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Neue Therapiechance für Migräne bei Kindern

(Wien, 20-06-2012) Die Volkskrankheit Migräne zählt zu den häufigsten und gleichzeitig schmerzhaftesten neurologischen Erkrankungen. Eine Forschungsgruppe der MedUni Wien konnte nun bei Kindern und Jugendlichen einen Zusammenhang zwischen dem Restless-Legs-Syndrom und Migräne nachweisen. Diese Erkenntnis eröffnet zahlreichen jungen Migräne-PatientInnen neue Therapiechancen.

Migräne zählt zu den häufigsten Erkrankungen, auch bei Kindern und Jugendlichen. Etwa jeder zwanzigste dieser jungen Menschen ist davon betroffen. Jedes fünfte dieser “Migränekinder” leidet zudem unter dem sogenannten Restless-Legs-Syndrom (RLS). Dieses zeichnet sich durch ein unangenehmes Gefühl in den Beinen aus, das vor allem in der zweiten Tageshälfte auftritt und sich bei Bewegung bessert.

Ein Forschungsteam rund um Stefan Seidel von der Universitätsklinik für Neurologie, Çiçek Wöber-Bingöl von der Kopfschmerzambulanz der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Andreas Böck von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde stellte nun in einer aktuellen Studie einen deutlichen Zusammenhang zwischen Migräne und RLS fest.

Die Ursache sehen die ForscherInnen in den durch RLS verursachten, teils massiven Schlafstörungen. Dazu Seidel: “Es ist bekannt, dass Migräne selbst zu Schlafstörungen führt. Bekannt ist aber auch, dass spezielle Schlafstörungen – wie zum Beispiel das RLS – die Einschlaflatenz verlängern, den Nachtschlaf deutlich fragmentieren, vor allem wenn im Schlaf sogenannte periodische Beinbewegungen auftreten, und damit die Migränesymptomatik verstärken.”

Einfache Verhaltensregeln versprechen Kindern und Jugendlichen Linderung
Für Erwachsene gibt es zugelassene und wirksame Medikamente gegen RLS, etwa L-DOPA bzw. verschiedene Dopaminagonisten in Tabletten- oder Pflasterform. Bei Kindern und Jugendlichen empfehlen die StudienautorInnen hingegen einfache Verhaltensregeln. “Essentiell ist vor allem eine ausreichende Schlafhygiene. Das bedeutet, natürlich abhängig vom Alter der jungen PatientInnen, den Verzicht auf Zigaretten, Alkohol oder schweres Essen vor dem Schlafengehen. Auch TV, Handy und PC sollten in der Zeit vor dem Schlafengehen tabu sein. Außerdem ist ein ausreichend langer Nachtschlaf wichtig”, so Seidel. Zusätzlich raten die WissenschafterInnen zu einem Bluttest, um einen Eisenmangel, eine Schilddrüsendysfunktion bzw. einen Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure auszuschließen und gegebenenfalls auszugleichen.

Weltweit erste Studie zu RLS und Migräne bei Kindern und Jugendlichen
Im Rahmen der RLS-/Migräne-Studie wurden Kinder und Jugendliche mit der Diagnose Migräne sowie Kinder und Jugendliche ohne Kopfschmerzen untersucht. Beiden Gruppen sowie einer Online-Gruppe wurden Fragebögen zur allgemeinen Charakterisierung (Alter, Gewicht, Größe, etc.), zum RLS und zur Tagesschläfrigkeit vorgelegt. Als konkretes Ergebnis zeigte sich, dass Kinder und Jugendliche mit Migräne signifikant öfter an RLS leiden. Bei Erwachsenen konnte dies bereits zuvor gezeigt werden, die Arbeit des Wiener Forschungsteams ist jedoch die erste dieser Art für eine pädiatrische Population.

Volkskrankheit Migräne

Die Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die bei Erwachsenen zudem zu hohen indirekten Kosten (etwa durch Krankenstände) führt. Rund vier bis fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden an Migräne. Bis zum Erwachsenenalter steigt dieser Wert auf zehn bis 15 Prozent an, wobei ab Beginn der Pubertät rund doppelt so viele Frauen wie Männer unter Migräne leiden.