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Mehr Krankheiten für Demenz verantwortlich

(Wien 18-09-2013) Eine aktuelle Studie des Klinischen Instituts für Neurologie der MedUni Wien zeigt, dass neurodegenerative Erkrankungen abseits von Morbus Alzheimer bei alten Menschen noch häufiger sind als bisher gedacht. Eine große Chance sehen die ForscherInnen vor allem in der stärkeren Individualisierung von Behandlungen.

Die Vienna Trans-Danube Aging (VITA)-Studie erschien soeben in der September-Ausgabe des Top-Journals „Acta Neuropathologica“ und wurde von ForscherInnen der Medizinischen Universität Wien, des SMZ-Ost Donauspitals und des Ludwig Boltzmann Institutes für Altersforschung erstellt. Der Erstautor der Studie, Gabor G. Kovacs vom Klinischen Institut für Neurologie, fasst die wichtigsten Erkenntnisse folgendermaßen zusammen: „Die VITA-Studie zeigt, dass zusätzlich zu den klassischen Alzheimer-assoziierten Veränderungen im alternden Gehirn weitere neurodegenerative Erkrankungen, die durch Proteinablagerungen im Gehirn charakterisiert sind, auftreten.“

VITA-Studie als Grundlage individuellerer Behandlungskonzepte für an Demenz Erkankte
Darüber hinaus stellten die WissenschafterInnen fest, dass Kombinationen dieser „Proteinopathien“ untereinander und mit Erkrankungen der Blutgefäße häufiger sind, als bisher angenommen. Laut Kovacs könnten einige dieser krankhaften Veränderungen zu einem rascheren Fortschreiten der Demenz führen. Jedoch gibt es anscheinend auch Variationen, die weniger „schädlich“ sind und dadurch weniger rasch fortschreiten.

Kovacs: „Es sind deshalb weitere Studien nötig, in denen PatientInnen begleitet werden, um zu erkennen, welche der Kombinationen für die Erkrankten bessere bzw. schlechtere Prognosen mit sich bringen.“ Zusätzlich charakterisierten die AutorInnen neuartige Erkrankungen, welche im alternden Gehirn mit Demenz assoziiert sind. Die in diesem Zusammenhang identifizierten Faktoren sieht Kovacs als Grundlage, um an Demenz erkrankte PatientInnen in Zukunft individueller und damit besser behandeln zu können.

Europaweite Langfrist-Studie unter der Leitung der MedUni Wien
Untersucht wurde im Rahmen der langfristigen, bereits seit dem Jahr 2000 laufenden VITA-Studie eine Gruppe von EinwohnerInnen der Wiener Bezirke 21 und 22, die zwischen Mai 1925 und Juni 1926 geboren wurden. Regelmäßige klinische Untersuchungen wurden am Wiener SMZ-Ost Donauspital durchgeführt. Insgesamt 233 Menschen, die im Donauspital verstarben, wurden zudem allgemeinen pathologischen und im Speziellen neuropathologischen Untersuchungen unterzogen.

Die VITA-Studie ist ein wichtiger Teil des laufenden EU-Projektes DEVELAGE. Unter der Leitung des Instituts für Neurologie der Med Uni Wien arbeiten acht Partnerzentren aus sechs europäischen Ländern (Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Spanien) bei DEVELAGE (www.develage.eu) zusammen. Initiiert wurde die VITA-Studie von einer Forschungsgruppe der MedUni Wien und des Donauspitals um Peter Fischer, Vorstand der Psychiatrischen Abteilung des SMZ-Ost Donauspitals Wien.

Weltkongress der Neurologie vom 21. bis 26. September 2013 in Wien


Ende September (21. bis 26. September 2013) versammelt sich die internationale Forschungs-Elite zum 21. Weltkongress der Neurologie in Wien. Der weltweit größte Fachkongress zum Thema Neurologie steht heuer unter dem Motto „Neurologie im Zeitalter der Globalisierung“ und wird gemeinsam von WFN (World Federation of Neurology) und ÖGN (Österreichische Gesellschaft für Neurologie) unter Mitwirkung der EFNS (European Federation of Neurological Societies) veranstaltet. Präsident des Kongresses ist Eduard Auff, Leiter der Universitätsklinik für Neurologie an der MedUni Wien. Weitere Informationen zum Weltkongress der Neurologie: http://www.wcn-neurology.org

Neurowissenschaften – einer der fünf Forschungscluster der MedUni Wien

 

Service: Publikation in Acta Neuropathology


Kovacs GG, Milenkovic I, Wöhrer A, Höftberger R, Gelpi E, Haberler C, Hönigschnabl S, Reiner-Concin A, Heinzl H, Jungwirth S, Krampla W, Fischer P, Budka H. Non-Alzheimer neurodegenerative pathologies and their combinations are more frequent than commonly believed in the elderly brain: a community-based autopsy series. Acta Neuropathol. 2013 Sep;126(3):365-84.

Der Forschungscluster „Neurowissenschaften“ ist einer von fünf Forschungsclustern der MedUni Wien, in welchen sowohl in der Grundlagen- wie in der klinischen Forschung vermehrt Schwerpunkte gesetzt werden. Die weiteren vier Forschungscluster sind Krebsforschung/Onkologie, vaskuläre/ kardiale Medizin, Allergologie/Immunologie/Infektiologie und Bildgebung (Imaging).