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Medizinische Universität Wien führt neuen Test zur verbesserten Therapieplanung bei Brustkrebs ein

(Wien, 19-05-2015) Mit einem neuen Testverfahren kann am Brustgesundheitszentrum der MedUni Wien das Rückfallrisiko einer an Brustkrebs erkrankten Patientin noch besser bestimmt und darauf die Therapie zielgenau und individualisiert ausgerichtet werden.

Die herkömmliche Prognoseabschätzung allein anhand der klinischen Parameter, wie Tumorgröße, Lymphknotenbefall, Alter und Hormonempfindlichkeit bzw. Hormonrezeptorstatus kann gerade bei Frauen mit einem mittleren oder niedrigen Rückfallrisiko ihrer Krebserkrankung schnell zu einer Übertherapie durch eine Chemotherapie mit allen daraus resultierenden Nebenwirkungen und Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. Das Brustzentrum des Comprehensive Cancer Center Vienna unter der Leitung von Michael Gnant bietet in Zusammenarbeit mit dem Klinischen Institut für Pathologie (Leonhard Müllauer, Zsuzsanna Bago-Horvath) die Durchführung des Prosigna-Gensignaturtests nun auch für externe Patientinnen an.

Mit dem „Prosigna-Test“ wird sowohl das Rückfallrisiko der einzelnen Patientin abgeschätzt, als auch der Tumor einer bestimmten biologischen Subgruppe des Mammakarzinoms zugeordnet. Diese Informationen dienen der Entscheidung zur unterstützenden medikamentösen Therapie nach der Operation.
Dabei handelt es sich um einen sogenannten Gensignaturtest, der die Aktivität 50 verschiedener Krebsgene im Tumor bestimmt („PAM50 Gensignatur“). „Es werden vor allem Sequenzen gesucht, die mit der Wachstumsaktivität und so mit der Aggressivität des Tumors assoziiert sind“, erklärt Michael Gnant, Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie und des Brustgesundheitszentrums der Medizinischen Universität Wien. Der Test wurde in den Vereinigten Staaten entwickelt und ist dort von der FDA (Food and Drug Administration) für die klinischen Routine zugelassen. Eine CE-Zertifizierung für die Europäische Union, und damit die Zulassung für die klinische Anwendung, besteht ebenso.

Michael Gnant, auch Präsident der Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group, erläutert: „In Österreich, sowie in den angrenzenden osteuropäischen Ländern sind wir die erste Universitätsklinik, die den Prosigna-Test in ihre klinische Arbeit für eine individualisierte Therapieempfehlung für die Patientin einbezieht.“


OP und Tumoruntersuchung unter einem Dach

Die gesamte molekularpathologische Untersuchung findet vor Ort am Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien (Leiter: Dontscho Kerjaschki) statt. Somit kommt es zu keinem Zeitverlust durch Versendung des Tumormaterials an Laboratorien der herstellenden Unternehmen. Die sorgfältige Evaluierung durch die PathologInnen gewährleistet, dass ausschließlich Tumorgewebe beim Test untersucht wird. Das Testergebnis unterliegt einer internen Kontrolle durch die CE- und FDA-zertifizierte Nanostring nCounter-Platform. Damit können analytisch und klinisch valide Resultate erzielt werden. „Damit sorgen wir für eine größtmögliche Datensicherheit“, sagt Christian Singer, stellvertretender Leiter des Brustzentrums. Zudem liegt das Testergebnis auch und insbesondere bezüglich des späten Rückfallrisikos und der Einteilung in die biologische Subgruppe bereits wenige Tage nach der Operation vor und kann zeitnah bei der interdisziplinären Tumorkonferenz des Brustzentrums zur Therapieempfehlung mit herangezogen werden.

Der Test wurde an über 2400 Patientinnen in zwei pospektiv geplanten klinischen Studien mit einer Verlaufskontrollzeit von über mehr als 10 Jahren validiert, an der maßgeblich auch die „Austrian Breast Cancer Study Group“ (ABCSG) um Michael Gnant beteiligt war.


Nicht immer ist eine Chemotherapie notwendig

In Österreich erkranken jedes Jahr etwa 5.200 Frauen an einem Mammakarzinom (Brustkrebs). In den meisten Fällen liegt kein Lymphknotenbefall vor und die meisten Tumoren sind hormonrezeptorpositiv d.h. sie sind empfindlich für die weiblichen Sexualhormone (Östrogene). Von dem Prosigna-Test wird erwartet, dass er unter den Patientinnen mit hormonrezeptorpositiven Tumoren diejenigen identifizieren kann, die nur ein sehr geringes Rückfallrisiko haben (sogenannter Luminal A-Typ; unter zehn Prozent Rückfallrisiko in den nächsten zehn Jahren) und mit einer reinen antihormonellen Therapie ausreichend behandelt sind.
Michael Gnant: „Durch den Einsatz des Prosigna-Tests erhofft man sich, etwa einem Drittel der betroffenen Patientinnen eine Chemotherapie zu ersparen, da sie nur ein geringes Rückfallrisiko innerhalb der nächsten zehn Jahre haben.“ Die Therapie wird damit noch besser auf die individuellen Tumoreigenschaften ausgerichtet: Sie werden effektiver eingesetzt und Übertherapien sowie damit verbundene Nebenwirkungen können vermieden werden.


» Brustgesundheitszentrum der MedUni Wien/AKH Wien