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Studie: Fehlerhafte Gurtfixierung führt oft zu Todesfällen

(Wien, 25-01-2012) Nicht fachgerecht angewendete Gurtsysteme können für fixierte Bewohner/innen und Patient/inn/en tödlich enden. Das ist das Ergebnis der Studie eines ForscherInnen-Teams aus Wien und München unter der Leitung von Andrea Berzlanovich vom Department für Gerichtsmedizin an der Medizinischen Universität Wien. 27.000 Obduktionen des Rechtsmedizinischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität in München wurden für die Analyse herangezogen, wie das aktuelle Deutsche Ärzteblatt berichtet.

19 Fälle von fehlerhafter Gurthandhabung
Während in Gurtsystemen drei Patienten infolge eines natürlichen Todes und ein Betroffener durch Suizid verstarben, war bei 22 Pflegebedürftigen der Todeseintritt allein auf die jeweilige Fixierung zurückzuführen. Deren Tod war entweder durch Strangulation (n=11), Thoraxkompression (n=8) oder in Kopftieflage (n=3) eingetreten. Bei 19 BewohnerInnen/PatientInnen wurden die Gurte fehlerhaft angelegt, zweimal sind behelfsmäßige Mittel zur Fixierung herangezogen worden. Trotz korrekter Anwendung eines Bauchgurts kam bei einer Heimbewohnerin aufgrund ihrer Gelenkigkeit und durch ihre Konstitution zur Strangulation.

„Dringend Alternativen ausschöpfen“
Gurtfixierungen kommen speziell bei zu Pflegenden mit erhöhtem Sturzrisiko, motorischer Unruhe, agitiertem Verhalten sowie auch bei Selbstbeschädigungs-absichten und Suizidgefahr zum Einsatz. Die Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM), insbesondere das Anbringen von Gurten gegen den Willen der Betroffenen, ist ein schwerwiegender Eingriff in die persönlichen Grundrechte und stellt damit eine spezielle Form von Gewalt dar.

„Zur Verhinderung derartiger Todesfälle wird aus gerichtsmedizinischer Sicht dringend empfohlen, alle Möglichkeiten von Alternativen zu FEM auszuschöpfen“, fordert Berzlanovich. Falls Fixierungen tatsächlich benötigt würden, müssten diese vorschriftsmäßig angelegt und die Betroffenen verstärkt vom Pflegepersonal beobachtet werden.

„Ein wichtiges Resultat eigener Folgeuntersuchungen ist, dass in Bayern ein Umdenkungsprozess betreffend die Anwendung von mechanischen Fixierungen (Anm.: Bettgitter, Gurte, Vorsatztische, etc.) eingesetzt hat. Bis vor wenigen Jahren war es üblich, dass  jede(r) vierte(r) HeimbewohnerIn fixiert wurde, heute, ist es „nur“ noch jede/r Fünfte. Wie die Situation in Österreich aussieht, lässt sich angesichts fehlender Studien, nur erahnen.“