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Martin Bauer erhält den Herbert-Reisner-Preis für Klinische Epileptologie

(Wien, 29-12-2014) Martin Bauer von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien wurde im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Epileptologie in Linz mit dem Herbert-Reisner-Preis für Klinische Epileptologie ausgezeichnet. Die prämierte Arbeit „In vivo P-glycoprotein function before and after epilepsy surgery“ entstand im Rahmen einer Kollaboration mit Ekaterina Pataraia von der Universitätsklinik für Neurologie, Rudolf Karch vom Institut für Biosimulation und Bioinformatik und der klinischen Abteilung für Nuklearmedizin (Leiter: Marcus Hacker).

Der ATP-binding-cassette-Transporter P-Glykoprotein (P-gp) hat für den Körper eine wichtige Schutzfunktion, da er potenziell toxische Stoffe aktiv aus der Zelle transportiert. Durch Transporter-Überexpression können jedoch Medikamente daran gehindert werden, in ausreichender Menge ihr Zielgewebe zu erreichen. Mit dem diagnostischen Verfahren der (R)-11C-Verapamil Positronen-Emissions-Tomographie (PET) kann die Aktivität von P-gp an der Blut-Hirnschranke nicht-invasiv bestimmt werden.

Bei etwa einem Drittel der PatientInnen mit Epilepsie kommt es zu einer unzureichenden Kontrolle der Anfälle trotz Einnahme von Antiepileptika. Ein möglicher Grund für therapieresistente Temporallappenepilepsie ist eine Überexpression von P-gp an der Blut-Hirn-Schranke im Bereich des Anfallsfokus, was Antiepileptika daran hindert, vom Blut ins Gehirn zu gelangen. Die chirurgische Entfernung von Teilen des Temporallappens kann bei ungefähr 60 Prozent der PatientInnen zu Anfallsfreiheit führen.

Im Rahmen der prämierten Studie wurde die P-gp-Funktion von PatientInnen mit therapieresistenter Temporallappenepilepsie vor und mehrere Jahre nach dem epilepsiechirurgischen Eingriff untersucht. Bei jenen Personen, die durch die Epilepsiechirurgie anfallsfrei wurden, konnte ein Rückgang der P-gp-Überexpression festgestellt werden. Die PatientInnen mit der höchsten P-gp-Pumpfunktion vor der Operation profitierten am meisten vom chirurgischen Eingriff.

Die mögliche Vorhersage der Anfallsfreiheit durch Epilepsiechirurgie anhand einer PET-Messung vor dem Eingriff ist von besonderer klinischer Relevanz. PatientInnen können so im Rahmen der vorbereitenden präoperativen Untersuchungen besser beraten werden.

Zur Person
Martin Bauer studierte Medizin in Innsbruck und Wien und schloss seine Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Klinische Pharmakologie an der MedUni Wien 2014 ab. Er habilitierte zum Thema „In vivo Messung der Blut-Hirn-Schranken Penetration von Arzneistoffen mit der Positronen-Emissions-Tomographie“. Martin Bauer ist verheiratet und Vater einer Tochter.

Bauer M, Karch R, Zeitlinger M, Liu J, Koepp MJ, Asselin MC, Sisodiya SM, Hainfellner JA, Wadsak W, Mitterhauser M, Müller M, Pataraia E, Langer O. In vivo P-glycoprotein function before and after epilepsy surgery. Neurology. 2014 Oct 7;83(15):1326-31 http://www.neurology.org/content/83/15/1326.long