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Pionierprojekt bringt Reanimation an Volksschulen

(Wien, 20-05-2014) Wiederbelebungsunterricht als Teil des Lehrplans in der Volksschule – mit diesem von der MedUni Wien wissenschaftlich begleiteten Projekt leistet die Stadt Wien in Zusammenarbeit mit einer Reihe an Partnern im österreichischen Kontext künftig Pionierarbeit im Kampf gegen den plötzlichen Herztod.

 

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit der Universitätsklinik für Innere Medizin II, der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie sowie der Universitätsklinik für Notfallmedizin durchgeführt –  mit dem Ziel, die Kinder von heute zu den mündigen Ersthelfern von morgen zu machen.

 

„Leben retten macht Schule“ – unter diesem Motto geht in Wien im Herbst 2014 ein Volksschul-Reanimationsprojekt an den Start, dass sich an internationalen Best Practice Beispielen orientiert und im österreichischen Kontext Pionierarbeit leistet: Erstmalig in Österreich führt die Stadt Wien mit Schulstart 2014/2015 obligatorischen Reanimationsunterricht in den dritten Schulstufen der Wiener Pflichtschulen ein. Künftig werden demnach alle Wiener Volksschüler in der dritten Klasse als Teil des Lehrplans  zwei 50-minütige Unterrichtseinheiten „Wiederbelebungsunterricht“ absolvieren. Dies soll langfristig eine „Kultur des Helfens und beherzten Handelns“ fördern, denn aus geschulten Kindern werden couragiert handelnde Erwachsene.

 

Fächerübergreifendes Arbeiten
„Leben retten macht Schule“ ist viel mehr als nur ein Schulversuch: das Projekt wird über einen Zeitraum von drei Jahren auch wissenschaftlich begleitet. Die wissenschaftliche und medizinische Unterstützung erfolgt durch die MedUni Wien - in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Innere Medizin II (insbesondere hier durch die Abteilung für Kardiologie), der Klinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie sowie der Klinik für Notfallmedizin. „Im Rahmen dieses Projektes wird also nicht nur im Klassenzimmer fächerübergreifend gearbeitet“, sondern auch im medizinische Kernteam des Projektes, bestehend aus Dr. David Weidenauer von der Abteilung für Kardiologie, Dr. Mario Krammel von der Universitätsklinik für Anästhesie sowie Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schreiber und Fritz Sterz von der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien.

 

Fördern der natürlichen Hilfsbereitschaft
Ausgearbeitet und eingereicht wurde das Projekt von Dr. David Weidenauer von der Abteilung für Kardiologie sowie Gründungsmitglied des Vereins Puls. „Kinder haben  eine natürliche Bereitschaft zu helfen“, so Weidenauer. „Deshalb, und weil Schulkinder durchaus schon in der Lage sind eine Notfallsituation zu erkennen, einen Notruf abzusetzen, sowie eine Defibrillator einzusetzen wurde die dritte Schulstufe ausgewählt. Laut Studien ist es wichtig, sehr früh mit dem Unterricht zu beginnen, selbst wenn die physische Eignung zur Durchführung der Herzdruckmassage noch nicht zur Gänze gegeben ist."

 

Die Lernziele der beiden Wiederbelebungs-Unterrichtsstunden sind Kompetenzen im Erkennen des Kreislaufstillstandes und in der Alarmierung des Rettungsdienstes.  „Die Schüler werden sich der zeitkritischen Notwendigkeit zur Wiederbelebung bewusst, und es werden das Verständnis und grundsätzliche Techniken der Herzdruckmassage vermittelt. Die Anwendung eines Laiendefibrillators ist ebenfalls Teil der beiden 50-minütigen Unterrichtseinheiten“, so Mario Krammel.

 

Public Health- und Forschungsprojekt
In der hinter dem Projekt liegenden Studie werden im ersten Teil Wissenserwerb und Wissenserhalt evaluiert. Im zweiten Teil werden die neuen Unterrichtsmedien bei der Lehre von Wiederbelebungsmaßnahmen durch nicht medizinisches Personal bewertet. „Die Medizinische Universität trägt mit ihrem Engagement in dieser Sache dazu bei, dass das Outcome nach einem präklinischen Kreislaufstillstand systematisch und nachhaltig verbessert wird“, so Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schreiber von der Universitätsklink für Notfallmedizin sowie Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Vereins Puls. „Ganz abgesehen vom nicht bezifferbaren und über allem stehenden Wert des menschlichen Lebens ist das Projekt auch eine Investition in unserer Gesundheitsversorgung“, subsummiert der Notfallmediziner und Reanimationsforscher Univ. Prof. Dr. Fritz Sterz. „Langfristig leistet diese Investition in die altruistischen Kompetenzen unserer Kinder also einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Kosten unseres Gesundheitssystems.“

 

Schulterschluss starker Partner
Die Stadt Wien übernimmt die Finanzierung, die Helfer Wiens die Projektkoordination. Mit an Bord ist auch der Wiener Stadtschulrat. Den Unterricht übernehmen die Profis der Wiener Berufsrettung, des Samariterbundes, des Wiener Jugendrotkreuzes, der Malteser, der Johanniter sowie MedizinstudentInnen der Medizinischen Universität Wien.