.125 Patienten Daten zur EGFR-Expression. Sie wurden in der aktuellen Studie mittels eines Scoring-Systems in Gruppen mit niedriger und hoher EGFR-Expression eingeteilt. Es zeigte sich, dass die Zugabe von Cetuximab bei Patienten mit hoher Expression das Gesamtüberleben verlängerte, und das ohne eine Zunahme der Toxizität. In dieser Gruppe von Patienten mit EGFR-Scores von 200 und darüber lag das durchschnittliche Gesamtüberleben (Medianwert) bei der Kombination aus Standardtherapie und Cetuximab bei zwölf Monaten, fast ein Viertel der Patienten war auch nach zwei Jahren noch am Leben. Mit der Standard-Chemotherapie allein lag das Überleben in dieser Gruppe nur bei 9,6 Monaten und nur 15 Prozent der Patienten lebten nach zwei Jahren noch. In den Patientengruppen mit niedrigen EGFR-Scores zeigte sich kein Unterschied zwischen den Therapiegruppen.

Bedeutung für die Therapie im klinischen Alltag
„Die EGFR-Expression könnte klinisch als prädiktiver Biomarker zum Einsatz kommen, um jene Patienten zu identifizieren, die von der Zugabe von Cetuximab zur Chemotherapie in der Erstlinientherapie profitieren. Erst mit einem Biomarker, der eine Vorhersage in Hinblick auf das Ansprechen macht, wird aus einer zielgerichteten Substanz auch eine gezielte Therapie für den individuellen Patienten“, sagt Pirker. „Dieser Biomarker könnte in Zukunft zum klinischen Einsatz kommen, wobei noch eine Voraussetzung fehlt: Die Zulassung von Cetuximab in diesem Einsatzgebiet.“