Skip to main content

news

MedUni Wien ForscherInnen sehen neue Therapiechancen bei Speiseröhrenkrebs

(Wien, 27-05-2011) ForscherInnen der MedUni Wien erzielten entscheidende Erkenntnisse über das HER-2 Gen und seine Rolle in der Entstehung von Tumoren in der Speiseröhre. Das verspricht bessere Therapie- und Überlebensraten für die PatientInnen.

Das Karzinom der Speiseröhre (Ösophagus) stellt eine meist hochaggressive Erkrankung dar, wobei besonders die Häufigkeit des „Adenokarzinoms“ im Drüsengewebe der Speiseröhre in den letzten Jahren dramatisch gestiegen ist.  Die therapeutischen Möglichkeiten sind derzeit vor allem bei fortgeschrittenen Stadien nach wie vor sehr eingeschränkt.

Einen vielversprechenden Angriffspunkt stellt laut den jetzt veröffentlichten Studienergebnissen der MedUni Wien ForscherInnen das HER-2 Gen (human epidermal growth factor receptor 2) dar. Die vom HER-2 Gen gebildeten Proteine haben nachweislich sehr ausgeprägte krebsfördernde Eigenschaften, sind inzwischen jedoch medikamentös behandelbar.

Bereits vorhandene Medikamente könnten helfen
Die ForscherInnen fanden heraus, dass bei rund 15 % der Adenokarzinome des Ösophagus HER-2 Proteine deutlich vermehrt vorhanden sind. Das bedeutet, dass gut wirkende Medikamente gegen die HER-2 Effekte auch in diesem Fall eingesetzt werden könnten. Bisher sind derartige Arzneien beispielsweise bei Magenkrebs zugelassen, nicht jedoch zur Behandlung bei Speiseröhrenkarzinomen ohne Metastasenbildung. Fälschlicherweise, wie ein weiteres Studienergebnis zeigt. Denn die HER-2 Aktivität steigt nicht mit der Bildung von Metastasen, sondern der Genstatus bleibt laut den jüngsten Forschungsergebnissen konstant. Somit ist auch die jetzt übliche Gewebeentnahme bei Metastasen überflüssig, da das Gewebe auch aus dem Haupttumor gewonnen werden kann. Damit würden sich betroffene PatientInnen zumindest eine sehr belastende Untersuchung sparen.

Außerdem konnten die WissenschafterInnen zeigen, dass HER-2 auf vielfältige Weise wirken kann. So ist beispielsweise der Nachweis gelungen, dass HER-2 eng mit der erhöhten Bildung von Carboanhydrase in Verbindung steht. Das bewirkt, dass das menschliche Gewebe reagiert, als würde eine Sauerstoffunterversorgung vorliegen. Dadurch wird die Aggressivität der Zellen gesteigert und es kommt zur Entstehung von Tumoren. Auch diese enge Kopplung stellt laut den WissenschafterInnen ein vielversprechendes Angriffsziel für medikamentöse Therapiemaßnahmen dar.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit internationalem Echo
Dass diese wichtigen Erkenntnisse gewonnen werden konnten, verdanken die ForscherInnen auch der guten Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Einrichtungen der MedUni Wien. Die drei Einzelstudien wurden in der Upper-GI Research Unit des chirurgische Forschungslabors in Zusammenhang mit dem Cancer Comprehensive Center (CCC-Vienna) in einer Kooperation mit dem Klinischen Institut für Pathologie (Univ. Prof. Dr. Peter Birner) und der Universitätsklinik für Chirurgie (Univ. Prof. Dr. Sebastian Schoppmann, Leiter der Upper GI Research Unit) der Medizinischen Universität Wien durchgeführt.

Die Bedeutung der Ergebnisse spiegelt sich auch durch die Publikation in den international renommierten Fachmagazinen „American Journal of Surgery Pathology“, „British Journal of Surgery“ und „Annals of Surgical Oncology“ wider.


» Publikation in “American Journal of Surgical Pathology”:
Expression of Her-2 in Carcinomas of the Esophagus
S. F. Schoppmann, B. Jesch, J. Friedrich, F. Wrba, A. Schultheis, U. Pluschnig, J. Maresch, J. Zacherl, M. Hejna, P. Birner
Am J Surg Pathol. 2010 Dec;34(12):1868-73.

» Publikation in “British Journal of Surgery” (online first publication):

Her-2 status in primary esophageal cancer and corresponding lymph-node and distant metastases
S.F. Schoppmann, B. Jesch, J. Zacherl, F. Wrba, M. Hejna, J. Maresch, F. Langer,
MF.  Riegler, U. Pluschnig, P. Birner
DOI: 10.1002/bjs.7562

» Publikation in “Annals of Surgical Oncology” (online first publication):
Carbonic Anhydrase IX-overexpression is associated with diminished prognosis in esophageal cancer and correlates with Her-2 expression
P. Birner, B. Jesch, J. Friedrich, M. Riegler, J. Zacherl, M. Hejna, F. Wrba, A. Schultheis, S. F. Schoppmann.
PMID: 21519917