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Medizin-Nobelpreis 2011 für drei Immunologen

(Stockholm, 03-10-2011) Drei Immunologen erhalten für ihre bahnbrechenden Arbeiten zum angeborenen und adaptiven Immunsystem den Nobelpreis 2011 für Physiologie und Medizin: Die Auszeichnung geht an den gebürtigen Luxemburger und in Frankreich arbeitenden Jules A. Hoffmann (geboren 1941), Bruce A. Beutler (USA, geboren 1957) und Ralph M. Steinman (geboren 1943 in Montreal in Kanada, am 30. September 2011 an Pankreaskrebs verstorben). Dies gab das Karolinska-Institut in Stockholm Montag am späten Vormittag bekannt.

Die Auszeichnungen ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,088 Millionen Euro) dotiert. Hoffmann und Beutler erhalten die Hälfte des Preisgeldes. "Die Nobelpreisträger dieses Jahres haben unser Verständnis des Immunsystem revolutioniert, indem sie Grundmechanismen seiner Aktivierung entdeckt haben. Wissenschafter haben lange nach jenen 'Wächtern' gesucht, welche die Abwehrreaktionen steuern, mit denen sich Mensch oder Tier gegen den Angriff von Bakterien oder anderen Mikroorganismen schützen", hieß es am Montag in der Begründung des Karolinska-Instituts.

Vom Tod Steinmanns erfuhr das Institut erst nach der Verleihung. Diese Nachricht kam Montagnachmittag von der Rockefeller University in New York, wo Steinman geforscht hatte. Die Auszeichnung kann laut Statuten der Nobelpreisstiftung nicht posthum zuerkannt werden. Das Institut wolle aber die Auszeichnung nicht zurücknehmen, hieß es in einer Stellungnahme.

Hoffmann machte seine große Entdeckung im Jahr 1996, als er und eine Mitarbeiter untersuchten, wie Drosophila-Fliegen, die bevorzugten Studienobjekte vieler Genetiker, Infektionen abwehren. Dabei kamen sie auf die Toll-Gene bzw. entdeckten den Toll-like Rezeptor der Fruchtfliegen, der die Abwehrreaktion des Immunsystems der Insekten gegen Bakterien und Pilze ermöglicht.

Der gebürtige Luxemburger arbeitete an einem Forschungslabor in Straßburg und war 2007 bis 2008 auch Präsident der Französischen Akademie der Wissenschaften. Beutler suchte nach einem Rezeptor, an den bei einer Infektion mit bestimmten Bakterien die Lipopolysaccharide (LPS) aus der Membran der Keime binden. Sie können den septischen Schock und somit die gefährlichste Komplikation bei Blutvergiftungen etc. auslösen. 1998 entdeckten Beutler und seine Mitarbeiter Mäuse, die gegen die LPS-Toxizität "immun" waren. Sie fanden heraus, dass dies auf auf der Mutation eines Gens beruht, das sehr ähnlich dem Toll-Gen der Fruchtfliege ist. Schließlich entdeckten sie den Toll-like-Rezeptor 4 als jene Andockstelle für LPS von Bakterien, welche sofort zu einer Entzündungsreaktion und zum septischen Schock führen kann.

Beutler arbeitet seit dem Jahr 2000 am Scripps Institute in La Jolla in den USA. Steinman (geboren in Montreal in Kanada, er forscht an der Rockefeller University in New York) entdeckte im Jahr 1973 die sogenannten Dendritischen Zellen als jene Zellen des adaptiven Immunsystems, welche durch den Organismus patrouillieren, fremde Antigene (von Krankheitserregern) aufnehmen, in kleine Bruchstücke zerlegen und dem Immunsystem präsentieren. Sie sind daher Antigen-präsentierende Zellen. Dies ist die Voraussetzung für die Aktivierung von B- oder T-Zellen, welche dann die weitere Abwehrreaktion in Gang setzen. Im ersten Fall kommt es zur Produktion von Antikörpern, im zweiten Fall zur Aktivierung von zytotoxischen Lymphozyten.