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sFAS als Atherosklerose-Risikofaktor identifiziert

Marker-Protein für Zell-Apoptose gefunden: Hohe Konzentrationen im Blut
zeigen Gefährdung für akute Herz-Kreislauf-Zwischenfälle an.

Gefäßverkalkung - Atherosklerose - ist im Grunde eine Alterserscheinung. Die Plaques in den Arterien entwickeln sich über Jahrzehnte hinweg, bis sie via Herzinfarkt oder Schlaganfall akute Zwischenfälle verursachen. Wichtig wäre es, hier Gefährdete frühzeitig identifizieren zu können. Wissenschafter der MedUni Wien haben dazu einen möglichen neuen "Marker" gefunden: Ein Protein, das bei erhöhten "Zell-Selbstmordraten" im Blut auftaucht.

Das Team von den Abteilungen für Angiologie bzw. Kardiologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II (AKH), das seine Arbeit vor wenigen Tagen in der international angesehenen Fachzeitschrift "Stroke" veröffentlichte: "Marker für Apoptose ("Programmierter Zelltod" bei vorhergehender schwerer Schädigung, Anm.) werden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Das lösliche Apoptose-stimulierende Protein-Fragment (sFAS) wurde bereits als Prognosefaktor für Patienten mit chronischer Herzschwäche identifiziert, seine Bedeutung für Patienten mit Atherosklerose war bisher aber noch nicht voll geklärt." Erstautor Matthias Hoke und die Co-Autoren untersuchten daher 981 Patienten mit asymptomatischen atherosklerotischen Veränderungen der Halsschlagadern - ein wesentlicher Risikofaktor für Schlaganfälle, weiters ein per Ultraschalluntersuchung leicht bestimmbares Indiz für vorliegende Atherosklerose insgesamt - auf ihre Konzentrationen von sFAS im Blut. Die Beobachtungszeit betrug im Durchschnitt 6,2 Jahre.

Co-Autor Alexander Niessner von der Klinischen Abteilung für Kardiologie an der Wiener Universitätsklinik: "Die Patienten hatten eine bisher symptomlose Atherosklerose. In der Studie hat sich herausgestellt, dass jene Personen, die unter die 20 Prozent der Probanden mit den höchsten sFAS-Werten im Blut fielen, eine um das 2,3-Fache erhöhte Gesamtmortalität und eine um das 2,4-Fache erhöhte Herz-Kreislauf-Sterblichkeit aufwiesen."

Das Ergebnis, es waren insgesamt 250 Todesfälle (25,5 Prozent), davon 165 Herz-Kreislauf-Todesfälle (66 Prozent) registriert worden, war statistisch hoch signifikant. Niessner: "Bisher hat man vor allem den Entzündungsmarker C-reaktives Protein als Prognosefaktor angesehen. Durch eine Kombination mit sFAS könnte man die Aussagekraft aber offenbar deutlich erhöhen." Solche Risikobestimmungen sind deshalb so wichtig, weil sie ein Kriterium für allfällige vermehrte präventive Maßnahmen sein können. Atherosklerose ist ab einem gewissen Alter ein generelles Problem, aber nicht bei allen kommt es zu Herzinfarkt, Schlaganfall etc.

Publikation in "Stroke":
» The Prognostic Impact of Soluble Apoptosis-Stimulating Fragment on Mortality in Patients With Carotid Atherosclerosis. Matthias Hoke, MD; Martin Schillinger, MD; Gerlinde Zorn; Anna Wonnerth, MD; Jasmin Amighi, MD; Wolfgang Mlekusch, MD; Walter Speidl, MD; Gerald Maurer, MD; Renate Koppensteiner, MD; Erich Minar, MD; Johann Wojta, PhD; Alexander Niessner, MD, MSc.

Über die Autoren

Univ. Lektor Dr. Med. univ. Matthias Hoke, 31, und Ass. Prof. Priv. Doz. Dr. med. univ. Alexander Niessner, 39, arbeiten an der Universitätsklink für Innere Medizin II der Medizinischen Universität Wien.

Niessner studierte ab 1992 an der Universität Wien Medizin, unterbrochen von einem einjährigen Studienaufenthalt in Spanien im Rahmen eines ERSAMUS Stipendiums. Seit der Promotion 1998 arbeitet Niessner an der Universitätsklinik für Innere Medizin II, Abteilung für Kardiologie, in der Forschungsgruppe "Atherosklerose, Thrombose und vaskuläre Biologie" und befasste sich dabei mit dem Zusammenhang zwischen Atherosklerose und Entzündung. Niessner wurde außerdem mit mehreren Grants und Awards ausgezeichnet: Erasmus Stipendium der EU, Schrödinger Mobility Grant des FWF; Basic Research Award of the Austrian Society of Cardiology 2006; Seymour and Vivian Milstein Young Investigator Award (International Society for Interferon and Cytokine Research) 2006; Researcher of the Month der MedUni Wien März 2008 und mit dem Otto-Kraupp-Preis für die beste Habilitation.

Matthias Hoke aus Klagenfurt studierte von 1997 – 2003 an der Medizinischen Universität Wien. Er befasst sich u.a. mit den Themenbereichen Atherosklerose in der Halsschlagader, Risikofaktoren der venösen Thromboembolie, genetische Risiken und Epidemologie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Seine Awards: 2003 Scholarship („Sondervermögen der Universität Wien“), 2010 Best Poster, Angiologische Dreiländertagung, Basel, 1. Platz und 2011 Best Abstract, Angiologische Dreiländertagung, Basel, 2. Platz.