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Medikamente individuell dosieren: Pharmakogenetische Tests sollen verbesserte Therapieergebnisse bringen

(Wien, 12-02-2016) Ziel des neuen internationalen Projektes „Ubiquitous Pharmacogenomics“ (U-PGx) ist es, europäischen PatientInnen effektive Therapieoptimierungen mittels pharmakogenetischer Tests zugänglich zu machen. Die Medizinische Universität Wien nimmt eine zentrale Rolle in dem Projekt ein. Das H2020 Programm der Europäischen Union fördert das internationale Konsortium mit insgesamt 15 Millionen Euro. Dabei sollen pharmakogenetische Tests und computerbasierte klinische Entscheidungsunterstützungen für 8000 PatientenInnen in sieben europäischen Staaten implementiert werden.

In dem Forschungsprojekt soll untersucht werden, ob die jeweilige medikamentöse Intervention zu einer Verbesserung der Therapieergebnisse führt und kosteneffektiv ist. Ein Kick-off Meeting am 19. und 20. Jänner 2016, an dem 35 ForscherInnen und KlinikerInnen aus zehn verschieden EU-Staaten teilnahmen, markierte den Beginn des Projekts.

Individuelle Genvariationen beeinflussen Arzneimittelwirkung
Matthias Samwald vom Zentrum für Medizinische Statistik, Informatik und Intelligente Systeme (CeMSIIS) der MedUni Wien fungiert als Vorstandsmitglied und Leiter des Arbeitspakets, das für die Implementierung der klinischen Entscheidungsunterstützung verantwortlich ist. Er erklärt, dass zahlreiche Studien gezeigt haben, dass Variationen in Genen, welche Arzneistofftransporter und Arzneimittel-metabolisierende Enzyme kodieren, die Arzneimittelwirkung deutlich beeinflussen. Dies kann zu gefährlichen Unter- oder Überdosierungen von Medikamenten bei betroffenen Personen führen. Pharmakogenetische Tests können helfen, diese individuellen Unterschiede bei der Verschreibung von Medikamenten zu berücksichtigen. Allerdings hat die Unsicherheit darüber, in welchen Fällen solche Tests für PatientInnen Vorteile bringen könnten sowie das Fehlen geeigneter Informationstechnologien zur Unterstützung der behandelnden ÄrztInnen bislang eine breite Anwendung dieser Tests verhindert.


Ein Teil der internationalen klinischen Studie wird unter der Führung von Gere Sunder-Plassmann an der Universitätsklinik für Innere Medizin III durchgeführt, wo die Behandlung von NierentransplantationspatientInnen durch pharmakogenetische Tests optimiert werden soll.


Ein einziger genetischer Test

Das Projekt wird den neuartigen Ansatz des ‚präemptiven‘ Testens implementieren. Dabei werden Daten zu allen Genen mit klinisch signifikantem Einfluss auf die Arzneimittelwirkung mit einem einzigen, kostengünstigen genetischen Test erhoben. Auf diese Weise stehen pharmakogenetische PatientInnendaten und personalisierte Behandlungsleitlinien zur Dosierung einer Vielzahl gebräuchlicher Arzneimittel jederzeit zur Verfügung.

Samwald rechnet damit, dass Pharmakogenetik ein integraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung wird: „In Zukunft werden Daten zu pharmakogenetischen Risikofaktoren so alltäglich sein wie es Blutgruppen- oder Cholesterinergebnisse schon heute sind. In Kombination mit benutzerfreundlichen digitalen Tools zur Entscheidungsuntersützung kann dies den Weg für sicherere und effektivere medikamentöse Therapien über das gesamte Gesundheitssystem hinweg ebnen.“

» Projekt-Website