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MedUni Wien startet europaweite Studie mit suchtkranken Frauen

(Wien 01-03-2012) Mit dem EU-geförderten Projekt REDUCE läuft seit 1. Dezember 2011 an der MedUni Wien eine über 24 Monate angelegte Studie. Ziel ist es, die Infektionen von suchtabhängigen Frauen mit Hepatitis C in Österreich und in der EU zu senken. Psychologie spielt als Maßnahme in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

Alleine in Österreich ist rund ein Prozent der Bevölkerung – also etwa 80.000 Menschen – von der folgenschweren Infektionskrankheit Hepatitis C betroffen. Ein besonders hohes Erkrankungsrisiko haben intravenös – also mit einer Spritze Substanzen konsumierende – Suchtabhängige: In Österreich sind bis zu 73 Prozent dieser Personengruppe von Hepatitis C betroffen, darunter besonders häufig auch Frauen.

Intravenöser Drogenkonsum ist Hauptübertragungsweg von Hepatitis C
Als eine wichtige Gegenmaßnahme finanziert die EU nun in fünf europäischen Ländern mit REDUCE ein langfristiges Projekt, um die Verbreitung von Hepatitis C bei Frauen mit Substanzmissbrauch zu reduzieren. Neben Spanien, Schottland, Polen und Italien konnte sich auch die Medizinische Universität Wien die Förderung der EU sichern. Dazu Gabriele Fischer, Suchtexpertin der MedUni Wien und Leiterin der Drogenambulanz an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie: „In industrialisierten Ländern wie Österreich stellt der gemeinsame Gebrauch von Spritzenbesteck beim intravenösen Substanzkonsum einen Hauptübertragungsweg von Hepatitis C dar. Gerade deshalb ist dieses Projekt und seine Förderung durch die EU so wichtig.“

Entwicklung psychologischer Behandlungsmethoden zur Prävention von Hepatitis C
„Das Projekt REDUCE hat zwei Säulen, auf denen wir aufbauen. Einerseits sind das aktuelle Ergebnisse aus der Literatur und andererseits bereits bewährte Maßnahmen zu Vorbeugung. Daraus wollen wir gendersensitive – das heißt im konkreten Fall besonders gut für Frauen geeignete – psychologische Behandlungsmethoden entwickeln und optimiert anwenden“, erklärt Manfred Maier von der Abteilung Allgemeinmedizin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien die Vorgangsweise. Inhaltlich bedient sich die Studie psychologischer Maßnahmen wie Psychoedukation und Rückfallprophylaxe sowie dem Training zur Reduktion von Risikoverhaltensweisen, der Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit, dem Umgang mit Stimmungsschwankungen, Persönlichkeitseigenschaften und Gewalt in der Partnerschaft. Denn bereits in der Vergangenheit erwies sich eine solche Vorgangsweise als effektiv, um das Risikoverhalten von mit Hepatitis C Infizierten zu verbessern. Nach Projektende sollen die gewonnenen Erkenntnisse allen in diesem Bereich tätigen Fachleuten als kostenlose Unterlagen zur Verfügung stehen.

Zwei Jahre dauernde Studie mit 400 Frauen aus fünf Ländern
Insgesamt werden an REDUCE 400 Frauen teilnehmen, die illegale Substanzen wie Kokain, Amphetamine und Heroin missbrauchen. Jeweils 80 dieser Frauen, mit und ohne Hepatitis C-Infektion, stammen aus den fünf an der 24 Monate dauernden Studie teilnehmenden Ländern. Teilnahmevoraussetzung ist der Wunsch der Betroffenen, ihre Substanzabhängigkeit behandeln zu lassen.

Verbesserung des Risikoverhaltens steht im Fokus
Wissenschaftlich untersucht werden die aufgrund der gesetzten Maßnahmen erreichten Wissens- und Verhaltensänderungen bei den teilnehmenden Suchtkranken. Dazu werden vor und nach der Behandlung eigens entwickelte qualitative und quantitative Interviews durchgeführt und miteinander verglichen. Im Fokus dieses Vergleichs stehen die Messung von Risikoverhaltensweisen für eine Hepatitis C-Infektion und das Wissen hinsichtlich der Übertragbarkeit von Hepatitis C.

Hepatitis C: Weltweit 170 Millionen Infizierte, Tendenz steigend
Die Infektionskrankheit Hepatitis C schädigt vorwiegend die Leber und verläuft in zirka 80 Prozent der Fälle chronisch. Die Infektion wird ausschließlich über Blut übertragen. Je nach Aktivität der Erkrankung führt unbehandelte Hepatitis C in etwa einem Viertel der Fälle zu Leberzirrhose und in weiterer Folge zu Leberkrebs. Eine Therapie ist zwar in eingeschränkter Form möglich, es steht jedoch bis dato keine Impfung zur Verfügung. Weltweit sind zirka 170 Millionen Menschen mit Hepatitis C infiziert, in der Europäischen Union sind zirka 1,2 bis 5 Millionen und in Österreich bis zu 80.000 Menschen betroffen.