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Rektoren von österreichischen MedUnis gegen vierte Medizinische Universität

Lokale Interessen bringen keinen Nutzen für Ärzteversorgung aber Verschlechterung der Lehr- und Forschungssituation 

(OTS, 16-03-2010) Zur Intention einer vierten öffentlichen Medizinischen Universität (in Linz) geben die Rektoren der Medizinischen Universitäten von Graz, Innsbruck und Wien die folgende Stellungnahme ab:

Kein zunehmender Ärztebedarf sondern Wartezeit auf Ausbildungsplätze und Kassenverträge
Von verschiedenen politischen Kräften Oberösterreichs wird auf den Bund zunehmend Druck zur Errichtung einer aus öffentlichen Mitteln finanzierten Medizinischen Universität in Linz ausgeübt. Der nach außen vermittelte Grund dafür sei ein absehbarer Mangel an Ärzten in Österreich. Keine Studie von zu dieser Frage unabhängigen Autoren belegt diese Annahme. Die Zahl der Medizin-Absolventen ist seit 2001 auf einem unverändert hohen Niveau, durchschnittlich um ein Drittel höher als in den Neunziger-Jahren – und damals (genaugenommen sogar bis Juli 2005, wo der Europäische Gerichtshof die österreichischen Zulassungskriterien wegen Diskriminierung nicht-österreichischer EU-Bürger aufhob) hat die Ärztekammer noch von einer drohenden "Ärzteschwemme" gesprochen. Mit einer sinkenden Absolventenzahl wird auch in Hinkunft nicht zu rechnen sein, da die Erfolgsrate der neu aufgenommen Studierenden aufgrund der seit drei Jahren angewandten Zulassungsverfahren deutlich angestiegen ist.

Davon unabhängig ist die Schlussfolgerung, dass mehr Medizinstudierende zu einer größeren Zahl versorgungswirksamer Ärzte führen, unzulässig, denn es gibt je nach Bundesland unterschiedlich lange Wartezeiten auf einen Ausbildungsplatz zum All¬gemein¬arzt oder Facharzt (erst nach erfolgter Ausbildung herrscht Berufsberechtigung!). Oberösterreich wäre glücklich zu schätzen, wenn dort keine Wartezeiten existieren. Aber auch nach Berufsberechtigung gibt es keine Anzeichen, dass die Zahl der für eine Niederlassung essentiellen Kassenverträge oder die für eine Spitalsanstellung notwendigen Facharztstellen ansteigen werden; aufgrund leerer Kassen in Bund und Ländern ist eher das Gegenteil zu be¬fürchten. Ebenso wenig ist die partielle Unterversorgung mit Ärzten in ländlichen Regionen durch mehr Medizinstudierende behebbar, sondern nur durch strukturelle Maßnahmen.

Sollte sich in den nächsten Jahren trotzdem ein allfälliger Bedarf an mehr versorgungsfähigen Ärzten abzeichnen und sollten Länder und Kassen gleichzeitig bereit sein, Aus¬bildungsstellen, Facharztstellen und die Zahl der Kassenverträge überproportional zu erhöhen, so werden auch die drei Medizinischen Universitäten in Innsbruck, Graz und Wien darauf vorbereitet sein: durch das Universitätsgesetz und die darauf basierenden Leistungsvereinbarungen mit dem Bund angehalten erarbeiten sie bis Jahresmitte eine bedarfsinduzierte Umsetzung von zusätzlich 500 Plätzen für Studienanfängerinnen und Studienanfänger.

Nicht mehr Studierende sondern mehr Absolventen und mehr Lehrkrankenhäuser - Angebot zur Kooperation
Aufgrund der schon derzeit kritischen Finanzierung der öffentlichen Universitäten, deren Lage sich durch die vom Bund geplanten Sparmaßnahmen nur verschlimmern kann, ist eine Verdünnung des Universitätsbudgets durch eine weitere Universität aufgrund der geschilderten Faktenlage kontraproduktiv. Die Ausbildung in den Grundlagenfächern würde quantitativ zunehmen aber sich qualitativ verschlechtern. Der Engpass in der klinischen Ausbildung würde sich weiter verschärfen. Es besteht kein Bedarf für mehr Studienplätze, sondern zur Verbesserung der klinischen Ausbildung durch mehr Lehrkrankenhäuser. 

Hier kann die ausgezeichnete oberösterreichische Spitalslandschaft akademisch genutzt werden. Die Medizinischen Universitäten in Graz und Innsbruck betreiben schon jetzt das letzte Studienjahr ihres Medizincurriculum als Praktisches Jahr, die Medizinische Universität Wien stellt ihr Curriculum gerade in diesem Sinne um. Für die Vermittlung der erforderlichen klinischen Fertigkeiten in diesem Praktischen Jahr sind zusätzliche Lehrspitäler notwendig, wofür sich die oberösterreichischen Spitäler schon jetzt hervorragend eignen.

Herbert Lochs, MedUni Innsbruck
Wolfgang Schütz, MedUni Wien
Josef Smolle, MedUni Graz