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Raynaud-Syndrom: Oft harmlos, manchmal gefährlich

(Wien, 15-01-2016) Vor allem jüngere Frauen klagen bei Kälte oder Stress manchmal über auffällig bleiche Finger oder Zehen. Diese als Raynaud-Syndrom (auch Weißfingerphänomen) bekannte Durchblutungsstörung ist in 90 Prozent aller Fälle völlig harmlos. In seltenen Fällen kann dahinter eine andere Erkrankung stecken. Eine Forschungsgruppe der MedUni Wien hat nun herausgearbeitet, dass bei Menschen mit Raynaud-Syndrom durch einfache Untersuchungen nicht nur das Risiko für eine andere Erkrankung, sondern auch für eine reduzierte Lebenserwartung eingeschätzt werden kann. Dadurch lässt sich feststellen, welche Betroffenen von regelmäßigen Arztbesuchen profitieren.

Das Phänomen der weißen Finger ist meist nur eine harmlose Durchblutungsstörung (Morbus Raynaud), die durch Kälte oder Stress ausgelöst wird und durch Wärmezufuhr wieder verschwindet. Bei ca. zehn Prozent der Betroffenen steckt hinter dem Symptom aber eine Erkrankung. Dabei kann es sich um Autoimmunerkrankungen, kardiovaskuläre Erkrankungen,  Tumore oder Medikamentennebenwirkungen handeln. Um hier Gewissheit zu erhalten, gibt es – neben der Anamnese – zwei effektive Untersuchungsmethoden. Einerseits werden mittels Kapillarmikroskopie die Kapillaren des Nagelfalzes untersucht. Und andererseits überprüft eine Blutuntersuchung, ob zum Beispiel Autoantikörper den eigenen Organismus angreifen.

Die Forschungsgruppe der MedUni Wien bestehend aus ForscherInnen der Klinischen Abteilungen für Angiologie (Studienleiter Oliver Schlager und Michael Gschwandtner, Erstautor Markus Müller) und Rheumatologie (Universitätskliniken für Innere Medizin II bzw. III), der Klinischen Abteilung für Medizinisch-chemische Labordiagnostik und des Institutes für Medizinische Statistik wertete nun die PatientInnendaten (2958 Personen) der Jahre 1994 bis 2008 in Bezug auf die Lebenserwartung der Betroffenen (Sterberegisterabfrage) aus. Dabei zeigte sich, dass Frauen, bei denen mittels dieser Untersuchungen Auffälligkeiten diagnostiziert wurden, eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit hatten. Wer bei beiden Untersuchungen sowohl Kapillarauffälligkeiten als auch Autoantikörper nachgewiesen bekommen hatte, besaß statistisch gesehen die kürzeste Lebenserwartung. Bei Männern war die Lebenserwartung – unabhängig von Kapillaren und Antikörpern – reduziert.

Kein Grund zur Beunruhigung, erläutert Studienleiter Oliver Schlager von der Klinischen Abteilung für Angiologie das Ergebnis: „Die statistische Auswertung zeigt lediglich auf, dass sich Betroffene mit diesen Auffälligkeiten häufiger als üblich Kontrolluntersuchungen unterziehen sollten.“

Service: Circulation

Relation of Nailfold Capillaries and Autoantibodies to Mortality in Patients With Raynaud's Phenomenon.
Mueller M, Gschwandtner ME, Gamper J, Giurgea GA, Charwat-Resl S, Kiener HP, Smolen JS, Perkmann T, Koppensteiner R, Schlager O. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26733605