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Neuer Wirkstoff zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zeigt gute Erfolge

(Wien, 31-03-2016) Eine internationale Forschungskooperation der MedUni Wien und der Stanford University hat in einer klinischen Phase-3-Studie mit dem Wirkstoff Baricitinib zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis große Erfolge erzielt. Die ProbandInnen zeigten deutlich weniger Symptome der Erkrankung. Die Ergebnisse wurden nun im wissenschaftlichen Spitzenmagazin „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Die weltweit erste klinische Phase-3-Studie mit dem Wirkstoff Baricitinib brachte signifikante Erfolge in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Bei Baricitinib handelt es sich um einen oral verabreichten Inhibitor (Hemmer) der Januskinase 1 und 2. Diese Kinase ist ein intrazelluläres Enzym, das aktiviert wird, wenn extrazelluläre Botenstoffe, z.B. Interferone oder Interleukin-6, an Zellen andocken und löst die eigentlichen zellulären Entzündungsreaktionen aus.

Die über 24 Wochen laufende Studie der Firma Eli Lilly, an der die MedUni Wien und die Stanford University (USA) federführend teilnahmen, umfasste insgesamt 527 Personen. Bei den ProbandInnen handelte es sich um PatientInnen, die bereits viele gängige Behandlungstherapien, einschließlich Biologika, erfolglos durchlaufen hatten. Die TeilnehmerInnen wurden in drei Gruppen aufgeteilt, eine mit täglichen Dosierungen von 2mg, eine mit 4mg, eine Kontrollgruppe erhielt Placebo.

Als Ergebnis zeigte sich, dass die ProbandInnen, die den Wirkstoff erhielten, signifikante Verbesserungen ihrer Beschwerden zeigten. Sie hatten weniger Schmerzen, die Schwellungen der Gelenke gingen zurück. Die Gruppe mit der 4mg-Dosierung hatte sogar noch bessere Ergebnisse als jene mit der 2mg-Dosis in Bezug zur Placebo-Gruppe. Die Nebenwirkungen waren ähnlich gelagert wie bei üblichen Behandlungen.

„Mit Baricitinib haben wir einen neuen Wirkstoff an der Hand, der selbst dann wirkt, wenn derzeit im Einsatz befindlichen Medikamente nicht ausreichen“, erklärt Studienautor Josef Smolen, Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien im AKH Wien.  „Trotz der langen Krankheitsdauer und Erfolglosigkeit einer Reihe anderer, auch neuerer Therapien, konnte bei fast 10 Prozent der PatientInnen nach sechs Monaten eine volle Remission, also ein heilungsähnlicher Zustand, erzielt werden, und bei fast der Hälfte ganz deutliche Verbesserungen der Krankheitssituation. Damit könnte in naher Zukunft ein neuer Wirkstoff, eine neue Basis für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis verfügbar sein.“
Und es gibt noch einen anderen Vorteil für die Betroffenen, erklärt Smolen: „Das Medikament wird einmal täglich oral eingenommen und muss nicht wie andere Mittel mit einer Nadel intravenös oder unter die Haut verabreicht werden. Das ist für die Betroffenen wohl deutlich annehmlicher.“
Die Studie entstand in einer Kooperation der Firma Eli Lilly mit der MedUni Wien und der Top-Universität Stanford (USA) sowie anderen Kooperationspartnern.

Rheumatoide Arthritis
Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die überwiegend Frauen (etwa zwei Drittel der Betroffenen) betrifft und am häufigsten im Alter zwischen 40 und 70 Jahren diagnostiziert wird. Dabei kommt es zu Entzündungen in den Gelenken. Schwellungen, Überwärmungen und eine Funktionseinschränkung sind die Folge. Unbehandelt führt das zu einer zunehmenden Zerstörung der Gelenke und des gelenknahen Knochens mit der Folge von Fehlstellungen, Verformungen und zunehmender permanenter Behinderung.

 

Service: New England Journal of Medicine
Baricitinib in Patients with Refractory Rheumatoid Arthritis
Mark C. Genovese, M.D., Joel Kremer, M.D., Omid Zamani, M.D., Charles Ludivico, M.D., Marek Krogulec, M.D., Li Xie, M.S., Scott D. Beattie, Ph.D., Alisa E. Koch, M.D., Tracy E. Cardillo, M.S., Terence P. Rooney, M.D., William L. Macias, M.D., Ph.D., Stephanie de Bono, M.D., Ph.D., Douglas E. Schlichting, M.S., and Josef S. Smolen, M.D.
N Engl J Med 2016;374:1243-52.
DOI: 10.1056/NEJMoa1507247


Fünf Forschungscluster an der MedUni Wien
Insgesamt sind fünf Forschungscluster der MedUni Wien etabliert. Dort werden in der Grundlagen- wie in der klinischen Forschung vermehrt Schwerpunkte an der MedUni Wien gesetzt. Die Forschungscluster umfassen medizinische Bildgebung, Krebsforschung/Onkologie, kardiovaskuläre Medizin, medizinische Neurowissenschaften und Immunologie. Das vorliegende Paper fällt in den Themenbereich des Clusters für Immunologie.