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Osteoporose-Medikament mit Anti-Krebs-Effekt

(Wien, 07-12-2011) Studien-"Endabrechnung": Bei der Jahrestagung der amerikanischen Brustkrebsforscher in San Antonio im US-Bundesstaat Texas wurden am Mittwoch die endgültigen Auswertungen der ABCSG-Studie-12 aus Österreich präsentiert.

Das Hauptergebnis, das allerdings auch schon im Frühjahr dieses Jahres beim Jahreskongress der Amerikanischen Onkologengesellschaft (ASCO) für Aufsehen sorgte: Die zusätzliche Verabreichung des Osteoporose-Medikaments Zoledronsäure zu einer antihormonellen Therapie verringert die Rückfallsrate statistisch signifikant - und gleicht ein behandlungsbedingtes Knochenabbau-Risiko aus.

Die Daten wurden vom Präsidenten der Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group (ABCSG), Michael Gnant, präsentiert. Gnant hat eine Professur an der MedUni Wien (Universitätsklinik für Chirurgie/AKH), ist seit Jahren in vielen Studien der ABCSG federführend bzw. beteiligt und einer der Proponenten des integrierten Krebszentrums von MedUni Wien und AKH (CCC).

In der ABCSG-12-Untersuchung erhielten 1.803 Frauen mit hormonabhängigem (östrogenabhängigem) Brustkrebs vor der Menopause nach der Tumorresektion über drei Jahre lang hinweg eine Antihormontherapie mit Goserelin, die entweder mit dem Standardmedikament Tamoxifen oder dem Aromatasehemmer Anastrozol kombiniert wurde. Zusätzlich wurde den Patientinnen alle sechs Monate das Bisphosphonat Zoledronsäure verabreicht. Durch die Herbeiführung eines künstlichen "Wechsels" kommt es bei den Betroffenen zu einem Abbau an Knochenmasse, was ein therapiebedingtes Osteoporoserisiko bedeuten kann. An sich wollte man mit der Zoledronsäure diese Gefährdung ausgleichen.

Im Laufe der sechsjährigen Nachbeobachtungsphase stellte sich allerdings heraus, dass Zoledronsäure die Wahrscheinlichkeit für das Wiederauftreten der Krebserkrankung um 28 Prozent reduziert. Gleichzeitig verbesserte sich das Gesamtüberleben der Betroffenen um rund 36 Prozent. Wahrscheinlich ist das ein Effekt der Substanz auf die Mikroumgebung (Mikroenvironment) von Tumoren. Substanzen aus der Gruppe der Bisphosphonate - so zum Beispiel die Zoledronsäure - gelten auch zunehmend als Mittel, um Knochenmetastasen bei Krebs zu verhindern bzw. zu bremsen.

In der Fachwelt wurden bereits die Zwischenergebnisse der Studie, die im Jahr 2008 präsentiert worden waren, mit großer Aufmerksamkeit registriert. Denn bereits damals war absehbar, dass die Kombinationsbehandlung mit Antihormontherapie plus Zoledronsäure das Rückfallrisiko junger Frauen mit frühem Brustkrebs deutlich verringert und die Gesamtüberlebenschancen signifikant steigert. "Die Langzeitbeobachtung über 84 Monate bestätigte alle Ergebnisse zur Studie 12", erläuterte Michael Gnant.

"Von dieser Therapie, die drei Jahre lang dauert und lediglich sieben Infusionen zu je 15 Minuten umfasst, profitieren Patientinnen für sehr lange Zeit", sagte der Chirurg. Man glaubt, dass die Zoledronsäure bösartige "Schläferzellen" ausschaltet.