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Neues Intensivmedizingerät mit guten Ergebnissen

(Wien, 27-08-2015) Eine Forschungsgruppe von IntensivmedizinerInnen der Universitätsklinik für Innere Medizin I hat ein neu entwickeltes Gerät für die Intensivstation auf seine Tauglichkeit untersucht. Es dient dazu, bei PatientInnen mit Lungeninsuffizienz Kohlendioxid aus dem Blut zu entfernen. Das neue Gerät ist kleiner und leichter zu bedienen als bisherige Apparate. Und wie die Forschungsgruppe unter Thomas Staudinger herausfand, hat es beträchtliche Vorteile, die den PatientInnen zu Gute kommen.


Bei der so genannten Extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) übernimmt eine Maschine teilweise oder vollständig die Atemfunktion von PatientInnen. Sie wird eingesetzt, wenn Lungen schwerst geschädigt sind und den Gasaustausch nicht mehr im notwendigen Maß ermöglichen. Das ECMO-Gerät pumpt Blut kontinuierlich durch einen Membran-Oxygenator, der den Gasaustausch in der Lunge ersetzt: Er entfernt Kohlendioxid aus dem Blut und reichert es mit Sauerstoff an. Das so aufbereitete Blut wird dann in den Körper zurückgeführt.


Technisch ähnelt ein ECMO-Gerät einer Herz-Lungen-Maschine. Um eine ECMO durchzuführen, werden Kanülen in zwei große Blutgefäße eingebracht. Die ECMO wird wegen der hohen technischen und personellen Anforderungen, Kosten und Komplikationsrisiken (z.B. Blutungen) als eine letzte Therapiemöglichkeit (Ultima ratio) betrachtet.


Mehrere Vorteile

Das neue Gerät („iLA Activve“ der Firma Novalung) hat durch das kleinere Blutvolumen in der Maschine und die speziell entwickelte Pumpe mehrere Vorteile. Wie die Studie herausfand, eignet es sich hervorragend für die Behandlung von PatientInnen, in deren Blut sich durch die Lungenschädigung das Kohlendioxid im Blut ansammelt. Die künstliche Beatmung kann so gedrosselt und der Lunge Zeit zur Heilung gegeben werden. Da es mit einer vergleichsweise kleinen Doppelkanüle arbeitet, ist nur ein Zugang in den Blutkreislauf der PatientInnen nötig.  


„Wir waren überrascht, wie problemlos unsere Patienten und Patientinnen damit versorgt werden konnten“, sagt Erstautor Alexander Hermann, „Die Hälfte unserer Testgruppe konnte bei Bewusstsein gehalten werden und teilweise sogar aufstehen“. Das Gerät eignet sich nach den Untersuchungen der ForscherInnen für den Einsatz auf einer Intensivstation. „Trotz des geringen Blutvolumens in der Maschine funktionierte die Kohlendioxid-Elimination wie erwartet. Das Gerät scheint dabei risikoärmer und schonender zu arbeiten als bisherige Apparate. Hinzu kommt ein Oxygenierungseffekt, den wir so nicht erwartet hatten. Man könnte also von einer ‚miniaturisierten‘ ECMO sprechen“, so Alexander Hermann. Die Studie wurde im renommierten Journal „Intensive Care Medicine“ veröffentlicht.


Intensivmedizin und Forschung

Neben der klinischen Tätigkeit wird auf der Intensivstation 13i2 im AKH Wien (Leitung: Thomas Staudinger) besonderer Wert auf Forschung und Lehre gelegt. Spezielle Schwerpunkte der Intensivstation sowohl in der PatientInnenversorgung als auch in der Forschung stellen hämato-onkologische Erkrankungen sowie das schwere Lungenversagen dar, wobei hier vor allem praxisrelevante Forschung betrieben wird, beziehungsweise die klinische Umsetzung theoretischer Konzepte erfolgt. Der Stellenwert der universitären Forschung ist hoch, aber die Patienten und Patientinnen stehen mit ihren individuellen physischen und psychischen Bedürfnissen im Mittelpunkt. „Wir haben dieses Gerät darauf untersucht, ob es den Nutzen für die Patienten und Patientinnen steigert. Wichtig ist auch, ob so ein Gerät ohne zusätzliche Kosten oder personellen Aufwand in eine intensivmedizinische Abteilung integriert werden kann“, erklärt Studienleiter Thomas Staudinger von der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien/AKH Wien.


Service: Intensive Care Medicine 2015

A Novel Pump-driven Veno-venous Gas Exchange System during Extracorporeal CO2-Removal. - Alexander Hermann, Katharina Riss, Peter Schellongowski, Andja Bojic, Philipp Wohlfarth, Oliver Robak, Wolfgang R. Sperr, and Thomas Staudinger.


ASAIO Journal 2014

First Experience with a New Miniaturized Pump-Driven Venovenous Extracorporeal CO2 Removal System (iLA Activve): A Retrospective Data Analysis –,Alexander Hermann, Thomas Staudinger, Andja Bojic, Katharina Riss, Philipp Wohlfarth, Oliver Robak , Wolfgang R. Sperr, and Peter Schellongowski.

» Website Intensivstation 13.i2, Universitätsklinik für Innere Medizin I