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Parodontitis – die unterschätzte Gefahr

(Wien 10-04-2013) Die Parodontitis gehört nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den häufigsten und unterschätztesten Volkskrankheiten weltweit. Die Erkrankung und deren mögliche Folgen werden, obwohl etwa jeder zweite Zahnverlust darauf zurückzuführen ist, nach wie vor zu wenig ernst genommen. Das betont auch Corinna Bruckmann, Parodontitis-Expertin an der Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik der MedUni Wien: „Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Parodontitis der subjektiven Wahrnehmung der Betroffenen entzieht, bei Älteren noch mehr als bei Jüngeren.“

In einer aktuellen Studie wurde bei 5.350 PatientInnen an der Bernhard-Gottlieb-Universitätszahnklinik eine routinemäßige, parodontale Grunduntersuchung (PGU) durchgeführt. Nur 17 Prozent waren wegen eines bereits akuten parodontalen Problems und mit dadurch verursachten Schmerzen an die Klinik gekommen. „Aber je nach Altersgruppe waren objektiv Probleme mit dem Zahnfleisch feststellbar“, so Bruckmann.

Symptome ernst nehmen
In der Altersgruppe zwischen 18 und 34 Jahren hatten 37 Prozent, in der Gruppe zwischen 35 und 44 Jahren 58 Prozent, in der Gruppe zwischen 45 und 64 Jahren bereits 78 Prozent und bei den Älteren sogar 79 Prozent deutliche Zahnfleischprobleme. Bruckmann: „Die Selbstwahrnehmung entsprach diesen Zahlen ganz und gar nicht. Bei den Jüngeren lag sie noch bei 41 Prozent, bei den Älteren sank sie auf 24 Prozent.“ Die anfänglichen, merkbaren Symptome wie etwa Zahnfleischrückgang, Schwellungen, Wanderung der Zähne oder Blutung beim Zähneputzen werden offensichtlich verdrängt.

Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates. Unbehandelt führt das zur Lockerung und zum Verlust des Zahnes. Durch die jahrelange chronische Entzündung kann auch die Allgemeingesundheit der Betroffenen nachhaltig geschädigt werden. Ein Risikofaktor für Parodontitis ist das Rauchen. Raucher erkranken daran häufiger als Nichtraucher. Laut WHO sind weltweit fünf bis 15 Prozent der Erwachsenen von schwerer Parodontitis betroffen.

Dabei ließe sich ein Großteil der parodontalen Erkrankungen durch Präventionsmaßnahmen und regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt verhindern oder zumindest abschwächen, so die Expertin. „Leider ist die parodontale Grunduntersuchung aber nicht Teil des österreichischen Kassenkatalogs, die Aufnahme in das Angebot der Krankenkassen wäre wünschenswert“, betont Bruckmann. „Die PGU wäre ein wichtiger Beitrag zur Qualitätssicherung, damit schwer wiegende parodontale Erkrankungen nicht übersehen und die PatientInnen frühzeitig einer Therapie zugeführt werden können. Bei uns an der Klinik ist diese Untersuchung Standard.“

Ziel der Therapie ist die lebenslange Erhaltung der eigenen Zähne durch Maßnahmen wie Entzündungsbekämpfung, Regeneration des Zahnfleischs oder Verringerung der Taschentiefe im Zahnfleisch. Die Therapie beruht vor allem auf Verhaltensänderungen der PatientInnen, so Bruckmann, wie mehr Mundhygiene, Aufhören mit dem Rauchen oder auch die richtige Einstellung bei Diabetes.

An der MedUni Wien Spezialist/In für Parodontitis werden
Die MedUni Wien bietet mit dem Universitätslehrgang „Paromaster“ einen anwendungs- und praxisorientierten postgraduellen Lehrgang an, bei der SpezialistInnen im Fachgebiet Parodontologie ausgebildet werden. Der vier Semester dauernde, berufsbegleitendende Studiengang erfolgt in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP) und richtet sich an alle ZahnmedizinerInnen im deutschsprachigen Raum, die bereits über Berufserfahrung verfügen.

Infos & Anmeldung: www.meduniwien.ac.at/paromaster. Der nächste Lehrgang startet im Oktober 2013.

Hier finden Sie auch die weiteren Universitätslehrgänge der MedUni Wien.