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Optimale Beatmungsstrategie bei Vollnarkose bei Bauch-Operationen nachgewiesen

(Wien, 24-07-2014) Eine Multicenter-Studie an 30 Zentren in Europa, Nord- und Südamerika mit insgesamt 900 ProbandInnen hat nun jene unterschiedlichen Beatmungsstrategien, die derzeit während der Narkose bei operativen Eingriffen im Bauchraum angewendet werden, erstmals auf ihre zielführende Wirksamkeit untersucht. An der MedUni Wien war daran die klinische Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin (HTG) beteiligt.

In Österreich waren an der Durchführung der Studie Werner Schmid und Christian Weiss von der klinischen Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin (HTG) der MedUni Wien unter der Leitung von  Prof. Hiesmayr beteiligt. Als Mitglieder des Steuerungskomitees waren Jörg Hiesmayr und Edda Tschernko von der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie der MedUni Wien maßgeblich an der Planung dieser größten jemals durchgeführten randomisierten, kontrollierten Studie bei  Patienten mit mechanischer Ventilation während Vollnarkosen, beteiligt.

„Damit konnten wir erstmals zeigen, dass eine Beatmungsform mit hohen Druckverhältnissen zu keiner Verbesserung des postoperativen Krankheitsverlaufes führt“, fasst Werner Schmid von der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie das Ergebnis zusammen. Die Studie wurde nun im Top-Magazin „The Lancet“ (Impact-Faktor 36,4) veröffentlicht.

Bei Eingriffen am Bauchraum wird im Rahmen der Vollnarkose die mechanische Beatmung der Lunge unter anderem durch den positiven endexspiratorischen Druck (PEEP) geregelt. Durch den PEEP werden die Lunge und die Lungenbläschen am Ende eines Atemzyklus offen gehalten. Der Einfluss unterschiedlicher PEEP-Niveaus auf den postoperativen Krankheitsverlauf war bis heute unklar. Bisher ging man davon aus, dass ein hoher PEEP ein Kollabieren der Lungenbläschen verhindert und damit das Auftreten von post-operativen Komplikationen der Lunge reduziert werden würde.

In der aktuellen Studie wurde nun untersucht, welchen Einfluss ein hohes PEEP-Niveau von 12 cm H2O im Vergleich zu einem niedrigem PEEP von weniger als 2 cm H2O auf die Häufigkeit von postoperativen Komplikationen und damit den Krankheitsverlauf nach Operationen im Bauchraum hat.

Das Resultat: „Eine Erhöhung des Drucks ist nicht zielführend“, so Schmid. „Die PatientInnen hatten während des Eingriffs bei höherem Beatmungsdruck häufiger Blutdruckabfälle und brauchten daher zusätzlich blutdrucksteigernde Medikamente. Außerdem konnte das Risiko für das Auftreten von postoperativen Komplikationen in der Lunge bei höherem Druck nicht reduziert werden, wie wir eigentlich erhofft hatten.“ Auch zusätzliche Maßnahmen, um die Lungenbläschen während der Operation wieder zu öffnen, brachten nicht die erhoffte Verbesserung.

Eine Senkung des Beatmungsdrucks auf 2 cm H2O ist dagegen schonender für die PatientInnen – das Risiko für Komplikationen ist gleich hoch wie bei hohem PEEP, bei allerdings geringerer Beeinflussung des Herz-/Kreislaufssystems. Schmid: „Eine optimale, die Lunge schützende Ventilation sollte somit ein kleines Atemzugsvolumen bei niedrigem PEEP beinhalten, ohne zusätzlicher Maßnahmen zur Öffnung der Lungenbläschen.“

Hiesmayr: „Die PROVHILO-Studie hat die Größe und das Potenzial zukünftige Richtlinien zur mechanischen Beatmung während chirurgischer Eingriffe maßgeblich zu beeinflussen und ist ein Beispiel wie Zusammenarbeit im großen und kleinen funktionieren kann; ohne die Unterstützung des gesamten Teams der HTG wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen“.

Service: The Lancet
„High versus low positive end-expiratory pressure during general anaesthesia for open abdominal surgery (PROVHILO trial): a multicentre randomised controlled trial.“ doi:10.1016/S0140-6736(14)60416-5.

» Link zur Studie