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MedUni Wien Studie zeigt: Kleintumore der Schilddrüse nicht lebensbedrohlich

(Wien, 27-04-2011) Im internationalen Top-Journal „Annals of Surgical Oncology“ wurde kürzlich eine Studie von Nikolaus Neuhold und Peter Birner veröffentlicht, die ein Umdenken bei Diagnose und Therapie des „papillären Mikrokarzinoms“ notwendig macht.

Das papilläre Mikrokarzinom der Schilddrüse ist eine relativ häufige Krebserkrankung. Allerdings war bisher nicht klar, wie aggressiv diese Erkrankung wirklich ist, und wie radikal daher die Behandlung sein soll. Die Therapieansätze reichen von minimalen Eingriffen bis zur kompletten Entfernung der Schilddrüse mit einer anschließenden Therapie mit radioaktivem Jod.

Doch sowohl die Diagnose „Krebs“ als auch die radikalen Eingriffe bei der Therapie scheinen den Autoren aufgrund der Ergebnisse der jetzt veröffentlichten Studie überzogen. Die ForscherInnen untersuchten darin die Krankheitsentwicklung von rund 760 PatientInnen, bei denen zwischen 1975 und 2004 ein papilläres Mikrokarzinom diagnostiziert wurde. Bei lediglich drei PatientInnen kam es nach dem chirurgischen Eingriff zu einem Wiederauftreten der Erkrankung, die aber leicht behandelt werden konnte und ohne ernsthafte Folgen blieb.

Bemerkenswert ist weiters, dass die Mikrokarzinome teilweise „zufällig“ entdeckt wurden. Die PatientInnen kamen wegen unterschiedlicher Probleme mit der Schilddrüse zur Behandlung und erst bei der genauen Untersuchung wurden bei rund einem Drittel der Betroffenen die Karzinome diagnostiziert. Die Erkennungsrate wäre also höher gewesen, wenn die ursprüngliche Befundung genauer gewesen wäre.

Peter Birner zu den Ergebnissen: „Die Daten zeigen klar, dass das papilläre Mikrokarzinom der Schilddrüse eine sehr niedrigmaligne Erkrankung darstellt, deren Erkennungsrate mit der Genauigkeit der histologischen Aufarbeitung korreliert. Hier wäre die Standardisierung einer genaueren Befundung wünschenswert. Die Progressionsrate von zufällig entdeckten papillären Mikrokarzinomen ist außerdem derart gering, dass es anhand unserer Daten empfehlenswert ist, bei diesen Tumoren den Begriff „Karzinom“ durch den Terminus „papillärer Mikrotumor mit niedrigmalignen Potential“ zu ersetzen. Dies würde den betroffenen PatientInnen eine psychisch extrem belastende „Krebsdiagnose“ ersparen.“

(Bild: Papilläres Mikrokarzinom inmitten von normalem Schilddrüsengewebe)


Beteiligte WissenschafterInnen:
Primarius Dr. Nikolaus Neuhold
, Erstautor, Vorstand Pathologisch-Bakteriologisches Institut Kaiserin-Elisabeth-Spital des Wiener Krankenanstaltenverbunds.
Ao.Univ. Prof. Dr. Peter Birner, Studienleiter, Klinisches Institut für Pathologie der Medizinischen Universität Wien.


Publikation in „Annals of Surgical Oncology“ (ePaper):
» Incidental Papillary Microcarcinoma of the Thyroid - Further Evidence of a Very Low Malignant Potential: A Retrospective Clinicopathological Study With Up to 30 Years of Follow-Up
Nikolaus Neuhold, MD, Andrea Schultheis, MD, Michael Hermann, MD, Gabriela Krotla, MD,
Oskar Koperek, MD, and Peter Birner, MD
Ann Surg Oncol DOI 10.1245/s10434-011-1663-x