Skip to main content

news

Neue Behandlungsoption für nichtfunktionale neuroendokrine Tumoren

(Wien, 28-10-2015) Die Ergebnisse der internationalen, multizentrischen Phase 3-Studie „RADIANT-4“, belegen eindeutig die Wirksamkeit der Substanz Everolimus bei der Therapie von nichtfunktionalen neuroendokrinen Tumoren, die von der Lunge und vom Verdauungstrakt ausgehen. Das progressionsfreie Überleben der PatientInnen konnte um sieben  Monate verlängert werden. Außerdem sank das Risiko des Fortschreitens der Krankheit um 52 Prozent. Everolimus wurde gut vertragen und die Nebenwirkungen waren deckungsgleich mit dem bekannten Profil. Das Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien war durch Markus Raderer, Universitätsklinik für Innere Medizin I, an der Studie, die im Dezember 2015 auch im Top-Magazin "The Lancet" publiziert wird, beteiligt.

Everolimus ist ein Wirkstoff, der im Zellinneren den Rezeptor von mTOR blockiert. mTOR ist ein Enzym, das das Überleben, das Wachstum, die Zellteilung und die Beweglichkeit von Zellen steuert. mTOR ist Teil der Signalweiterleitung im Körper und Anfang einer Kaskade von Signalwegen. Eine Überaktivität dieser Signalwege trägt signifikant zum Entstehen und zum Fortschreiten bestimmter Krebserkrankungen, wie zum Beispiel fortgeschrittene, nichtfunktionelle neuroendokrine Tumoren, bei. Wird mTOR gehemmt, wird auch die Tumorentwicklung gebremst.

Everolimus ist bereits für die Therapie von fortgeschrittenen neuroendokrinen Tumoren (NET) der Bauchspeicheldrüse  zugelassen. Für fortgeschrittene, nichtfunktionelle neuroendokrine Tumoren, die von der Lunge und dem Gastrointestinaltrakt ausgehen, gab es bis dato keine geeigneten Daten für den Einsatz von Everolimus. Die RADIANT-4 Studie untersuchte daher die Wirksamkeit und Sicherheit von Everolimus für diese Indikation. Die Ergebnisse wurden in Wien anlässlich des ECC2015 präsentiert.

Sinnvolle Behandlungsoption

Markus Raderer, Onkologe an der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien und des AKH Wien, stellvertretender Leiter der CCC-Unit für Neuroendokrine Tumoren (CCC-NET) und Co-Autor der Studie: „Bislang waren die Behandlungsoptionen, vor allem bei NETs der Lunge, sehr eingeschränkt. Auch bei NETs des Dünndarms sind die therapeutischen Optionen bei Versagen von Somatostatin-Analoga limitiert. Die Ergebnisse unserer Zulassungsstudie zeigen, dass sich die Zeit des progressionsfreien Überlebens im Vergleich zu Placebo um 7,1 Monate verlängert und sich das Risiko, dass die Krankheit fortschreitet, um 52 Prozent verringert. Da die Sicherheit des Medikaments gleichzeitig gewährleistet ist, hat Everolimus das Potenzial, im klinischen Alltag sinnbringend eingesetzt zu werden. Vor allem bei NETs der Lunge ist dies meines Erachtens ein großer therapeutischer Fortschritt, da es hier bisher keine wirklich gut etablierten Behandlungsoptionen gibt.“

Über die Studie
RADIANT-4 war die erste große, internationale, Placebo-kontrollierte Phase 3-Studie mit PatientInnen mit fortgeschrittenen, nichtfunktionellen neuroendokrinen Tumoren, die den Einsatz von Everolismus in diesem Patientenkollektiv geprüft hat. In die Studie waren 302 PatienInnen eingebunden. Das mittlere Alter betrug 63 Jahre, 53 Prozent der StudienteilnehmerInnen waren Frauen.

Service:

“Everolimus in Advanced Nonfunctional Neuroendocrine Tumors (NET) of Lung or Gastrointestinal (GI) Origin: Efficacy and Safety Results from the Placebo-Controlled, Double-blind, Multicenter, Phase 3 RADIANT-4 Study”
J. Yao, N. Fazio, S. Singh, R. Buzzoni, C. Carnaghi, E. Wolin, J. Tomasek, M. Raderer, H. Lahner, M. Voi, L. Pacaud, N. Rouyrre, C. Sachs, J. Valle, G. Delle Fave, E. Van Cutsem, M.E.T. Tesselaar, Y. Shimada, D.Y. Oh, J. Strosberg, M. Kulke, M. Pavel for the RAD001 in Advanced Neuroendocrine Tumors, Fourth Trial (RADIANT-4) Study Group