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Nierenzellkrebs: Therapieumstellung kann Behandlungserfolg signifikant verbessern

(Wien, 08-03-2016) Ein Forscherteam des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien konnte zeigen, dass eine Therapieumstellung im Bereich des metastasierten Nierenzellkarzinoms die durchschnittliche Überlebenszeit signifikant verlängern und die Verträglichkeit der Therapie deutlich verbessern kann. Untersucht wurde, inwieweit der Einnahmerhythmus von Sunitinib, einem Wirkstoff, der in der zielgerichteten Therapie zum Einsatz kommt, die Behandlungsergebnisse beeinflusst. Das Ergebnis: Bei 71 Prozent der PatientInnen führte die Therapieumstellung zu einer Verlängerung des Überlebens von durchschnittlich 33 Monaten auf rund 75 Monate.

Sunitinib, ein sogenanntes „Small Molecule“, bremst das Wachstum der Tumorzellen, indem es bestimmte Signalwege der Zelle unterbricht, und wird bereits seit einigen Jahren bei der Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms eingesetzt. Manuela Schmidinger, Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien und des AKH Wien sowie Mitglied des CCC über die Arbeit: „Wir arbeiten permanent an der Verbesserung der Therapien, die uns zur Verfügung stehen. Das heißt, dass wir nicht nur neue Substanzen erforschen, sondern auch versuchen, vorhandene effizient zu kombinieren oder die Dosierungs- oder Einnahmeschemata zu optimieren. Bei der vorliegenden Therapie wollten wir prüfen, ob unsere PatientInnen von einem anderen Einnahmerhythmus profitieren.“

Zyklus verkürzt
Im Normalfall wird der Wirkstoff über einen Zeitraum von vier Wochen einmal täglich in Form einer Kapsel eingenommen. Danach folgt eine zweiwöchige Pause. Die/der behandelnde Ärztin/Arzt entscheidet über die Anzahl der notwendigen Zyklen. Im Rahmen der Therapieumstellung wurde das Präparat lediglich zwei Wochen lang verabreicht, gefolgt von nur einer einwöchigen Pause.

Die Ergebnisse sind klar: die Veränderung des Einnahmerhythmus hat bei 71 Prozent der PatientInnen zu einer Verlängerung der Überlebenszeit von durchschnittlich 33 Monaten auf rund 75 Monate geführt. Das im Vergleich zu historischen Daten bessere Abschneiden kann damit erklärt werden, dass die zweiwöchige Therapiepause zu lange ist und dem Tumor damit ein neuerliches Wachstum ermöglicht wird. Ein weiterer Grund für die verbesserten Überlebensdaten könnte sein, dass durch diesen Einnahmerhythmus die Therapie besser verträglich ist und damit weniger Dosisreduktionen notwendig sind. In diesem Sinne stellten Schmidinger und ihre MitarbeiterInnen eine Verminderung der Nebenwirkungen der Therapie fest. So konnten zum Beispiel übliche Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Entzündungen und Schmerzen im Bereich der Mundschleimhaut, Übelkeit oder das Hand-Fuß-Syndrom deutlich reduziert werden. Die Daten wurden am ASCO 2015, dem größten Krebskongress der Welt, präsentiert. Im Herbst 2015 erfolgte ein Update der Daten, das die Ergebnisse bestätigt.

Über Nierenkrebs

In Österreich werden pro Jahr etwa 1.230 Menschen mit der Diagnose Nierenkrebs konfrontiert. Die meisten von ihnen leiden an einem Nierenzellkarzinom, der häufigsten Art von bösartigen Tumoren der Niere. Die Heilungschancen hängen sehr stark vom Stadium ab, in dem der Tumor diagnostiziert wird. Hat der Tumor bereits Metastasen gebildet, ist die Prognose schlecht – das durchschnittliche Überleben beträgt in etwa 33 Monate.

Immuntherapie beim Nierenzellkrebs ab Mai zugelassen
Auch im Bereich der Immuntherapie bieten MedUni Wien und AKH Wien eine erfreuliche Neuigkeit: im Rahmen eines „Named Patient Programs“ kommt die Substanz Nivolumab bei der Behandlung des Nierenzellkarzinoms bereits jetzt zum Einsatz. Schmidinger: „Das ist sehr positiv, denn die Europäische Arzneimittel-Agentur EMEA wird das Medikament für diesen Einsatzbereich voraussichtlich erst im Frühjahr zulassen. Der Grund, warum wir Nivolumab in einem „Named Patient Program“ einsetzen können, ist, dass sich in einer Phase-III-Studie ein deutlicher Überlebensvorteil der PatientInnen gezeigt hat.“
Nivolumab ist bereits für die Behandlung des malignen Melanoms und von Lungenkrebs zugelassen. Ein „Named Patient Program“ ist ein Programm, in dem Therapien, die nur für andere Indikationen oder in anderen Ländern zugelassen sind, eingesetzt werden. Es kommt PatientInnen zugute, die alle Therapieoptionen ausgeschöpft haben oder keinen Studienkriterien entsprechen, wenn ein signifikanter Therapieerfolg zu erwarten ist.