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Problem Übergewicht: Dicke Kinder haben vermehrt Knieschäden

(Wien 21-12-2011) Zu dick, allein gelassen und schwerwiegende gesundheitliche Probleme – das ist der Kreislauf, in dem sich immer mehr Kinder und Jugendliche befinden. Ein Forscherteam an der MedUni Wien unter der Leitung von Dr. Harald Widhalm von der Universitätsklinik für Unfallchirurgie hat an 20 krankhaft übergewichtigen Kindern und Jugendlichen nachgewiesen, dass diese neben dem seelischen Frust und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes vermehrt an erheblichen Kniegelenksschäden leiden.

Durchschnittlich waren die ProbandInnen 14 Jahre alt. Der mittlere Body Mass Index (BMI) betrug 39,3 kg/m2 , während in der gesunden Population in dieser Altersgruppe entsprechend der Wachstums-Gewichtskurven nach Kromeyer-Hauschild BMI-Werte bei Normalgewichtigen bei rund 20 kg/m2 zu sehen sind. Widhalm: „In unserer Gruppe waren Kinder mit 180, 190 Kilogramm Körpergewicht.“ Bei Magnetresonanzuntersuchungen, welche auf Grund der massiven Körperumfänge, sowie des zu hohen Körpergewichts der Patienten ausserhalb der MedUni Wien in einem speziellen offenen MRT-Gerät durchgeführt werden mussten, sind bei jedem dieser Kinder bzw. Jugendlichen zumindest ein Knorpelschaden im Knie festgestellt worden. Am häufigsten lag der Defekt hinter der Kniescheibe.

Durch die körperliche Beeinträchtigung schließt sich der Kreis: „Diese Kinder können sich nicht mehr in dem geforderten Maß bewegen und werden im Sport-Unterricht in ein Eck gestellt, das Herz-Kreislaufsystem ist beeinträchtigt, der Frust und die Depression wächst weiter und viele kompensieren das durch weitere Gewichtszunahme“, erklärt Widhalm. Den meisten dieser Jugendlichen fehle auch der Halt in der Familie: „Oft sind beide Elternteile arbeitstätig und haben keine Zeit für ihre Kinder, essen wird zur Ersatzbefriedigung.“ Und viele Eltern leben das Dicksein quasi vor und sind selbst übergewichtig.

Daher appelliert der Mediziner gerade jetzt, zur Weihnachtszeit, wenn Kekse und Schokolade, der Enten- oder Ganslbraten und gesüßte Getränke locken, an die Vorbildwirkung der Eltern: „Zeigen Sie Ihren Kindern, dass es auch gesunde Alternativen gibt!“

Wenn es bereits zu spät ist, gibt es nicht mehr viele Möglichkeiten. Allein mit Bewegung sind dutzende Kilogramm Übergewicht nicht wegzubekommen, ein multiprofessionelles interdisziplinäres Programm ist essentiell. Dann helfen als letzte Möglichkeit nur noch operative rekonstruktive Eingriffe wie, die Implantation eines Magenbandes bzw. die Schaffung eines Magenbypasses. Bei letzterem gilt Wien als eines der führenden Zentren weltweit. Erste Studien unter der Leitung von emer.Univ.Prof.Dr.Kurt Widhalm, einem der renommiertesten Ernährungsmediziner, und Gerhard Prager von der Universitätsklinik für Chirurgie lassen auch die berechtigte Hoffnung zu, dass der Magenbypass positiven Einfluss auf Typ-2-Diabetes besitzt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Adipositas oder Fettleibigkeit zu einer der gefährlichsten Epidemien der Neuzeit erklärt. In der HELENA-Studie (Health Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescence), deren Ergebnisse 2008 in Wien präsentiert wurden, und an der Kurt Widhalm maßgeblich beteiligt war, wurde nachgewiesen, dass 27,6 Prozent der Burschen und 21 Prozent der Mädchen in Europa als übergewichtig eingestuft werden müssen. Harald Widhalm: „Die Tendenz ist steigend.“