Skip to main content

news

Therapie seltener Tumore: Weniger Symptome - Längeres Überleben

(Wien, 16-07-2014) - Eine bereits seit längerem gegen die Symptome von Hormon-bildenden Tumoren des Verdauungstraktes eingesetzte medikamentöse Behandlung bremst auch deutlich das Fortschreiten der Erkrankung und verhindert Todesfälle. Das hat eine internationale Studie unter Beteiligung von Wiener Wissenschaftern an 204 Patienten ergeben. Sie erscheint in der aktuellen Ausgabe des "New England Journal of Medicine".

Fünf von 100.000 Menschen erkranken jährlich an sogenannten neuroendokrinen Tumoren. Es handelt sich dabei um bösartige Gewebeneubildungen, die durch eine zum Teil sehr starke Produktion von verschiedenen Hormonen charakterisiert sind. Etwa die Hälfte davon betrifft den Verdauungstrakt, unter anderem die Bauchspeicheldrüse, schrieben Martyn Caplin vom Royal Free Hospital (London) und dessen Co-Autoren, unter ihnen Markus Raderer von der Universitätsklinik für Innere Medizin I (Onkologie) im Wiener AKH (MedUni Wien), in ihrer Publikation.

Zwar war bekannt, dass sogenannte Somatostatin-Analoga als Medikamente die Symptome durch Hemmung der überschießenden Hormonproduktion reduzieren. Die Auswirkung auf das Fortschreiten des Tumorleidens und die Überlebensraten waren aber bisher nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Deshalb behandelten die Wissenschafter 101 Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung (Metastasen) über 96 Wochen hinweg mit 120 Milligramm eines lang wirksamen Somatostatin-Analogons (Lanreotide) und verglichen das Therapieergebnis mit 103 Erkrankten, die ein Placebo erhielten. Somatostatin-ähnliche Substanzen hemmen - genauso wie das körpereigene und vor allem in der Bauchspeicheldrüse gebildete Hormon - die Ausschüttung anderer Hormone.

Todesrate gesunken
Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Todesrate war im Beobachtungszeitraum bei den Kranken, die das echte Medikament bekommen hatten, um 53 Prozent geringer als unter den Patienten, welche ein Placebo erhalten hatten. Ebenso verdoppelte sich der Anteil der Kranken, die zwei Jahre lang ohne Fortschreiten der Erkrankung überlebten, von 33 auf 65,1 Prozent. Die Resultate waren statistisch signifikant.

Damit dürfte der positive Effekt einer solchen Behandlung untermauert worden sein. Neben einer Verbesserung der Lebensqualität hat die Therapie offensichtlich auch eine Auswirkung auf das Überleben der Patienten. Hinzu kommt, dass es zunehmend auf molekularbiologischen Erkenntnissen basierende neue Arzneimittel gibt, die gerade bei solchen Erkrankungen in Zukunft noch bessere Behandlungsmöglichkeiten eröffnen sollen.