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Neue Therapie-Ansätze bei primär sklerosierender Cholangitis

(Wien, 14-04-2015) Die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ist eine derzeit noch unheilbare Lebererkrankung, an der meist jüngere Menschen und insbesondere jüngere Männer zwischen 30 und 40 Jahren erkranken. Sie gilt als eine seltene Erkrankung, die zumeist durch einen Zufallsbefund oder im Verlauf einer Gelbsucht entdeckt wird und ist durch eine Störung der Galleproduktion gekennzeichnet. Im Verlauf kann sich diese Erkrankung bis hin zur Leberzirrhose und zum Gallengangskrebs entwickeln. Ihre Ursache ist bisher nicht bekannt.

ForscherInnen der klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien haben in den vergangenen Jahren in experimentellen Ansätzen neue Einblicke in die Entstehung der Erkrankung und ihre Ursachen gewonnen. So konnte gezeigt werden, dass Störungen im Gleichgewicht der Gallezusammensetzung zu einer Cholangitis führen können und diese Prozesse auch medikamentös beeinflusst werden können.

Im Fokus der aktuellen Forschungen steht die Entwicklung neuer therapeutischer Möglichkeiten, um diese „unausgeglichene“ Gallezusammensetzung, die zu einer vermehrten Toxizität bzw. Aggressivität der Galle führt und die rätselhaften Entzündungen verursacht, zu verändern und somit den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen, erklärt die MedUni Wien-Expertin Emina Halilbasic aus dem Forschungsteam um Michael Trauner an der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien. In Versuchen konnte deutlich gezeigt werden, dass eine Verbesserung der Bikarbonatsekretion in die Gallenflüssigkeit die Entzündungen verringern bzw. verhindern kann. Halilbasic: „Bikarbonat-Anionen wirken wie ein Schutzschirm für Gallengangszellen, eine Verbesserung dieses Schutzschirms durch Medikamente (Anm.: zum Beispiel modifizierte Gallensäuren, Aktivatoren der Gallensäurekernrezeptors FXR) ist ein neuer, vielversprechender Therapie-Ansatz für diese nach wie vor unheilbare Lebererkrankung.“

Weiterhin wird die Ursache für PSC in einer Störung der Darm-Leber-Achse vermutet. „Menschen, die daran erkranken, haben oft eine Darmentzündung“, erklärt Trauner, Leiter der klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien. Eine Rolle dürften auch Störungen des Mikrobioms, also der den Menschen besiedelnden Mikroorganismen, vor allem im Darm, spielen.

Die MedUni Wien gehört bei der Erforschung der Cholangitis weltweit zu den führenden Zentren und forscht intensiv an neuen medikamentösen Therapiestrategien für diese Erkrankung, wie z.B. der nor-Ursodeoxycholsäure (norUrso), die nach vielversprechenden Ergebnissen in der Grundlagenforschung bereits in einer multizentrischen europäischen Studie unter der Leitung von Trauner klinisch getestet wird. In präklinischen Modellen konnte gezeigt werden, dass norUrso direkt am Gallengang wirkt und die Gallenwege durch eine Erhöhung des Bikarbonat-reichen Gallenflusses von Giftstoffen freispült.

Symposium: Cholestase-Forschung – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Entsprechend der Tatsache, dass die Cholestase (Stau der Gallenflüssigkeit innerhalb der Gallengänge oder der Leber) und die mit ihr assoziierten Erkrankungen und deren Ursachen weitgehend unerforscht sind, veranstaltet die MedUni Wien am Dienstag, 21. April 2015 (van Swieten Saal der MedUni Wien, van Swieten Gasse 1a, 1090 Wien, 10.00-19.00 Uhr), ein erstes, internationales Fach-Symposium  zum Thema „Cholestase – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ (http://www.profbriefings.co.uk/ppfcholestasis2015/). Das Symposium wird die internationale ExpertInnen und NachwuchsforscherInnen zusammenbringen, um den Fortschritt der innovativen Ansätzen für die Heilung der Gallenwegserkrankungen voranzutreiben.

Die Forschungscluster der MedUni Wien
Die Erforschung von chronisch entzündlichen Gallenwegserkrankungen, und somit auch der sklerosierenden Cholangitis, ist ein Teil des Forschungsclusters Allergologie/Immunologie/ Infektiologie der MedUni Wien. In diesem und den anderen vier Fachgebieten werden in der Grundlagen- wie in der klinischen Forschung vermehrt Schwerpunkte an der MedUni Wien gesetzt. Die Erforschung von Transportprozessen für die Galleproduktion und deren Störung im Rahmen von Lebererkrankungen im Hans Popper Labor für Molekulare Hepatologie an der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie (Leitung Michael Trauner) steht auch im Fokus eines FWF Spezialforschungsbreiches (SFB 35, Transmembrane Transporters in Health and Disease) welcher an der MedUni Wien beheimatet ist. Die weiteren vier Forschungscluster sind Krebsforschung/Onkologie, vaskuläre/ kardiale Medizin, Neurowissenschaften und Bildgebung (Imaging).