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Silvia Bonelli-Nauer

Titel: Ass.Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in
Researcher of the Month Juli 2014


Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden? Was waren da die Gründe?

Also, neugierig war ich schon immer, schon in der Schule und das, glaube ich, ist eine sehr wichtige Eigenschaft für eine wissenschaftliche Karriere. Ich wollte schon als Kind immer Forscherin werden. Das ist bis zu einem gewissen Grad so geblieben. Auch als ich zu studieren begonnen habe, war mir relativ bald klar, dass ich gerne Wissenschaft zusätzlich zur Klinik machen würde -und die Medizin bietet sich hier an, da man -trotzdem es natürlich anstrengend ist- beides (nämlich Forschung und Klinik) auch umsetzen kann. Ich glaube auch, dass ich familiär ein bisschen vorgeprägt bin, beide Eltern sind Mediziner, und auch in der Großfamilie gibt es einige Naturwissenschaftler, die zum Teil auch in der Forschung tätig sind.

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?

Bis jetzt sehr glücklich und geradlinig. Ich habe in Wien Medizin studiert und circa im 2. Semester gewusst, dass ich am liebsten Neurologin werden würde, weil mich „das Gehirn“ eben besonders interessiert hat. Bei meinem Doktorvater habe ich dann gegen Ende des Studiums wissenschaftliches Arbeiten (kennen)gelernt. Auch mein heutiges Spezialgebiet „Epilepsie“ hat sich für mich in dieser Zeit erschlossen. Als ich mit dem Studium fertig war, gab es zuerst keine Stelle. Deswegen habe ich mit den Gegenfächern in auswärtigen Spitälern in Wien und in Linz begonnen. Ich war wissenschaftlich immer in Kontakt mit der Klinik hier und habe schlussendlich die klinische Ausbildung hier an der neurologischen Abteilung abgeschlossen. Gegen Ende der Ausbildung habe ich ein Stipendium für einen Auslandsaufenthalt am UCL in London bekommen. Das war ursprünglich für ein Jahr geplant, geblieben bin ich dann letztendlich für vier Jahre. Das war eine super Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe, vor allem auch im Rahmen eines PhDs, das ich vor kurzem abgeschlossen habe. Nach meiner Rückkehr 2010 habe ich dann die Facharztausbildung beendet und habilitiert, 2012 habe ich die Assistenzprofessur bekommen. Dazwischen sind noch meine 2 Buben auf die Welt gekommen, sie sind jetzt 5 und 1 1/2 Jahre alt. Seit 2 Wochen bin ich aus der 2. Kinderkarenz zurück; Ziel ist es jetzt, eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen und dort weiterzumachen, wo ich in London aufgehört habe.

Was sind Ihre Stärken? Wie konnten sie diese für Ihre Karriere nutzen?

Also, die Stärken: Ich bin sicher sehr konsequent und belastbar, teamfähig und grundsätzlich optimistisch. Und ich glaube, diese Eigenschaften haben mir bisher alle genützt, denn es ist schon eine Herausforderung, wenn man sozusagen Familie, Forschung und klinische Tätigkeit kombinieren will.

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?

Ich glaube, es gibt private und auch berufliche Ressourcen. Also, privat haben mich meine Eltern von Anfang an, seit ich klein war, bei allem, was ich machen wollte, immer unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar. Sie haben mir vor allem auch die Überzeugung vermittelt, dass man alles machen und alles schaffen kann, wenn man nur möchte.

Jetzt ist das natürlich vor allem meine eigene Familie, also mein Mann und meine zwei kleinen Buben, die mich auf Trab halten und einen wichtigen Ausgleich zum Berufsalltag schaffen - das halte ich ganz generell für sehr wichtig. Früher habe ich auch viel Sport gemacht, aber das bleibt jetzt ein bisschen auf der Strecke, genauso wie Theater und Kino und diese Dinge. Aber das ist auch ok so, meine Familie ist für mich eine extrem wichtige Ressource.

Beruflich habe ich zwei Mentoren gehabt, die mich im Laufe der Jahre sehr unterstützt haben: Der Erste war wie schon gesagt mein Doktorvater, der mir das wissenschaftliche Arbeiten beigebracht hat und gezeigt hat, dass man auch bei uns gute Forschung machen und ein guter Arzt sein kann, aber eben manchmal eine „extra Mile“ gehen muss, um das zu erreichen. Der zweite Mentor war mein PhD-Supervisor in London. Ich finde es immer noch sensationell, was ich in dieser Zeit gelernt und wie sehr ich davon profitiert habe, unter wirklich ausgezeichneter Supervision in einer international renommierten Gruppe arbeiten zu können. Vor allem aber hatte ich damals auch die Zeit, in Ruhe etwas Neues zu lernen, was bei uns neben der Klinik nicht geht. Also, diese Zeit, diese vier Jahre waren wahrscheinlich, was meinen wissenschaftlichen Werdegang angeht, meine wichtigste Ressource. Nicht vergessen, darf man vor allem aber auch die Kontakte, die man in so einer Phase knüpft und das wissenschaftliche Netzwerk, das daraus entsteht und von dem ich auch heute noch sehr profitiere.          

Aus welcher Situation in Ihrer Karriere haben Sie am meisten gelernt?

An ein wirklich einschneidendes Ereignis kann ich mich jetzt speziell nicht erinnern.

