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MedUni Wien-Studie: Relativ hohe Beteiligung bei Gesundenuntersuchungen in Österreich

(Wien, 18-03-2014) - Die ÖsterreicherInnen haben bisher als wenig vorsorge-affin in Gesundheitsfragen gegolten. Eine aktuelle Studie des Zentrums für Public Health der MedUni Wien deutet in eine andere Richtung. Die Beteiligung ist mit 42 Prozent innerhalb von drei Jahren gar nicht so schlecht. Zum Teil kommen aber "die Falschen".

Thomas Dorner und die Co-Autoren der in der Fachzeitschrift "BMC Public Health" vor kurzem erschienenen Studie haben die Daten des "Austrian Health Interview Survey" analysiert. Dabei wurden insgesamt 15.474 Personen in Sachen Gesundheit befragt.

Ein zunächst überraschendes Ergebnis, so Dorner: "41,6 Prozent der Männer und 41,8 Prozent der Frauen gaben an, in den vorangegangenen drei Jahren bei der kostenlosen Vorsorgeuntersuchung gewesen zu sein." Das sei im Grunde gar nicht so schlecht.

Die Detailauswertungen nach Geschlecht, Alter, selbst wahrgenommenem Gesundheitszustand, Bildung und Einkommen zeigte allerdings , dass das Angebot für die Gesundenuntersuchung beim Arzt bei weitem nicht immer von jenen genutzt wird, die dies wohl am ehesten benötigen würden.

So hatten 57,5 Prozent der 41- bis 64-jährigen in Österreich geborenen Männer mit Hochschulabschluss und einem Haushaltseinkommen von mehr als 1.500 Euro pro Person innerhalb von drei Jahren an einem solchen "Check-up" teilgenommen. Aber niemand der 15- bis 40-jährigen Männer mit Pflichtschulabschluss, niedrigem Einkommen und Geburtsort in der Türkei oder in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien waren zur Gesundenuntersuchung gegangen.

Auch bei den Frauen zeigte sich die häufigste Beteiligung (66,7 Prozent) bei den 41- bis 64-Jährigen mit Matura, in der höchsten Einkommensklasse und Geburtsort Ländern der EU-15 (exklusive Österreich). Die sozial am ehesten benachteiligten Frauen (Pflichtschulabschluss, 15 bis 40 Jahre alt, niedriges Einkommen und Geburtsort außerhalb der EU gingen zu 25 Prozent zur Untersuchung. Insgesamt gingen 41- bis 64-jährige Männer doppelt so häufig zur Vorsorgeuntersuchung wie 20- bis 40-jährige, bei den Frauen zwischen 41- und 64 Jahren lag die Frequenz um 66 Prozent höher.

Zwei andere Charakteristika: Männer und Frauen mit ihrer Meinung "gutem" Gesundheitszustand nehmen häufiger das Angebot zur Gesundenuntersuchung wahr als Personen mit subjektiv "sehr gutem" oder schlechterem Gesundheitszustand. Außerdem sind es auch die chronisch Kranken, bei denen eine primäre Prävention eigentlich nicht mehr greifen kann. Dorner: "Chronisch Kranke sind um 20 Prozent häufiger bei der Vorsorgeuntersuchung. Ein Grund dafür kann natürlich sein, dass diese Personen sowieso schon im Versorgungssystem betreut werden."

Für die Zukunft könnten laut dem Experten mehrere Maßnahmen ergriffen werden, um die Situation zu verbessern. Dorner: "Ganz wichtig wäre es, dass man besser an diejenigen Personen herankommt, die bisher viel zu selten zu der Untersuchung gehen, zum Beispiel die Menschen mit Migrationshintergrund. Die erreicht man offenbar schlecht. Zweitens sollte man eventuell den Katalog der Untersuchungen überarbeiten. Da hat sich wissenschaftlich einiges getan. Völlig unumstritten ist, dass man aus Anlass der Gesundenuntersuchung auch die Impfungen propagieren und den Impfschutz aktualisieren sollte."