Meine bislang größte Hürde, die ich überwinden musste, war die Organisation des Auslandsaufenthaltes: Ich wollte unbedingt ins Ausland, unbedingt nach London gehen und mein Forschungsantrag ist im ersten Schritt abgelehnt worden, dann aber in der zweiten Runde bewilligt worden. Das war natürlich im ersten Moment eine Enttäuschung, aber man lernt daraus, dass man sich von kleineren Misserfolgen im beruflichen Alltag nicht entmutigen lassen darf.

Gab es während Ihrer Karriere Situationen, in denen es eine Rolle spielte, dass Sie eine Frau sind?

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich bisher in irgendeiner besonderen Form behindert worden wäre dadurch, dass ich eine Frau bin.

Was ich schon sagen muss ist, dass man durch die Kinderkarenzen, und die dadurch entstehenden Abwesenheiten, karrieretechnisch natürlich ins Hintertreffen gerät – zumindest passager. Ich empfand es auch als unangenehm, dass man nach den diversen Karenzen immer wieder eine gewisse Einarbeitungszeit benötigt, vor allem für die klinische Routine. Allerdings liegt das wohl auch in der Natur der Sache und kann einem auch nur begrenzt abgenommen werden. Insgesamt finde ich, dass die oft strapazierte Doppelbelastung wirklich gegeben ist - das habe ich auch definitiv unterschätzt. Jetzt läuft neben der Arbeit sozusagen ein zweiter Film im Kopf ab: Sind die Kinder gut versorgt? Haben Sie es auch lustig? Etc..Und natürlich ist man als Mutter der erste Ansprechpartner, vor allem wenn die Kinder noch so klein sind. Aber trotz aller Belastung würde ich alles genauso wieder machen, da es auch ein besonderes und schönes Privileg ist, Mutter sein zu dürfen.

Und sonst… ich habe nie das Gefühl gehabt, dass bei einer Stellenvergabe das Geschlecht eine Rolle gespielt hätte. Ich habe beruflich viel mit Männern zusammengearbeitet und immer das Gefühl gehabt, dass es da durchaus Unterstützung und auch Verständnis gibt. Ich habe nach der Geburt unseres erstgeborenen Sohnes meine Forschungszeit in London beendet und auch dort, da Felix damals ja noch ganz klein war (4 Monate) ist mir viel Unterstützung entgegengebracht worden. Vielleicht hatte ich nur Glück, vielleicht aber gibt es da ja doch schon ein Umdenken.

 

Falls Sie Kinder haben: Was hat sich durch das Kind/ die Kinder verändert? Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?

 

Wenn man in den Beruf zurückkehren möchte, und das eher bald, dann braucht man ein gutes Netzwerk. In unsere Familie ist das ganz entscheidend, weil mein Mann beruflich auch sehr eingespannt ist. Das Netzwerk wird vor allem von den Großeltern getragen, vor allem  meiner Mutter und meiner Schwiegermutter, die, wenn sie können, immer einspringen. Für den Alltag haben wir eine Betreuungseinrichtung, also einen Kindergarten, mit dem wir sehr zufrieden sind. Für die Stunden dazwischen haben wir ein Au-Pair Mädchen, das auch etwaige Kindergarten/ Oma-freie Tage abfedert und das funktioniert soweit ganz gut. Was hat sich beruflich durch die Kinder verändert: Man wird deutlich effizienter, finde ich. Jetzt denke ich mir oft: mein Gott, wie viel Zeit habe ich früher gehabt und was hätte ich da noch alles machen können. Man wird auch organisatorisch besser. Und, hm, Ich glaube, es verschieben sich eben die Schwerpunkte – es gibt jetzt eben eine ganz wichtige Komponente in meinem Leben, für die auch der Job gelegentlich hintangestellt werden muss.    

Welchen Ausgleich suchen Sie in der Freizeit?

Ich spiele immer noch viel Klavier. Vor den Kindern habe ich viel Sport gemacht und war auch oft in Konzerten, Theater und im Kino. Das bleibt momentan ein wenig auf der Strecke; aber derzeit bin ich gerade dabei, die sportlichen Aktivitäten mit dem Älteren wieder aufzunehmen, vor allem Tennis spielen. Überhaupt versuche ich, soviel Zeit als möglich gemeinsam mit den Kindern und meinem Mann zu verbringen.

Vielleicht können Sie jüngeren Kolleginnen zum Abschluss noch ein paar Tipps und Tricks verraten.

Ich glaube, es ist für die jetzige Generation nochmal schwieriger. Es ist klar, dass man jetzt einen PhD-Abschluss braucht, wenn man an der Klinik bleiben will. An sich finde ich diese Entwicklung ja gut, nämlich, dass man die Möglichkeit hat, einen akademischen Weg einzuschlagen, für den ein PhD nötig ist. Und gerade deshalb glaube ich, dass es ganz wichtig ist, sich möglichst früh zu überlegen, was man eigentlich möchte. Wenn ich noch einmal anfangen und wissen würde, dass ich eine wissenschaftliche Karriere einschlagen möchte, dann würde ich zuerst einen PhD machen, weil man dort lernt, auf einem ganz anderen Niveau wissenschaftlich zu arbeiten und danach erst klinisch arbeiten; wissenschaftlich ist man dann schon etwas etabliert und meistens gut in eine Arbeitsgruppe eingebunden, in der man weiterarbeiten kann. So würde diese Doppelbelastung gemildert werden, mit der derzeit viele junge Kollegen/innen kämpfen und wodurch schnell Frustration und Überforderung entsteht.